Ralph Hasenhüttl über Ingolstadts Aufstiegsträume

»Es reicht!«


Sie haben nach Ihrer Inthronisierung also zunächst ein paar Sträuße mit ihm ausgefochten?
Im Gegenteil. Es regelte sich ganz schnell. An meinem ersten Arbeitstag hatten wir vormittags Training und abends spielte Fortuna Düsseldorf gegen Greuther Fürth. Also haben wir beide uns ins Auto gesetzt und sind ins Rheinland gefahren. Mit Stau saßen wir grob acht Stunden im Auto. Und was soll ich Ihnen sagen: Da habe schnell gemerkt, dass man mit Michael Pferde stehlen kann. Wir haben Sprüche rausgehauen und gelacht ohne Ende.

Und an diesem Eindruck hat sich bis heute nichts verändert?
Ich kann mir keinen besseren Co-Trainer vorstellen. Er weiß genau, wann er etwas sagen soll und wann er sich lieber zurückhält und mir die Entscheidung überlässt. Er würde mir nie einen Aufstellungsvorschlag machen. Das ist etwas, was ich entscheide, das weiß er ganz genau. Andersherum kann er sein Training so durchziehen, wie er es möchte.

Ralph Hasenhüttl, könnten Sie in einem Satz die spezielle DNA des FC Ingolstadt 04 beschreiben, vorausgesetzt es gibt sie?

Junger Verein mit Visionen, familiären Strukturen und unglaublich akribischen Arbeitern, die mehr reinpacken als sie müssen – von den Spielern über die Trainer. Bis hin zu den Betreuern.

Woran machen Sie diese Akribie fest?
Nur ein Beispiel: Muss ein Fitnesstrainer am Abend vorm Training 25 Mountainbikes auseinanderbauen, auf einem Hänger verstauen, den Hänger fahrtüchtig machen und ihn am nächsten Tag selbst kilometerweit ins Trainingslager fahren? Nein, muss er nicht, wir hätten uns ja auch für viel Geld welche leihen können. Ich wäre auch nie auf die Idee gekommen, ihm das aufzutragen. Gemacht hat er es trotzdem.

Woher kommt dieser Eifer?
Meine Erklärung ist: Ich gebe meinen Spielern und Mitarbeitern viel Selbstverantwortung mit. Sie bekommen viele Freiheiten, weil ich weiß, dass sie enormen Eigenantrieb besitzen. Denen muss ich eher mal sagen: »Es reicht!«

Sie reden offiziell nicht vom Aufstieg. Trotzdem die Frage: Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie an die Bundesliga denken?
Auf den Medienrummel jedenfalls nicht.

Worauf dann?
Darauf mitzuerleben, wie weit wir mit unserer Art Fußball zu spielen kommen. Dort treffen wir Gegner, die Lösungen gegen unsere Spielweise haben werden. Mich würde interessieren, wie wir uns da behaupten.

Inwieweit müssten Sie die bestehende Mannschaft umbauen, um oben zu bestehen?
Von der Mentalität her ist die Truppe bereit, sich jeder Aufgabe zu stellen. Schon in Aalen habe ich gesagt, ich möchte der Mannschaft, die den Aufstieg geschafft hat, auch die Chance geben, dort zu spielen. Wer das schafft, hat es verdient. Dementsprechend würde ich auch nicht zehn neue Spieler holen. Aber das ist so viel Zukunftsmusik, darüber unterhalten wir uns, wenn wir so weit sind.

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