Schlagen heute Abend zwei Herzen in Ihrer Brust, Peter Neustädter?

»Wenn ich auf dem Platz stehe, dann lebe ich«

Sie sind Sportdirektor beim FC Inter Baku.
Ja. Aber ich habe dort mit dem Vorstand besprochen, dass ich zu meinem Geburtstag in Deutschland sein kann. Ich bin am Mittwoch um 7.30 Uhr in Frankfurt gelandet. Es passt super, dass ich dann auch dieses Spiel sehen kann. Mittlerweile sehe ich Romans Spiele nur noch selten live.

Aber im Fernsehen?
Meistens im Internet. Da kann man sich jedes Spiel anschauen. Aber das letzte Schalker Spiel gegen Wolfsburg lief zum Beispiel auch im russischen Fernsehen.

Wie kam es überhaupt zu Ihrem Engagement in Aserbaidschan?
Ich habe versucht, in Deutschland Anschluss zu finden, aber das ist zur Zeit nicht so leicht. Dann kam das lukrative Angebot aus Aserbaidschan. Das habe ich gerne angenommen. Wenn ich auf dem Platz stehe, dann lebe ich.

Sie stehen als Sportdirektor auf dem Platz?
Sicher. Wie stellen Sie sich das denn vor? Wie sollen sich die Spieler sonst weiterentwickeln? Ich sitze nicht nur im Anzug herum. Ich muss die Trainer belehren und die Übungen vormachen. Wenn sie die einmal gesehen haben, geht es auch leichter. Mir ist aufgefallen, dass den Spielern selbst die Grundlagen fehlen: Bewegung mit Ball, Bewegung ohne Ball - solche Sachen. Sogar die Spieler in der Nationalmannschaft haben keine Basis. Diese muss ich legen. Dann hoffe ich, dass einige Spieler in zwei, drei Jahren in Europa spielen können.

Warum sehen Sie auch das Training als Ihre Aufgabe an? Sind die Trainer zu schlecht ausgebildet?
Sehen Sie: Sehr viele Trainingseinheiten machen einfach keinen Sinn. Zum Beispiel ein Spiel auf Ballhalten. Das kann ich mittlerweile nicht mehr sehen. Welches Ziel wird damit verfolgt? Da wird kein Ziel ausgegeben. Also kann es auch zu keinem Ziel führen.

Was muss abseits des Sportlichen geschehen?
Manche Trainer bekommen ein paar Monate kein Geld. Aber jetzt soll vieles besser werden. Auch für die Infrastruktur muss Aserbaidschan etwas machen, weil dort im Mai die U17-Europameisterschaft stattfindet. Deswegen werden Rasenplätze gebaut. Ich habe mit dem Verband gesprochen. Sie werden sehr viel Kraft und Geld investieren und alles vorbereiten. Das Land befindet sich im Aufbau.

Klingt nach viel Arbeit - auch für Sie persönlich.
Ja. Das ist Stress pur. Manchmal arbeite ich von 9 Uhr morgens bis 22 oder 23 Uhr.