Sind Sie der beste Manager der Liga, Jörg Schmadtke?

»Wir spielen in der Europa League, weil vier, fünf Klubs geschwächelt haben«

Finden Sie dieses Gezocke im Fußballcasino amüsant oder verursacht es Ihnen schlaflose Nächte?
Ich finde, es zeigt, dass das Geschäft nicht gesund ist. Schlaflose Nächte macht mir das nicht, aber es gibt Tage, an denen ich mich schütteln muss.

Wie meinen Sie das?
Alle reden darüber, dass man bei der Vermarktung nicht überdrehen darf, aber trotzdem nehmen die Klubs und Verbände fast alles mit, was sie kriegen können.

Als Vertreter des 1. FC Köln profitieren Sie aber von dieser Spirale.
Natürlich bin ich Profiteur und heule mit den Wölfen. Ist doch mein Geschäft. Aber als Privatperson kann ich doch sagen: »Es passieren gegenwärtig viele komische Dinge.« Ich finde nicht, dass es sich ausschließt, kritische Distanz zu bewahren.

Jörg Schmadtke, die 11 FREUNDE-Jury hat Sie zum »Manager des Jahres« gewählt. Zu Recht?
Solche Dinge sind doch immer eine Spielerei. Und ohne ein gut funktionierendes Team ist so etwas schwer zu erreichen.

Wen hätten Sie gewählt?
Ich finde, Rouven Schröder hat in Mainz einen Superjob gemacht. Er hat seinem Trainer den Rücken gestärkt, ist unbeirrt seinen Weg gegangen und am Ende haben sich beide in die Augen geschaut und sich getrennt. Das war meisterlich gemanagt und ist ein Beispiel von vielen.  

Auch Ihre persönliche Managerlaufbahn lässt sich auf unterschiedliche Arten lesen. Überall, wo Sie Verantwortung übernahmen, hatten Sie schnell Erfolg: Alemannia Aachen wurde mit Ihnen vom Zweitligisten zum UEFA-Cup-Teilnehmer. Hannover 96 erreichte als Abstiegskandidat ebenfalls das internationale Geschäft. Kehrseite der Medaille: Jeder Klub, dem Sie den Rücken kehrten, stieg bald danach wieder ab.
Ja, und was ist Ihr Schluss daraus?

Wir dachten, Sie geben hier die Antworten.
Ich habe in Köln einen Vertrag bis 2023. Also gehe ich jeden Tag so an, als würde ich diesen Vertrag erfüllen. Aber jeder weiß, dass auch mein Stuhl wackelt, wenn der FC zu häufig in Folge verliert.

Ihr ehemaliger Mitspieler, Hertha-Manager Michael Preetz, hat in Berlin zwei Abstiege überlebt.
Der hat sicher besondere Fähigkeiten, über die ich nicht verfüge. (Lacht.) Noch mal: Ich versuche, nachhaltig zu arbeiten, weiß aber, dass etwas dazwischenkommen kann. Jedenfalls ist es nicht so, wie Sie andeuten, dass ich gut darin bin, zum richtigen Zeitpunkt den Absprung zu schaffen oder einen Klub so abzuwirtschaften, dass er danach im freien Fall ist.

Haben wir gar nicht angedeutet. Wir wollten eher darauf hinaus, dass Sie es vielleicht besser können als andere.
Ich bin bislang immer zu Klubs gewechselt, bei denen nicht alles perfekt lief. Mein Ansporn ist, mich so einzubringen, dass es besser wird. Und zumindest das ist mir stets gelungen.

Spiegelt die Abschlusstabelle realistisch wider, wo sich der FC aktuell im Erstligaranking befindet?
Machen wir uns nichts vor, wir sind deshalb in der Europa League, weil vier, fünf Klubs geschwächelt haben. Wäre es am letzten Spieltag nach der 75. Minute anders gelaufen, wären wir nicht Fünfter, sondern Achter geworden. Ich denke, der Bereich zwischen dem neunten und zwölften Tabellenplatz entspricht unserem Leistungsvermögen. Aber wir arbeiten daran, dass es besser wird.