Sind Sie der Rockstar der Trainer, Gertjan Verbeek?

»Deutschland muss aufpassen«

Wie steht es um die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Holland. Gibt es die im Fußball noch?
Deutschland muss gut schauen, was in Holland schief gelaufen ist und daraus lernen. In Deutschland fängt nämlich gerade an, was in Holland schon länger läuft, dass nämlich immer mehr junge Spieler die heimische Liga verlassen und in Ligen wechseln, die sportlich oder finanziell interessanter sind. Denken sie nur daran, dass für Leroy Sané von Schalke gerade angeblich so unglaubliche Beträge geboten werden. Wenn man in Deutschland nicht aufpasst, gehen alle talentierten Spieler in die Premier League. In Holland ist bereits viel Erfahrung verlorengegangen. Vielen Vereinen fehlen Routiniers, das Durchschnittsalter der meisten Mannschaften liegt nur noch zwischen 21 und 23 Jahren.

Ist es dadurch für Sie als Trainer weniger attraktiv geworden, in Ihrem Heimatland zu arbeiten?
Nein, weil wir immer noch einen Fußball spielen, bei dem Kreativität und Offensivspiel hoch im Kurs stehen.

Höher als in Deutschland?
Zweikämpfe und Kampf generell sind in Deutschland sehr wichtig, weil die Unterschiede zwischen den Mannschaften geringer sind. Fußball in Deutschland ist ein Männersport, in Holland ist er einer für Jugendliche geworden. Und hier in Deutschland geht es mehr um die Resultate.

Sie haben mal gesagt, dass Sie kein »Ergebnistrainer« seien. Was für ein Trainer sind Sie denn?
Ich bin ein Prozesstrainer, denn ich gehe davon aus, dass man über erfolgreiche Prozesse letztlich zu guten Resultaten kommt. Ergebnisse habe ich geliefert: Wir sind aufgestiegen, haben in Holland den Pokal gewonnen und ich habe über 70 Spiele in der Europa League mit Klubs gemacht, für die internationale Spiele nicht selbstverständlich sind.

Inwiefern sind Sie ein holländischer Trainer, wenn Sie sich mit Ihren deutschen Kollegen vergleichen?
Ich bin es nicht gewohnt, bei Pressekonferenzen den Gegner zu loben, weil man das bei uns nicht macht. Meine deutschen Kollegen tun das. In Holland spricht man nur über die eigene Mannschaft.

Welches Team sehen Sie derzeit besonders gerne spielen?
Leverkusen finde ich interessant anzuschauen, auch wenn die Resultate in dieser Saison nicht ganz so gut sind. Aber ich liebe das offensive Spiel, und das zeigt Leverkusen. Für mich ist außerdem bemerkenswert, dass Thomas Tuchel das Spiel von Borussia Dortmund in so kurzer Zeit so deutlich verändert hat. Und natürlich vorneweg der FC Barcelona und Bayern München.