Sami Allagui im Interview

»Maradona war ein Künstler«

Sami Allagui hat ein ungewöhnliches Hobby für einen Fußballer: Er besucht Ausstellungen und sammelt zeitgenössische Kunst.

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Sami Allagui, woher kommt Ihre Leidenschaft für Kunst? 
Mein Vater war schon immer in Künstlerkreisen unterwegs. Als Kind war ich oft dabei, so habe ich früh ein gutes Gespür dafür entwickelt. Heute bin ich verheiratet, meine Frau handelt mit Kunst, mein Schwiegervater ist Sammler. Kunst begleitet mich also schon immer.

Mögen Sie lieber klassische Kunst oder moderne? 
Ich präferiere keinen bestimmten Stil. Das Kunstwerk selbst muss mich ansprechen. Dabei geht es nicht nur um Ästhetik. Kunst muss einen Eindruck auf mich machen. Das ist etwas ganz Persönliches, Instinktives. 

Sind Sie oft auf Ausstellungen? 
Ja, wenn ich die Zeit finde, dann gehe ich mit meiner Frau zu Ausstellungen und Vernissagen. Wir gucken uns gerne um, was es Neues auf dem zeitgenössischen Kunstmarkt gibt. Zuletzt habe ich mir eine Ausstellung der jungen südkoreanischen Künstlerin SEO angesehen.

Gibt es auch skeptische Blicke von Kollegen, die Ihr Hobby nicht nachvollziehen können? 
Überhaupt nicht. Ich bin letztes Jahr 30 geworden, da interessiert man sich eben für andere Dinge als die Playstation. Meine Kollegen haben ihre Pferde oder das Golfen. Ich hab die Kunst. 

Welches Bild der Kunstgeschichte würden Sie sich gern im Original an die Wand hängen. Und warum? 
Die Mona Lisa. Oder vielleicht etwas von Gerhard Richter – und im Grunde alles, was im Museum of Modern Art in New York hängt.

Und wie viel hat ihr teuerstes Kunstwerk gekostet? 
Dazu möchte ich nichts sagen. Ich kaufe einfach Kunst, die mir gefällt, da geht es nicht um den materiellen Wert. Meine Frau und ich haben aber auch das eine oder andere Mal Glück gehabt, und unsere Kunstwerke sind im Preis gestiegen. 

Können Künstler etwas vom Fußball lernen? 
So mancher Künstler kann sicher etwas von der Professionalität im Fußball lernen – gerade wenn es darum geht, sich und sein Können besser in der Öffentlichkeit darzustellen. 

Und wer ist der größte Künstler auf dem Platz? 
Für mich war und bleibt das Maradona.

Warum ausgerechnet Maradona? 
Man kann das mit, sagen wir, Picasso vergleichen. Dessen Bilder wollte damals jeder sehen, genau wie Maradonas Spiele in den Achtzigern. Das Problem ist doch, dass Fußballer, anders als etwa Gemälde, naturgemäß etwas sehr Vergängliches haben: Die Knochen werden schwächer, die Muskeln schwinden. Aber Spieler wie Maradona, die gehen durch ihre Kunst, den Fußball, in die Geschichte ein – und werden dort für immer bleiben.