Polens Fanbeauftragter über die neue Gefahr von Marseille

»Die Polizei hat null Ahnung«

Dariusz Lapinski hofft auf einen friedlichen Tag in Marseille, nennt jedoch mögliche Gefahren und spart nicht an Kritik für die Sicherheitsbehörden.

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Dariusz Lapinski, wie viele Polen werden heute in Marseille sein?
Etwa 30.000. 

Wie viele davon schätzen Sie als potentiell gefährlich ein?
Darf ich für die Antwort kurz ausholen?

Bitte.
Noch in den neunziger Jahren ging kein normaler polnischer Fan zu Länderspielen, da ging einfach zu sehr die Post ab. Bis sich Mitte der Nuller Jahren die großen Fangruppen auf das »Posener Abkommen« einigten, also den Verzicht auf Waffen und unverhältnismäßige Gewalt. Danach wurde auch das Publikum immer durchmischter. Und heute sind mehr als 90 Prozent der polnischen Nationalmannschaftsfans ganz normale Fans, was dazu geführt hat, dass viele »aktive« Fans nicht mehr gekommen sind. Gegen die Ukraine wird das anders sein. Um 14 Uhr ist ein Marsch von etwa 2000 Fans durch Marseille geplant, davon 300 gewaltbereite Polen. 

Warum ist das gegen die Ukraine anders?
Die Karten waren verhältnismäßig leicht zu bekommen und nach dem Auftritt der Russen befürchte ich, dass sich einige Gruppen vorgenommen haben, dem einen drauf zu setzen. 

Wie kann man diese Gewalt verhindern?
Indem man seinen Fans den Aufenthalt vor Ort zu angenehm wie möglich macht und schon im Vorfeld Augen und Ohren offen hält, um ganz nah dran zu sein. Wir haben beispielsweise einen SMS-Dienst eingerichtet, der wichtige Informationen an die Fans sendet. Das wird keine Gewalt verhindern, ist aber ein gutes Mittel, um Kontakt zu den Fans zu halten.

Kann man die polnischen Hardcore-Fans mit den Russen und Engländern vergleichen?
Nein. Die Russen kamen top organisiert als Kampfsportler nach Frankreich und die Engländer haben sich einfach benommen wie die Schweine. Ich bin mir sicher, dass sich kein Pole so benehmen wird, wie es einige Engländer gemacht haben. Und es wird auch keine gezielten Angriffe auf unvorbereitete Menschen geben.