Ronnie Hellström über Fimpen, Ibrahimovic und die EM

»Zlatan ist manchmal ein Fremdkörper«

Ronnie Hellström war einer der besten Torhüter seiner Generation. Aber auch als Schauspieler machte er eine gute Figur – im besten Fußballfilm aller Zeiten.

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Ronnie Hellström, wann wurden Sie zum ersten Mal mit der Idee konfrontiert, in einem Kinderfilm mitzuspielen?
1973 war das. Der Regisseur Bo Widerberg kam zur Nationalmannschaft, um die Idee vorzustellen. Wir waren alle neugierig, hatten sofort Lust, bei dem Film mitzumachen.
 
Wie war der Umgang mit Bo Widerberg? Er war ja kein Unbekannter, sogar für den Oscar und den Golden Globe nominiert.
Er war nett, umgänglich und wahnsinnig professionell. Für uns war es natürlich manchmal etwas langweilig, wenn nicht gedreht, sondern nur vorbereitet wurde.
 
War Widerberg Fußballfan?
Absolut. Er hatte richtig Ahnung. Und obwohl er in Stockholm gewohnt hat, war er Fan von Malmö FF. Schließlich ist er dort auch geboren.
 
Warum wechselt der kleine Johan »Fimpen« Bergmann im Film dann zu Hammarby IF, der während der Dreharbeiten ja auch Ihr Verein war?
Unsere Mannschaft war zu dem Zeitpunkt beim Publikum sehr beliebt. Und ein bisschen war Bo Widerberg wohl auch Hammarby-Fan.


 
Im Film tragen Sie nie Torwarthandschuhe. Wie kam das?
Damals haben Torhüter noch ohne Handschuhe gespielt, zumindest wenn der Boden trocken war. Auch in Kaiserslautern habe ich die ersten zwei Jahre bei gutem Wetter noch mit bloßen Händen gespielt. Erst danach kamen Handschuhe auf den Markt, die gut genug waren, dass man sie auch tragen konnte, wenn es nicht geregnet hatte.
 
Die Hauptrolle in dem Film spielte der damals sechsjährige Johan Bergman. Wissen Sie, was aus ihm geworden ist?
Er hat es später bis in die dritte Liga geschafft. Er war ja auch sehr begabt. Aber das muss eben nicht immer bedeuten, dass man es auch bis ganz nach oben schafft.
 
Der Film erzählt die Geschichte der WM-Qualifikation 1974, die Gegner entsprechen der Realität. Und wie im Film endete das Spiel gegen Ungarn tatsächlich auch 3:3. Danach allerdings unterscheiden sich Fiktion und Fußballgeschichte.
Tatsächlich hatten wir wegen der Punkt- und Tordifferenzgleichheit mit Österreich ein Entscheidungsspiel in Gelsenkirchen, das wir mit 2:1 gewannen. Davor bestritten wir noch zwei Freundschaftsspiele. Gegen Italien und Russland. Im Film finden diese allerdings nach dem Österreich-Spiel statt und werden als Spiele der WM-Qualifikation »verkauft«. Ich bin kein Dramaturg, aber so war der Spannungsbogen wohl einfach größer.
 
Bei manchen Spielen sieht man, dass mit Statisten nachgedreht oder Szenen mit Fimpen in tatsächliche Spielszenen hineingeschnitten wurden. Beim Spiel gegen Ungarn wirkt es allerdings so, als hätte die ungarische Nationalmannschaft tatsächlich mitgespielt.
Bei den meisten Länderspielen haben wir nicht nur die Einlaufszenen und das Singen der Nationalhymnen gedreht, sondern auch zwei, drei Minuten ein Spiel nachgestellt. Erst danach wurde die eigentliche Partie angepfiffen. Unglaublich eigentlich. Das waren ja wichtige Spiele.
 
Der Film war nicht nur durch die schwedische Nationalmannschaft prominent besetzt, sondern auch in den Nebenrollen. An wen erinnern Sie sich besonders gerne?
Die Lehrerin von Fimpen wurde gespielt von Monica Zetterberg, der bekanntesten Sängerin Schwedens zu dieser Zeit. Sie  war eine wirklich tolle Jazz-Sängerin! Und der Manager von Hammarby wurde gespielt von Ernst-Hugo Järegård, einem der größten Theater-Schauspieler Schwedens. Lauter große Schauspieler. Außer uns natürlich. (Lacht.)
 
Dabei überzeugen die Spieler durchaus. Wie zum Beispiel in den Lieblingsszenen der meisten Zuschauer, in denen die Spieler Fimpen aus dem Kinderbuch »14 Bären« vorlesen und darüber ganz schläfrig werden. Musste das oft wiederholt werden, bis der Regisseur zufrieden war?
Ganz im Gegenteil. Meistens ging das sehr schnell. Wir haben uns auch einfach so gegeben, wie wir sind. Das war fast wie bei einem Dokumentarfilm. Es hat uns niemand gesagt, wie wir zu schauspielern hätten.


Fimpen, der Knirps (Bild: Promo/MORE Entertainment)
 
Besonders gelungen ist auch die Szene auf dem Rummel, als die gesamte Mannschaft mit Fimpen im Kettenkarussell fährt, damit er bei Laune gehalten wird. Wie oft wurde die gedreht? Da wird einem doch sicher schnell schwindelig?!
Viel schlimmer war: Die Szene wurde im November gefilmt! Es war furchtbar kalt. Der komplette Tivoli von Malmö wurde eigens dafür geöffnet. Schwindelig geworden ist uns zum Glück nicht. Wir mussten immer nur für zwei Minuten mit dem Karussell fahren, dann wurde eine Pause gemacht.
 
Glauben Sie, der Film hat eine Aussagekraft, die über den Unterhaltungswert eines Kinderfilms hinausgeht?
Gerade die Problematik mit der Schule, die der Film anspricht, ist heute aktueller denn je. Viele junge Talente setzen alles auf die Karte Profifußball. Dabei sollte man immer schauen, dass man auch etwas in der Hinterhand hat. Da war der Film seiner Zeit sogar voraus.