Sind Sie der beste Experte Deutschlands, Jonas Hummels?

»Das war nicht immer das Cleverste«

Ihre Mutter hat als erste weibliche Journalistin im deutschen Fernsehen einen Fußballspielbericht kommentiert und arbeitet heute für »Blickpunkt Sport« im Bayrischen Rundfunk, Ihr Vater war 17 Jahre lang Jugendtrainer beim FC Bayern, und Ihr älterer Bruder ist auch Profifußballer geworden.
Das Feedback war aber auch abgesehen von der »FAZ« ganz ermutigend.

Haben Sie sich während Ihrer Spielerkarriere eigentlich als »der andere Profi« gesehen, der sich nicht nur fürs Kicken interessiert und auch ein Buch liest?
Damit habe ich schon kokettiert, und das war nicht immer das Cleverste.

Warum?
Weil man sich abgrenzt.

Als Klugscheißer?
Mit Sicherheit haben mich viele meiner Mitspieler so gesehen. Bevor ich im Trainingslager wieder pokere, lerne ich lieber. Dabei war das die dämlichste Idee, die man haben kann. Im Trainingslager ist man körperlich nämlich so fertig, dass man sich gar nicht aufs Lernen konzentrieren kann. Ich habe das aber gemacht, weil ich den anderen zeigen wollte: »Ich bin nicht derjenige, der nur dritte Liga spielt. Ich mache auch etwas für meine Zukunft«.

Im Moment macht es doch den Eindruck, als ob es geklappt hätte. Sehen Sie sich mit Kollegen wie Ralph Gunesch, Moritz Volz oder Benny Lauth als eine neue Generation von Experten im Fernsehen?
Geplant ist da nichts, es hat sich einfach so ergeben. Vielleicht entsteht der Eindruck, weil wir weniger Experten als Co-Kommentatoren sind. Der Kommentator führt durch das Spiel und liefert Fakten und Daten, ich erkläre das, was man sich nicht aus dem Internet ziehen kann. Wie geht eine Mannschaft ins Spiel, wann spielt sie Angriffspressing, wann stellt sie taktisch um? Welcher Spieler nimmt dabei welche Rolle ein?

Das klingt fast wie eine professionelle Gegneranalyse.
Naja, das ist halt mein Fußballwissen. Ich habe mich mein Leben lang mit Fußball beschäftigt und hatte auch Trainer, die taktisch viel gearbeitet haben. Mit Manuel Baum, Heiko Herrlich und Ralph Hasenhüttl sind sogar drei in der Bundesliga, die in Unterhaching meine Trainer waren.

Ach, die Spanienfrage ist immer noch ungeklärt.
Ich mag den spanischen Fußball mehr als den englischen, weil er sehr viel taktischer und komplexer ist. Und kleine Teams lassen sich mehr einfallen, wovon ich ein großer Fan bin.

Ist es auf Dauer aber nicht auch traurig, Fußballspiele aus einem schmucklosen Raum im Gewerbegebiet in Ismaning zu kommentieren statt aus dem Stadion?
Die anderen Kommentatoren sagen mir auch, wie geil es ist, das im Stadion zu machen. Dieses ganze Ener­getische, warum man ins Stadion geht, fehlt natürlich: Das Publikum oder der Geruch des Rasens, den ich besonders gerne habe. Aber ich kenne es nicht anders, und Fußball anzuschauen und darüber zu sprechen, das macht mir einfach Spaß.