Schiedsrichter Walter Eschweiler im Interview

»Otto Rehagel hat wegen mir drei Monate Berufsverbot bekommen«

In Ihrem letzten Bundesligaspiel pfiffen Sie 1984 den Hamburger SV.
Auf der Bank saß Ernst Happel, der nicht als größter Freund der Schiedsrichter galt. Er hat immer sehr, sehr böse geguckt und auf Wienerisch gegrantelt. Ich hab ihn aber verstanden, weil ich in der Wiener Botschaft in der Ausbildung war, deshalb kamen dann wieder die berühmten drei Affen zum Zuge.

Ist Jürgen Klopp in dieser Hinsicht der Happel von heute?
Ach, das ist an und für sich ein ganz lieber, netter Mensch. Er lebt das Spiel. Und sein bester Freund ist eben der vierte Mann. Da wünsche ich mir manchmal etwas Gelassenheit, auf beiden Seiten. Mancher Offizielle springt ja herum wie ein Scharfrichter.

Die Coaching Zone ist heute penibel markiert. Läuft der Fußball Gefahr, an zu vielen Regelungen zu ersticken?
Sie mussten das leider machen, wegen der verschiedenen Temperamente. Sonst geht es wie mir mit Tschik Cajkovski. Der stand bei einem Spiel in Stuttgart plötzlich vor mir, mitten auf dem Platz. Ich sagte dem Kugelblitz, dass ich ihn lobend im Spielbericht erwähnen würde. Bei der nächsten Begegnung knurrte er: »Du bist Hund. Du können lesen und schreiben.«

Hat Ihnen nie mal einer einen flotten Spruch übel genommen?
Nein, ich habe sie ja nie angegiftet. Das lief immer höflich und anständig ab, auch im vollen Lauf.

Und Otto Rehhagel spricht auch wieder mit Ihnen?
Selbstverständlich. Der hat wegen mir mal drei Monate Berufsverbot bekommen, weil er in Offenbach die Leute aufgehetzt hat: »Der Schiri ist bestochen.« Ganz laut, das hat die ganze Tribüne mitbekommen.

Rehhagel warf Ihnen aber vor, Sie hätten gelogen.
Ach was, eine reine Schutzbehauptung. Hat doch jeder gehört. Ein halbes Jahr später trafen wir uns zufällig und haben uns ausgesprochen.

Sie pfiffen noch für 72 D-Mark. Heute bekommen Bundesligaschiedsrichter 3800 Euro pro Einsatz. Wäre ein zweiter Fall Hoyzer zu vermeiden, wenn Schiedsrichter noch mehr Geld bekommen würden?
Das glaube ich nicht. Da ist ein junger Mann ohne große Basis in Amateurklassen nach oben geschossen worden. Für mich ist das ein Ausdruck von Jugendwahn. Man hat ja inzwischen eingesehen, dass das nichts bringt. Sie müssen eine gewisse Zeit unterklassig pfeifen, um sich das nötige Rüstzeug zu holen.

Welche Regeländerung der letzten 50 Jahre war Ihrer Meinung nach die wichtigste?
Die Rückpassregel! Das war ja furchtbar, diese Zeitschinderei. Und als Schiedsrichter konnte man nichts machen.

Was wünschen Sie Ihren Schiedsrichterkollegen für die nächsten 50 Jahre?
Dass sie immer das nötige Glück haben, denn das braucht man. Dass sie optimal vorbereitet sind und wissen, dass sie eine dienende Funktion haben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und, bitte: Sie sollen sich nicht so tierisch ernst nehmen.