Sind Sie der härteste Spieler der Liga, Dominik Kohr?

»Ich ziehe nie zurück«

Dominik Kohr geht dahin, wo es weh tut. Spitzname? Hardkohr. Mittlerweile wütet der U21-Europameister wieder in Leverkusen durchs Mittelfeld - und sammelt weiter fleißig Karten. Knackt er irgendwann sogar Effes Rekord?

Katrin Binner
Heft: #
189

Dominik Kohr, sagt Ihnen der Name Andoni Goikoetxea etwas?
Nein, der sagt mir nichts.

Und klingelt es beim »Schlächter von Bilbao«?
Ehrlich gesagt auch nicht. Aber klingt aufregend.

Der »Schlächter von Bilbao« war in den Achtzigern berüchtigt für seine brutale Spielweise. Sind Sie selber ein Brutalo?
Ich gehe gerne dahin, wo es weh tut – aber nie mit der Absicht, den Gegner zu verletzen. Ich habe immer im Hinterkopf, dass mir auf der anderen Seite ein Kollege, ein Mensch gegenübersteht. Sonst hätte ich es nicht geschafft, bis heute nie glatt Rot zu sehen.

Ihre Farbe ist eher Gelb.
Ich sehe oft Gelb, ja. (Lacht.)

Wissen Sie, wie oft?
Ich würde sagen: jedes zweite Spiel.

In 101 Bundesligaspielen waren es bisher 38 Verwarnungen.
Das geht ja noch. Da bin ich fast positiv überrascht.

Trotzdem ein stolzer Schnitt. Wenn Sie den halten, werden Sie irgendwann Stefan Effenberg als Spieler mit den meisten Karten überflügeln. Ein Ziel?
Mir ist wichtiger, weiterhin keine Rote Karte zu sehen.


Die letzten Jahre haben Sie immer mindestens zwei Gelbsperren absitzen müssen.
Moment. In meinem ersten Jahr in Augsburg habe ich mir die zehnte Karte am letzten Spieltag abgeholt. Das war also recht clever geregelt. (Lacht.) Letzte Saison lief es mit zwei Gelbsperren und einer Gelb-Roten dafür nicht so optimal.

Sind Sie zu gallig?
In der Hinsicht habe ich mich schon stark gebessert. Früher war ich übermotiviert und oft zu überzeugt davon, dass das schon klappen würde mit dem Tackling. Vor zwei Jahren habe ich mir sowohl gegen Schalke als auch gegen Bremen schon nach drei Minuten die erste Karte abgeholt. Ich würde behaupten, dass mir das heute nicht mehr passiert.

Trotzdem hält sich Ihr eigener Spitzname hartnäckig: »Hardkohr«. Schmeichelt Ihnen das?
Ich gehe nun mal etwas härter in die Zweikämpfe und höre erst auf, wenn ich den Ball habe. Insofern kann mich damit identifizieren. Ich würde sogar sagen: Der Name passt wie die Faust aufs Auge.

Trainieren Sie Ihre Tacklings? Das Timing? Oder anders gefragt: Kann man eine Blutgrätsche lernen?
Nein. (Lacht.) Das läuft instinktiv, irgendwann weißt du, ob du im Duell runtergehst oder einfach nur einen langen Schritt machst und den Körper rein schiebst.

Haben Sie in Ihrer Karriere ein Gefühl dafür entwickelt, wann Sie zu spät dran sind?
Es gab mal eine Szene gegen Kölns Hector, da habe ich an der Seitenlinie die Grätsche ausgepackt und kam wirklich viel zu spät. Aber man muss auf dem Platz so schnell entscheiden, dass diese Entscheidungen nicht immer richtig sein können. Ich würde allerdings nie mit gestrecktem Bein reingehen – ich weiß ja aus eigener Erfahrung, dass sich das nicht sonderlich angenehm anfühlt.