Sind Sie der beste Manager der Liga, Jörg Schmadtke?

»Was die Spieler können, können wir schon lange«

Mit dem Abstieg haben Sie nichts mehr zu tun?
Darauf zu antworten, wäre riskant, denn mir fehlt aktuell die Phantasie vorauszusagen, wer nächstes Jahr absteigen soll. Es wird ein harter Kampf, damit gar nichts zu tun zu haben. Mit Stuttgart und Hannover kehren ja keine normalen Aufsteiger in die Liga zurück.

Kauen Sie während der Bundesligaspiele auf der Bank noch Kaugummi?
Nein.

Um nicht wieder wie im Frühjahr 2016 in Verlegenheit zu kommen, in einer hitzigen Spielsituation damit die Bank des Gegners zu bewerfen?
Erstens: Das habe ich so nicht getan. Zweitens: Nein, sondern weil mir ein guter Freund gesagt hat, dass es ziemlich bescheuert aussieht.

Neigen Sie dazu, während der Spiele aus der Haut zu fahren?
Wie kommen Sie denn darauf?

Weil Sie immer wieder mal in Konflikt mit Schiedsrichtern geraten.
Ich stelle doch nur Fragen. Das liegt auch daran, dass mein Trainer zu Beginn seiner Zeit beim FC unsere Schiedsrichter nicht kannte und ich dachte, dann rede ich lieber mit denen. (Lacht.)

Um ihn zum Beispiel als »Eierkopf« zu bezeichnen wie bei einem Match in Bremen?
Das passierte im nicht-öffentlichen Raum beim Reingehen in den Kabinentunnel und kein Pressevertreter war in der Nähe. Ich habe gesagt: »Die Eierköpfe werden auch immer schlechter.« Schiedsrichter Winkmann hat es gar nicht mitbekommen, aber seine Assis machten Meldung und nach der Halbzeit wurde ich auf die Tribüne geschickt. War teuer.

6000 Euro.
Das Kaugummi war aber teurer.

Kriegt ein Manager mit Ihrer Bilanz eigentlich öfter mal Angebote?
Selten. Wie denn auch? Die Trainer haben das Glück, dass solche Typen wie ich nach ihnen suchen und sich mit ihnen und der Materie beschäftigen. Aber wer stellt einen Manager ein?

Präsidenten und Vorstände.
Richtig! Und wo kriegen die Informationen her?

Sagen Sie es uns?
Die meisten lassen sich eher von Mimik und Gestik leiten oder von irgendwelchen Interviews, die ihnen gut oder schlecht gefallen haben. In unserem Geschäft, wo es um Milliarden geht, eigentlich ein Witz.

Angeblich gab Uli Hoeneß dem FC-Präsidenten Werner Spinner den Tipp, Sie seien einer der besten Manager der Liga. In München ist der Posten gegenwärtig vakant. Können Sie sich vorstellen, dass ich beim FC Bayern arbeite?
Können Sie? Ich habe kein Angebot, kann ich also nicht sagen.

Würden Sie gern noch einmal im Ausland arbeiten?
Das stelle ich mir schwierig vor. Ich lebe von meinem Netzwerk, im Ausland ist der Fußball anders strukturiert. Und wenn es Krisen im Klub gibt, brauche ich die Sprache, um zwischen den Zeilen zu lesen.

Angenommen Sie erfüllen Ihren Vertrag in Köln bis 2023. Wie stellen Sie sich das Happy End Ihrer Arbeit vor?
Wenn hier ein Stadion steht, das in dieses Jahrzehnt passt, der Nachwuchs gut aufgestellt ist und wir bis dahin durchgehend erste Liga gespielt haben, hätten wir doch einen großartigen Job gemacht.

Auf dem Weg dahin könnte es aber passieren, dass Sie Ihren Buddy Stöger entlassen müssen?
Vielleicht gelingt es uns ja, einen Trainervertrag auch mal auslaufen zu lassen. Und wenn nicht, würde ich mir wünschen, dass der Zeitpunkt noch in weiter Ferne liegt und wir auch danach noch zusammen Kaffeetrinken gehen. Mein Geschäftsführerkollege Alex Wehrle und ich waren gerade mit unserem Trainerteam vier Tage in London. Und ich sage Ihnen: Was die Spieler können, können wir schon lange.

Jörg Schmadtke, letzte Frage: Was wurde eigentlich aus dem Schaf auf dem Mundenhof in Freiburg, das Ihren Namen trug?
Keine Ahnung. Man fand es angebunden an einen Torpfosten und taufte es »Schmadtke«. Es hieß, es sei ein Männchen, aber dann bekam es eines Tages drei Junge. Die Pantoffeln aus der Wolle habe ich heute noch.