Schiedsrichter mit Supernamen und Kartenflut

Decker-Törö hört Flöhe husten

Im Fußballkreis Unna/Hamm sorgt ein Schiedsrichter mit dem wunderbaren Namen Daniel Decker-Törö mit kartenreicher Spielleitung für Schlagzeilen. Uns hat er erzählt, woran das liegt und was Flöhe und Elefanten damit zu tun haben. 

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Daniel Decker-Törö, wie kommt es, dass es unter ihrer Leitung immer wieder Spiele mit einer regelrechten Kartenflut gibt?

Vermutlich liegt es daran, dass ich früher höher gepfiffen habe. Ich war sogar mal mit dem heutigen Bundesliga-Schiedsrichter Sascha Stegemann im U25-Talentförderkader. Je besser die Liga, in der man pfeift, desto einfacher ist es für den Schiedsrichter. Wenn die Spieler Geld mit dem Fußball verdienen, überlegen sie sich zweimal, ob sie etwas gegen den Schiedsrichter sagen und damit eine Sperre riskieren. Jetzt in der Kreisliga sind vielleicht auch nicht immer alle Regeln geläufig, die Spieler sind nicht so diszipliniert. Ich war allerdings schon immer dafür bekannt, sehr regelgetreu zu pfeifen.

 

Und das ziehen Sie nun auch in der Kreisliga durch?

Ich würde schon sagen, dass ich meinen Stil etwas angepasst habe und nicht mehr alles ganz so genau nehme. Dennoch gebe ich wahrscheinlich mehr gelbe Karten wegen Meckerns als die meisten meiner Kollegen.

 

Torsten Perschke, der Vorsitzende des Schiedsrichterkreises Unna/Hamm sagte einmal über sie: „Der hört die Flöhe husten.“

Das trifft es ganz gut, ja. Ich freue mich, dass mein Gehör mit Mitte 30 immer noch top in Ordnung ist.

 

Macht es Ihnen Spaß, auf dem Platz den Sheriff zu geben?

Es ist auf keinen Fall so, dass ich mich freue, Karten zu verteilen. Eine Karte ist ja auch immer nur die Konsequenz für das regelwidrige Handeln eines anderen. Wenn die Spieler das Meckern lassen würden, gäbe es auch deutlich weniger Karten. Schiedsrichterbeleidigungen sind einfach überflüssig. Letztendlich ist es wichtig, dass sich Spieler und Schiedsrichter auf dem Platz mit gegenseitigem Respekt begegnen.

Quelle: privat

Hinterfragen Sie manchmal auch Ihre eigenen Entscheidungen oder ihren Pfeifstil?

Mit Sicherheit. Natürlich überlegt man, ob man die erste gelbe Karte schon direkt am Anfang hätte geben müssen. Damit setzt man sich auch selbst unter Zugzwang, diese Linie dann durchzuziehen. Vielleicht sollte ich manchmal noch etwas weniger hinhören. 

 

Ist der Schiedsrichter die ärmste Sau auf dem Platz?

Gerade in der Kreisliga muss man das wohl häufig so bestätigen, ja. Im Gegensatz zu höheren Ligen, in denen man im Gespann unterwegs ist, ist man dort auf sich allein gestellt – und kann es niemandem recht machen. Im Grunde wird man jeden Sonntag beschimpft – oftmals auch unter der Gürtellinie. 

 

Sie tragen einen nicht gerade alltäglichen Nachnamen. War der auch schon einmal Inhalt von Sprüchen gegen Sie?

Das „Törö“ ist durch meine Frau angeheiratet. Klar gibt es auch mal den ein oder anderen Benjamin-Blümchen-Spruch. Da kann ich dann aber drüber lachen.

 

Schon einmal darüber nachgedacht, den Namen in die Spielleitung einfließen zu lassen? Vielleicht ein Elefanten-Trompeten als Schlusspfiff?

Wenn es in einem Meisterschaftsspiel mal wieder keine Karte gibt, kann ich mir das ja mal überlegen (lacht). 

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