Roman Neustädter über sein Debüt für Russland

»Sie müssten mal bei den Ansprachen dabei sein«

Am Samstag machte Roman Neustädter sein EM-Debüt für Russland. Vor dem Spiel gegen die Slowakei sprachen wir über alte Ataris und Trainer-Wüterich Leonid Slutski.

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Roman Neustädter, wie verbringt man als EM-Spieler so den Tag?
Irgendetwas ist immer zu tun. Training, Behandlung, Anreise. Wenn wir einige Stunden zur freien Verfügung haben, laufen wir durch Paris und setzen uns in ein Café. Außerdem haben wir einen Billardtisch im Hotel und natürlich eine PlayStation.

Die Russen werden doch die »Rentner-Mannschaft« genannt. Kennen die meisten die PlayStation überhaupt?
(Lacht.) Ja, schon. Von denen ist keiner bei Atari hängen geblieben.

Ist etwas anders im Vergleich zu den Abläufen in der Bundesliga?
Interessant ist schon, dass wir bei den Essenszeiten flexibel sind. Da kann jeder hinkommen, wann er will. Wir sind aber dennoch meist zusammen unterwegs, nach dem Spiel gegen England hat die gesamte Mannschaft in der Kabine auf die Spieler gewartet, die noch bei der Dopingprobe waren. 

Wie haben Sie sich ins Team eingefügt?
Das ist kein großes Problem gewesen. Ich spreche russisch, die anderen akzeptieren mich. Vor einigen Wochen kannte ich noch gar keinen, nun verstehen wir uns jeden Tag besser. Wir haben ein gutes Gerüst, einige Spieler kennen sich noch von der EM 2008. Diese Erfahrung kann ein großes Plus sein. Außerdem gibt es das eine oder andere Talent wie meinen Nebenmann im Mittelfeld, Alexandr Golovin. Er ist erst 19 und hat schon richtig was drauf.

Der Trainer Leonid Slutski wird als Wüterich an der Linie beschrieben. Wie tickt er?
Sie müssten mal bei den Ansprachen dabei sein, da wird sehr viel gelacht. Der Trainer hat einen sehr feinen Humor. Manchmal drückt er den Spielern in der Kabine einige derbe Sprüche und umgekehrt. Er kann vor der Mannschaft über sich selbst lachen. Wenn es dann aber ans Training und Spiel geht, ist er total konzentriert.


Die sogenannte »Russenhocke« beherrscht Neustädter schon perfekt.

Waren Sie überrascht, dass er Sie direkt im ersten Spiel von Beginn an aufstellte und dazu noch im defensiven Mittelfeld?
Ich habe etwas darauf spekuliert, nachdem unser etatmäßiger Sechser Denisov wegen einer Verletzung ausfiel. Der Trainer kam in der Vorwoche zu mir und fragte, ob ich auf dieser Position spielen könne. Ich sagte: »Na klar. Ich war zwar im letzten Jahr Innenverteidiger, aber davor jahrelang auf der Sechs.« Wir probierten es in zwei Trainingseinheiten, dann war am Tag vor dem Spiel klar, dass ich von Beginn an auflaufe.