Schlechteste Mannschaft der Champions League

»Sie nannten uns Bademeister«

Avenir Beggen ist das San Marino des Landesmeisterpokals – in der Ewigen Tabelle belegt der luxemburgische Klub punkt- und torlos den letzten Platz. Stürmer Armin Krings über die Kunst des Verlierens.

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Spezial 07

Armin Krings, dürfen wir Sie den »Bomber Luxemburgs« nennen?
Meine Torquote war zwar ganz gut, aber auf Spitznamen habe ich nie viel Wert gelegt.

Sie sind bis heute Rekordtorschütze des luxemburgischen Fußballs. Für Avenir Beggen schossen Sie in 337 Spielen sagenhafte 254 Tore. Kaum zu glauben, dass es nie Angebote aus dem Ausland gab.
Anfang der Achtziger haben einige Klubs aus der zweiten deutschen Liga angefragt, Viktoria Köln zum Beispiel. Damals lebte ich noch in meiner Geburtsstadt Mönchengladbach und spielte in der Nachwuchsmannschaft von Borussia – unter anderem mit Michael Frontzeck. Doch später kam nichts mehr, ich blieb trotz meiner Tore einfach zu unbekannt. Wer schaute bei der Suche nach guten Fußballern schon nach Luxemburg?

In den frühen Achtzigern gehörte Gladbach nicht mehr zum Favoritenkreis um die Deutsche Meisterschaft. Wir unterstellen Ihnen mal, dass Sie nach Beggen wechselten, um im Europapokal der Landesmeister zu spielen.
(Lacht.) Ach, nein. In Gladbach war die Konkurrenz einfach sehr groß, da gab es in der Offensive Spieler wie Lothar Matthäus, Uwe Rahn oder Frank Mill. Vielleicht hätte ich es eines Tages sogar in die erste Elf geschafft, wenn ich geblieben wäre. Doch eigentlich verfolgte ich damals gar nicht das Ziel Fußballprofi. Ich wollte einen normalen Job lernen. In Beggen hatte ich dann beides: Ich machte eine Bankausbildung und spielte nebenher für Avenir in der luxemburgischen ersten Liga. Mit dem Bonbon: Europapokal der Landesmeister.

 Wussten Sie, dass Avenir Beggen in der Ewigen Tabelle des Landesmeisterpokals auf Platz 340 rangiert?
Klingt nicht gut.

Die Statistik: acht Spiele, null Punkte, 0:44 Tore. Genauer gesagt: Avenir ist Letzter.
Aber immerhin waren wir dabei! Im Ernst: Wir hatten gegen die Profiteams einfach keine Chance. In unserer Mannschaft standen Amateure auf dem Platz, die sich 1000 bis 1500 Mark pro Monat dazuverdienten. Tagsüber haben sie als Banker, Bürokaufleute oder Lehrer gearbeitet, und drei- oder viermal in der Woche fuhren sie zum Training.

Oder sie spielten mittwochabends gegen Klubs wie den AC Mailand oder Rapid Wien. Keinen Bammel?
In den Achtzigern nahm jeder europäische Meister am Landesmeisterpokal teil, es gab keine blöden Vorrunden oder Qualifikationsspiele. Die Freude überwog also, endlich mal gegen solche Topmannschaften anzutreten, in denen die Helden unserer Kindheit spielten.

 Sie freuten sich auch bei 0:8-Niederlagen wie gegen Göteborg?
Das Rückspiel verlief ja noch schlimmer, in Göteborg verloren wir 0:9. Doch auch da zählte das alte olympische Motto »Dabei sein ist alles«. Blöd nur, dass ich wirklich oft nur dabei war, denn unser Trainer setzte natürlich auf totale Defensive. Ich hatte als einzige Sturmspitze kaum Ballberührungen. Eines dieser Spiele ist mir dennoch besonders in Erinnerung.