Sind Sie der Rockstar der Trainer, Gertjan Verbeek?

»Ich habe morgens Unmengen von Eiern gegessen«

Waren Sie als Jugendlicher undiszipliniert?
Nein, ich war sogar sehr diszipliniert, weil ich unbedingt Fußballprofi werden wollte. Ich bin schon mit 12, 13 Jahren neben dem normalen Training zusätzlich gelaufen. Mitten im Winter, 15 Kilometer durch die Kälte. Schon damals habe ich mich mit Ernährung beschäftigt, meine Mutter, die Krankenschwester war, musste mir Vitaminpräparate besorgen. Und ich habe auch verrückte Sachen ausprobiert.

Welche denn?
In einem der Rocky-Spielfilme hat Silvester Stallone ganz viele Eier gegessen. Ich habe gedacht: »Das mache ich auch, dann werde ich wie Rocky!« Also habe ich morgens um halb sieben Uhr Unmengen von Eiern gegessen und bin noch vor der Schule zehn Kilometer gelaufen.

Sind Sie so zu Rocky geworden?
Kurz darauf hatte ich etliche Entzündungen im Körper. Als ich dem Arzt von meinem Training erzählt habe, hat er gesagt: »Junge, lass die Eier weg!«

Das klingt so, als ob Sie damals nicht ganz einfach gewesen wären. Ist das auch die Erklärung dafür, dass Sie heute Leuten helfen, die in Problemen stecken?
Wenn ich mir die Frage stelle: Wie gehe ich mit Menschen um? Dann heißt die Antwort doch: So wie ich selbst möchte, dass sie mit mir umgehen. Wenn es mir also mal schlecht gehen sollte, würde ich hoffen, dass jemand zu mir sagt: »Komm zu mir, ich helfe dir!« Und wenn ich in der Lage bin, dass ich Leuten helfen kann, mache ich das.

Sie haben einen Ihrer ehemaligen Jugendspieler vom SC Heerenveen als Pflegesohn aufgenommen, und Sie unterstützen auch andere?
Das stimmt. Wenn Leute zu mir kommen und sagen, dass sie unterkommen müssen oder Geld brauchen, sage ich oft: »Ja.« Ich habe mehrere Häuser, und die sind alle bewohnt von Freunden, die Unterschlupf suchen. Es macht mir Spaß zu helfen.

Verbreiten Sie den Eindruck des harten, streitbaren Trainers und Lonely Cowboy, der sich eine Waldhütte baut und auf der Harley Davidson durch die Gegend fährt, damit niemand merkt, was für ein mitfühlender Mensch Sie sind?
Es gibt einen Unterschied im Umgang mit Leuten in meinem inneren Kreis und denen im äußeren Kreis, etwa bei der Arbeit. Aber ich kann auch privat hart sein, denn ich muss Entscheidungen treffen. Und das kann ich gut.

Wie hart müssen Sie gegenüber Ihren Spielern sein?
Die Situation einer Fußballmannschaft ist immer schwierig. Da sind ständig 30 Leute mit all ihren Erwartungen und Enttäuschungen zusammen, mit all den Spannungen und dem Stress. Jeder will spielen, und trotzdem schauen die meisten nur zu. Da muss ein Trainer klar sein.

Haben Sie noch ein Herz für Ihre Spieler?
Wer sich nicht entwickelt, verliert den Zugang zu den Spielern und Mitarbeitern. Wenn man sich nicht mehr auf die heutige Generation einlassen kann, muss man gleich aufhören.

Wie meinen Sie das?
Als ich vor 30 Jahren noch Jugendtrainer war, hat ein Spieler, der sich für Musik interessiert hat, eine Kassette aufgenommen und mitgebracht. Die haben wir im Mannschaftsbus gehört. Dann kam der Walkman, und jeder wollte im Bus seine eigene Musik hören. Das habe ich nicht erlaubt. Später kam das Video, und wir haben auf den Fahrten all zusammen Filme angeschaut. Heute sitzt jeder im Bus mit einem Kopfhörer auf, schaut Filme in seiner Landessprache und ist in der eigenen Welt. Aber ich kann nicht sagen: Das geht nicht. Wenn ich mich über so etwas ärgern würde oder über Tätowierungen und Ringe durch die Nase, müsste ich aufhören.

Sie ärgern sich nie?
Nein, aber ich habe immer versucht, bestimmte Entwicklungen so lange wie möglich zu verhindern. Bunte Fußballschuhe etwa.

Heute gibt es keine anderen mehr.
Das stimmt nicht: Ich habe immer noch schwarze Schuhe. Und wenn es keine mehr geben sollte, werde ich sie halt überfärben.

Und wie kommen Sie mit der Musik Ihrer Spieler zurecht?
Es ist nicht meine, aber das ist auch eine Frage unterschiedlicher Generationen. Mein Vater war fassungslos, als ich mein erstes Haus gebaut und dafür einen Kredit aufgenommen habe. In seiner Generation machte man keine Schulden.