Polnischer Nationalspieler Jakub Kosecki

»Es war nicht immer leicht für mich«

Ihr Vater Roman Kosecki war in den 80er und 90er Jahren einer der besten polnischen Spieler. Sie spielen sogar auf der gleichen Position. Kann man sagen, dass Ihnen der Profifußball in die Wiege gelegt wurde?
Mein Vater hat mich sehr beeinflusst. Ich habe teilweise sogar die gleichen Interessen wie er. So bin ich auch total fasziniert von der Luftfahrt und großen Passagiermaschinen. Und in Bezug auf Fußball hat er mich natürlich auch sehr beeinflusst, klar. Als ich klein war, hat mein Vater immer, wenn er vom Training nach Hause kam, auch mit mir gekickt, damit ich mich austobe. Ich spielte auch in den Jugendmannschaften jener Teams, bei denen mein Vater unter Vertrag stand. Später, nach unserer Rückkehr nach Polen, war ich auch in seiner Fußballschule angemeldet. Aber der Wunsch, Profi zu werden, der kam von mir.

Ist der berühmte Name auch eine Last?
Natürlich gibt es Vergleiche, auch Erwartungen. Mein Vater hatte eine fantastische Karriere und spielte bei großartigen Klubs wie Atletico Madrid. Deswegen war es auch nicht immer leicht für mich, vor allem am Anfang meiner Laufbahn. Aber am Ende geht es um mich und meine fußballerischen Fähigkeiten. Diese entscheiden, ob ich auf dem Platz stehe oder nicht.

Wie sieht ihre Zukunft aus? Wollen Sie in Deutschland, eventuell in Sandhausen bleiben?
Das ist ein Thema, über das ich nicht so gerne rede. Dafür sind meine Manager verantwortlich. Doch ich kann sagen, dass es einige Optionen für die nahe Zukunft gibt. Zudem hat sich der SV Sandhausen auch das Erstkaufsrecht gesichert. Aber momentan mache ich mir persönlich nicht besonders viele Gedanken um dieses Thema. Vielmehr konzentriere ich mich auf die letzten sechs Spiele der Saison.

Wie steht es um die polnische Nationalmannschaft: Hat auch der Nationaltrainer Adam Nawałka nachgefragt, wie man nach Sandhausen kommt?
Nein, Nawałka hat nicht nachgefragt. Aber über Nawałka und die polnische Nationalmannschaft müssen wir auch nicht diskutieren. Erstens hat er ein Team geformt, das wirklich gut harmoniert und sehr gute Ergebnisse liefert. Zweitens hatte ich in der letzten Zeit mit Verletzungen zu kämpfen, vor allem am Sprunggelenk. Erst jetzt, nach fast drei Monaten Pause, bin ich wieder ins Training zurückgekehrt und habe meine ersten, kurzen Einsätze. Da besitze ich genug Realismus, um meine Chancen auf eine Teilnahme bei der Europameisterschaft einzuschätzen.

Wie schätzen Sie die Chancen Polen bei der anstehenden Europameisterschaft ein?
Dass Polen den Titel holt, halte ich eher für unwahrscheinlich. Wir haben aber eine gute Mannschaft mit hervorragenden Einzelspielern wie Robert Lewandowski, der momentan der beste Stürmer der Welt ist. Deswegen glaube ich, dass wir in Frankreich durchaus einige Siege werden feiern können.