Sind Sie der beste Manager der Liga, Jörg Schmadtke?

«Bei einem chinesischen Verein gibt’s einen Extra-Aufschlag«

Mit früheren Trainern lief das weniger reibungslos.
Ach, mit Dieter Hecking in Aachen funktionierte das ähnlich.

Ihr angespanntes Verhältnis zu Mirko Slomka in Hannover war oft Thema in der Presse.
Mit Mirko Slomka, das gebe ich zu, war es anders. Er wollte, dass ich seine Vorschläge umsetze, und da waren Personalien dabei, die nach meiner Ansicht völlig deplatziert waren. Die Situation eskalierte, nachdem wir uns vor dem Abstieg gerettet hatten. Es war relativ klar, dass er bei einem Abstieg nicht in Hannover bleiben würde. Ich hatte schon ohne sein Wissen zwei Spieler geholt: Lars Stindl und Moritz Stoppelkamp. Als es dann doch weiterging, fühlte er sich hintergangen und sagte: Was soll ich mit Zweitligaspielern? Ab da wurde die Zusammenarbeit schwierig.

Sie sagen, das vertrauensvolle Verhältnis von Stöger und Ihnen sei Zufall. Ist das wirklich so?
Wenn ein Trainer oder Manager nicht in der Lage ist, im Interesse des Klubs sein Ego zurückzufahren, funktioniert es nicht. Es sei denn, es ist wie beim FC Bayern, wo zwei Leute so mächtig sind, dass sie die Spieler einkaufen und der Trainer mit dem arbeitet, was er kriegt. Aber vergessen Sie nicht: Slomka und ich hatten nicht das beste Verhältnis, aber wir waren erfolgreich.

Ihr größter Flop als Manager?
Ich denke nicht in solchen Kategorien. Aber Guido Buchwald als Trainer nach Aachen zu holen, war sicher keine besonders gute Idee. Marketingtechnisch super, aber nach innen hat es nicht gepasst.

Anders gefragt: Waren Sie schon mal total von den Socken, wie wenig aus den Scouting-Dossiers, den Videos und aus dem Gespräch sich in der Praxis widerspiegelte?
Natürlich gab es Fälle, bei denen mir der Trainer sagte: »Hör ma, was ist denn das für einer? Wenn ich mit dem rede, habe ich das Gefühl, in ein großes schwarzes Loch zu sprechen.« Ansonsten sind mir da eher entgegengesetzte Fälle in Erinnerung.

Zum Beispiel?
Als ich »Hacki« Wimmer (Kevin Wimmer, FC-Spieler bis 2015, d. Red.) das erste Mal sah, dachte ich: »Mmh, so doll finde ich den nicht.« Hätte ich keinen österreichischen Trainer gehabt, der insistiert hätte, wäre es für ihn schwer geworden. Jetzt spielt er bei Tottenham. Negative Beispiele fallen mir auch deshalb kaum ein, weil wir die meistens gut weiterverkauft haben. (Lacht.)

Als Roberto Firmino 2015 für 41 Millionen Euro aus Hoffenheim nach Liverpool wechselte, sagten Sie: »So ein Transfer verändert die Balance in der Bundesliga.«
Aus heutiger Sicht kompletter Blödsinn, denn die Balance verändert sich derzeit noch viel stärker.

Aber wird Ihnen nicht mulmig, wenn Sie durch einen einzigen Spieler plötzlich derartige Summen erlösen.
Bis vor ein paar Jahren hätte ich eine Kladde mit Transferpreisen anlegen können. Nach den Parametern »Alter«, »Vertragslaufzeit«, »Fähigkeiten« und »Charakter« hätte ich sagen können: »Der bringt fünf Millionen, der drei und der sechs Millionen Euro.« Ich garantiere Ihnen, plus minus eine Million hätte ich weltweit mit dieser Kalkulation richtig gelegen. Diese Gesetzmäßigkeiten aber sind komplett aus den Fugen. Es kann passieren, dass in diesem Moment irgendwo auf der Welt ein Milliardär aufwacht, an die Decke starrt und sich eine Zahl vorstellt, die er bereit ist, für einen Spieler auszugeben. Das Geschäft ist nicht mehr nachvollziehbar. Es ist bizarr. Auch weil es sein kann, dass ich heute 50 Millionen Euro für einen Profi kassiere und schon morgen einer kommt, der 80 gezahlt hätte.

Selbst einem erfahrenen Manager wie Ihnen kommen die Maßstäbe abhanden.
Ich kann da nur auf Christian Heidel verweisen, der sagt, es gibt einen Aufpreis, wenn ein Verein aus England anruft. Und bei einem chinesischen gibt’s noch einen Extra-Aufschlag.

Wie sieht bei diesen Anrufen das Ranking derzeit aus?
1. China, 2. England, 3. Spanien, 4. Italien und der Rest. Dabei wäre es eigentlich besser, dass ein Spieler weltweit denselben Wert hat.