Radio-Legende Günther Koch über seinen neuen Job als Aufsichtsratsmitglied

»Ich will 20.000 Club-Mitglieder«

Günther Koch wäre nicht der Hansdampf in allen Gassen, wenn er es nicht in allen Gassen dampfen lassen würde. Also hat sich die Radio-Legende zur Wahl als Aufsichtsratsmitglied beim 1. FC Nürnberg aufstellen lassen. Und gewonnen. Wir sprachen mit ihm. Radio-Legende Günther Koch über seinen neuen Job als Aufsichtsratsmitglied

Günther Koch, herzlichen Glückwunsch zur Wahl als Aufsrichtsratsmitglied beim 1. FC Nürnberg. Weil Sie mit 511 Stimmen sogar die drittgrößten Stimmanteil hatten, müssen Sie den Job jetzt vier Jahre lang machen. Was sind Ihre Ziele?

Günther Koch: Drei wesentliche Punkte habe ich mir auf die Fahnen geschrieben: Der Club soll bekannter werden, selbstbewusster und immer ein eingetragener Verein bleiben, bei dem die Basis mitbestimmt, was in der Führungsetage passiert. Vor allem muss dieser Verein lernen, sich über den fränkischen Raum hinaus zu öffnen, er muss selbstbewusster werden und sich auch in Niederbayern, Schwaben oder Oberbayern präsentieren, um dort Mitglieder zu sammeln. Sprich: Der Club muss mehr Werbung in eigener Sache machen. Und dabei will ich helfen.

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Wie wollen Sie das anstellen?

Günther Koch: Indem ich an der Basis bleibe. Am Donnerstag zum Beispiel habe ich eine Lesung für »Günther Koch live« in Ingolstadt und in meiner Tasche werde ich auch einen Stapel Aufnahmeanträge als Club-Mitglied dabei haben. Außerdem plane ich, mit anderen Aufsichtsratsmitgliedern oder ehemaligen Spielern einen Stand vor unserem Stadion aufzustellen, um die Leute gleich an Ort und Stelle zu werben. Aktuell hat der Club 10.962 Mitglieder. Das ist viel zu wenig.

Und wenn Sie in vier Jahren Ihren Job erledigt haben, wie viele Mitglieder soll es dann geben?

Günther Koch: 20.000. Das ist das Ziel.

In Ihrer Rede vor der Wahl haben Sie auch den Bayrischen Rundfunk (BR) in die Pflicht genommen. Worum geht es da genau?

Günther Koch: Bislang ist es so: Wenn ein Spieler oder Trainer aus Nürnberg zu »Blickpunkt Sport« beim BR eingeladen ist, muss er die zwei Stunden Anfahrt ins Studio nach München in Kauf nehmen. Das sind samt Aufzeichnung sechs Stunden Lebens- und Erholungszeit, die einem da genommen werden. Das ist ein Unding. Deshalb sage ich ich: Warum macht »Blickpunkt Sport« seine Sendung nicht im BR-Studio Franken? Das steht nämlich in Nürnberg. Oder wenigstens im Wechsel. Mir würde es ja schon reichen, wenn die Club-Spieler aus Nürnberg zugeschaltet werden oder die Interviews auf unserem Vereinsgelände stattfinden.

Auf der Mitgliederversammlung haben Sie außerdem angekündigt, in Zukunft eine »kritische Haltung« gegenüber Ihrem Verein zu bewahren. Was ist damit gemeint?

Günther Koch: Dass der Aufsichtsrat mit den Vorständen, die er kontrolliert, gemeinsam tagt, geht ja so gerade noch. Aber dass der vom Aufsichtsrat zu »kontrollierende« und »beratende« Vorstand das Protokoll dieser Sitzungen schreibt, geht gar nicht. Da sind mir fast die Ohren abgefallen, als ich das gehört habe. Also habe ich mich gleich als zukünftiger Protokollführer angeboten. Die Begeisterung bei Herrn Woy (Finanzchef beim 1. FC Nürnberg Anm. d. Red) war überschaubar gering...

Günther Koch mischt den Laden also richtig auf?

Günther Koch: »Aufmischen« ist übertrieben. Aber ich möchte mithelfen, Vorstand und Aufsichtsrat sauber voneinander zu trennen. Da sind qua Satzung unterschiedliche Gremien. Und wenn der Club weiter kommen möchte, braucht es eine vernünftige Diskussionskultur zwischen diesen Gremien. Wenn alle nur die Entscheidungen abnicken, wäre, ich betone: wäre, das ja ein ziemlicher Schnarchverein.

Sie haben zwar die drittmeisten Stimmen erhalten, mussten sich allerdings auch den Vorwurf gefallen lassen, ein »Münchener Cluberer« zu sein. Was war da los?

Günther Koch: Ein Mitglied nannte mich einen Verräter, weil ich ja auch schon Spiele des FC Bayern kommentiert und dabei genau so laut »TOOOR!« geschrien hätte wie bei Toren vom 1. FC Nürnberg. Auch das wird ein Problem, das ich in den kommenden vier Jahren bekämpfen möchte: Diese Engstirnigkeit mancher Club-Fans.

Wo es jetzt das frisch gebackene Aufsichtsratsmitglied Günther Koch gibt – was wird dann aus dem Journalisten Günther Koch?

Günther Koch: Den wird es nur noch bis zu meinem 70. Geburtstag geben, also bis zum 22. November 2011. Und dann ist kurz danach Schluss. Denn Journalist und Aufsichtsratsmitglied – das verträgt sich nicht.

Wie soll der Vollblutjournalist das denn schaffen, ohne, dass ihm ständig das Herz blutet?

Günther Koch: Das, junger Kollege, ist wirklich eine unerlaubte Frage.