Potzblitz: Lokalredaktion deckt Regelverstoß in Brandenburg auf

»Die meisten Tore sind zu niedrig«

In Deutschland sind alle Tore 2,44 Meter hoch. In ganz Deutschland? Nein! Einige unbeugsame Brandenburger Vereine nehmen es mit der DFB-Norm nicht so genau – das fand ein Journalist der »Märkischen Allgemeinen Zeitung« heraus.

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Sebastian Morgner, haben Sie einen Skandal im Brandenburger Amateur-Fußball aufgedeckt?
Nein, nein, wir haben zwar festgestellt, dass einige Tore nicht der DFB-Norm-Höhe von 2,44 Meter entsprechen, aber von einem Skandal kann man da nicht sprechen.

Sie haben sich gemeinsam mit den Lokalredaktionen der »Märkischen Allgemeinen Zeitung« die Mühe gemacht, bei 33 Vereinen die Höhe der Fußballtore nachzumessen. Sind Sie pedantisch veranlagt?
Ich bin selbst aktiver Fußballer hier auf dem Dorf, und wenn ich da einen Freistoß schießen durfte, ist mir manchmal aufgefallen, dass der Torwart auf der einen Seite an die Latte kommt und auf der anderen nicht. Als ich dann von mehreren Spielern angesprochen wurde, dachte ich mir, wir nutzen die Winterpause, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Wie sind Sie dabei vorgegangen?
Wir haben zunächst beim Fußball-Landesverband (FLB) angefragt, ob wir mit einer solchen Recherche die Vereine juristisch in Bredouille bringen würden. Als das verneint wurde, haben wir auf Landesebene die 33 Vereine kontaktiert, mit denen wir gemeinsam die Höhen bei beiden Toren an je drei Stellen gemessen haben.

Mit einem überraschenden Ergebnis.
Genau, denn ein Großteil der Tore ist zu niedrig oder zu hoch. Nur bei einem einzigen Verein entsprachen alle sechs gemessenen Werte der Norm. Die Abweichungen gehen sehr auseinander, was verwunderlich ist.

Morgner bei der Arbeit (Bild: MAZ)

Wie wurden Ihnen Abweichungen von bis zu neun Zentimetern von Vereinsseite aus erklärt?
Viele Tore wurden in den fünfziger Jahren aufgestellt und waren über Jahrzehnte Wind und Wetter ausgesetzt. Teilweise fegten hier starke Stürme über die Plätze und zogen die Tore in Mitleidenschaft. Ein Platzwart sprach sogar von Regenwürmern. In all den Jahren wurde wohl nie nachgemessen, weil man immer davon ausging, dass das Tor schon die 2,44 Meter haben wird.  

Ist jetzt mit einer Welle von Annullierungen und Spielwiederholungen zu rechnen?
Nein, das haben die höchsten Gremien im FLB kategorisch ausgeschlossen. Zum einen, weil die Frist für einen Einspruch gegen die Wertung bereits abgelaufen ist, zum anderen, weil sich die Bodenverhältnisse auf natürlichem Weg verändert haben und kein Verein absichtlich zu kleine Tore aufstellt.

Also bleibt alles beim Alten?
Unsere Werte sind kein Maßstab für den Fußball-Landesverband. Nur wenn ein anderer Verein den Spielausschuss kontaktiert, reagiert dieser und misst nach. Sollten dann die Unregelmäßigkeiten bestätigt werden, bekommt der Verein die Aufforderung, die Fehler zu begleichen. Wir denken schon, dass durch die Berichterstattung in der Winterpause der ein oder andere Platzwart Maßband und Stampfer in die Hand nimmt. Das habe ich schon von vielen gehört.

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Sebastian Morgner ist Redaktionsleiter im Sport-Ressort der »Märkischen Allgemeine Zeitung«. Die detaillierten Ergebnisse seiner Tor-Erhebung hat er hier veröffentlicht.