Schafft Hertha diesmal eine gute Rückrunde, Per Skjelbred?

»Der ist ja genau wie ich.«

Wir haben ein norwegisches Sprichwort gefunden: »Ingenting i denne verden er så; langt unna hvordan banen for gode intensjoner til handling.«

Gute Aussprache - obwohl: Ein paar Wörter habe ich nicht verstanden.


Auf Deutsch: Nichts auf der Welt ist so weit entfernt wie der Weg von einem guten Vorsatz zu einer guten Tat. Der gute Vorsatz ist da, aber bekommt Hertha das auch mit der guten Tat hin?


Ich habe Vertrauen, dass wir besser abschneiden als voriges Jahr. Und zwar zu hundert Prozent.


Was macht Sie da so sicher?


Die Mannschaft, die Spielertypen, die Chemie und mein Gefühl. Wir haben auch etwas aus der vergangenen Saison gelernt. Das heißt nicht, dass es von alleine funktionieren wird. Wenn wir uns den Spaß bewahren können, aber auch die nötige Seriosität, bin ich selbst gespannt, wo uns das hinführen wird.


Pal Dardai hat sich den Rat eines Sportpsychologen eingeholt, wie er mit dem Thema umgehen solle. Haben Sie das gemerkt?


Nein, der Trainer ist in dieser Angelegenheit ganz locker. Ich glaube, im Moment sind wir alle Psychologen. Wir reden, wir quatschen miteinander, versuchen uns auf das Positive zu konzentrieren und das Negative auszublenden.


Hatten Sie diese Mentalität immer schon? Oder hat sich die erst im Laufe der Jahre entwickelt?


Ich glaube, das war immer schon ein Teil von mir. Vielleicht steckt es ein bisschen in meinen Genen. Ich stamme aus einer Fußballerfamilie. Mein Großvater hat auch schon in der höchsten Liga Norwegens gespielt. Der war sehr aggressiv auf dem Platz. Mein großer Bruder auch. Nur mein Vater ist nicht ganz so aggressiv, aber er quatscht viel. Er kommt aus Bergen, da machen die Menschen das so. Er hat für Brann Bergen in der Zweiten Liga gespielt, hatte aber irgendwann keinen Bock mehr, ist durch die Welt gereist und hat dann meine Mutter kennengelernt. Er war mehr der Hippie, von wegen Love und Peace.


Love und Peace, das ist jetzt nicht gerade Ihr Motto auf dem Platz.


Bei mir kann es hart zur Sache gehen, aber ich bin keiner, der darauf aus ist, das Spiel zu zerstören. So bin ich generell nicht. Es gibt nur einen Per, egal ob auf dem Fußballplatz oder zu Hause. Da besteht kein Unterschied. Aber je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass ich dieses Feuer in mir habe. Das kommt bei mir allerdings nur raus, wenn meine Kinder großen Blödsinn machen oder der Schiri seltsam pfeift.


Wie lange brauchen Sie, um nach einem Spiel wieder runterzukommen?


Da bin ich ganz locker. Wenn mein Sohn oder meine Tochter kommen und mich fragen: »Hey, Papa, wie geht’s?«, dann weißt du, was das Wichtigste im Leben ist.


Und Ihr Sohn? Führt der schon die Familientradition fort?


Er ist sechs und hat jetzt mit Fußball angefangen.


Dann wird er wahrscheinlich auch schon wissen, dass Tore das Schönste und das Wichtigste sind.


Für ihn ist das Wichtigste, dass Hertha gewonnen hat. Wie sein Papa gespielt hat, interessiert ihn nicht. Das Team ist wichtig.


Sie haben sich und Ihre Familie zwei Jahre lang vom norwegischen Fernsehen in Ihrem Alltag mit der Kamera begleiten lassen. Was steckte dahinter?


Ich finde das Format großartig, weil es dort nicht um die Erfolge geht, um Medaillen und Titel, sondern um den Menschen dahinter. Das wollte ich den Zuschauern auch zeigen. Viele denken wahrscheinlich, dass Fußballprofis ein besonderes Leben führen, in schönen Häusern leben, dicke Autos fahren und spannende Sachen erleben. Ich wollte den Zuschauern einen Einblick in das wahre Leben gewähren. Das Leben einer normalen Familie mit zwei Kindern. Und den haben sie bekommen.


Wie war die Resonanz?


Überragend. Die Freundin von jemandem, den ich kenne, hat gesagt: »Das hat richtig Spaß gemacht, sich das anzuschauen. Es hat Situationen gegeben, wo ich gedacht habe: Hey, der ist ja genau wie ich.«