Rückspiel mit 100 Jahren Verspätung

»Wir mischen die Gauliga auf«

1915 verlor der FSV Bergen mit 0:10 gegen Eintracht Frankfurt, das Rückspiel konnte wegen des Krieges nicht stattfinden. Am Freitag hat der Kreisligist nun die Gelegenheit zur Revanche.

Eintracht-Archiv

Christoph Stübbe, der FSV Bergen trägt am 10. Juli das Rückspiel eines 100 Jahre zurückliegenden Fußballspiels gegen Eintracht Frankfurt aus. Sie haben das Spiel organisiert. Wie kam es dazu?
Als Frankfurter schlägt mein Herz natürlich für die Eintracht, ich bin langjähriger Dauerkartenbesitzer. Als ich vor ein paar Jahren eine Vereinschronik durchblätterte, sah ich die Partie der Eintracht gegen einen gewissen FSV Bergen. »Das sind doch wir!«, dachte ich. Vor 100 Jahren hatte Fußball einen viel geringeren Status, damals war es noch unser kleines Dorf gegen einen der anderen wenigen Vereine aus der Region. Leider ging die Gauliga-Partie am 10.10.1915 gegen die damals noch unter dem Namen »Frankfurter Fußballverein (Kickers-Victoria) von 1899« antretende Eintracht mit 0:10 verloren. Eine Revanche fand nie statt, das Rückspiel wurde unter »Gegner streikt« verbucht und für die Eintracht gewertet.

»Gegner streikt« - Was hat es damit auf sich?
In den Wirren des Ersten Weltkrieges war Fußball natürlich zweitrangig. Wir haben recherchiert und herausgefunden, dass 14 junge Männer des FSV Bergen im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Auch wenn wir uns bei der Verbindung nicht hundertprozentig sicher sind, ist doch davon auszugehen, dass im Krieg an einen geordneten Spielbetrieb nicht zu denken war.

Und nun 100 Jahre später die offizielle Spielwiederholung?
Nun ja, das nicht gerade, aber klar war das für uns eine Steilvorlage. Als ich von der Geschichte erfuhr, stand das Jahr 2015 und damit das 100-jährige Jubiläum vor der Tür und ein Duell gegen Eintracht Frankfurt ist für jeden kleinen Verein eine tolle Sache. Die Geschichte mit dem ausgefallenen Rückspiel ist ein schöner Aufhänger. Da haben wir dann alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Idee in die Tat umzusetzen.

Ein Ü35-Team des FSV Bergen gegen die Frankfurter Traditionsauswahl: SGE-Legenden wie Karl-Heinz »Charly« Körbel, Oka Nikolov oder Dragoslav Stepanovic zu Besuch beim Kreisligisten. Wie reagierte man auf Ihre Idee?
Clemens Appel, der Koordinator des Traditionsteams, stammt aus Bergen-Enkheim. Auf den sind wir zugegangen und bei der Eintracht ist man sofort auf die Idee angesprungen. Natürlich ist es klasse, die Legenden bei uns zu empfangen, manche sind ja auch lokal hier präsent. Stepanovic etwa wohnt 500 Meter von mir entfernt, der geht wie jeder andere auch hier in den Supermarkt und hat sogar schon einmal bei uns die E-Jugend trainiert.

Mit einem vollen Haus dürfte auf jeden Fall zu rechnen sein, was erwartet den Fan bei der Partie?
Die ursprüngliche Idee, mit historischen Trikots und Lederball zu spielen, lässt sich leider nicht in die Tat umsetzen. Einerseits würde das ganze dann etwas teuer für einen Kreisligisten wie uns, andererseits begegnen beide Seiten der Sache natürlich auch mit dem entsprechenden sportlichen Ehrgeiz. Wir erwarten 500 Zuschauer auf unserer Anlage, werden einen Flyer zum historischen Hintergrund der Partie verteilen und die Perspektive Zukunft ist auch dabei: Unsere D-Jugend tritt vor der Partie gegen die Mädchen U15 der Eintracht an.

Letzte Frage: Ihr Wunschergebnis?
Im Idealfall gewinnt unser FSV natürlich mit 11:0 und wir mischen rückwirkend die Gauliga neu auf, das wär' doch was! In erster Linie überwiegt die Freude, dass sich die Eintracht-Stars bei uns sehen lassen, aber natürlich will ich auch, dass wir gewinnen. Mein Sohn spielt in der Jugend ab und zu einmal gegen die SGE, da bin ich es schon gewöhnt, die Eintracht-Brille einmal abzusetzen