Pierre Emile Hojbjerg über seine junge Karriere beim FC Bayern

»Als Zidane 2006 vom Platz flog, habe ich geweint«

Welche Rolle hat Ihr Vater für Ihre Fußballkarriere gespielt?
Mein Vater wusste von klein auf, wo meine Stärken liegen und welche Schwächen ich habe. Er hat mich gefordert und gefördert, ob bei meinem ersten Verein BK Skjold oder im heimischen Garten. Seine Bedeutung kann ich gar nicht beschreiben. Auch wenn mein Vater physisch nicht mehr da ist, ist er immer noch in meinem Kopf und Herzen dabei. Ich bringe meine Leistung auch für ihn.

Die Medien berichteten über ein sehr emotionales Gespräch mit Pep Guardiola. Sie beide sollen geweint haben. Welche Rolle spielte der Trainer in dieser Phase?
Diese Geschichte wurde natürlich etwas übertrieben dargestellt. Sicher waren in dem Gespräch Emotionen dabei, das ist aber doch ganz normal, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Ich bin Pep Guardiola wie auch Karl-Heinz Rummenigge und dem ganzen Verein jedenfalls von Herzen für die Unterstützung dankbar.

Zurück zum Sport: Ist Guardiola der perfekte Trainer für Ihre Entwicklung?
Pep ist unglaublich. Es stimmt nicht nur die menschliche Komponente, wie in der Situation nach dem Tod meines Vaters, er ist auch fachlich top. Pep nimmt uns junge Spieler häufig zur Seite. Ich kann mir momentan keinen besseren Trainer vorstellen.

Im Pokalfinale setzte Guardiola Sie auf dem rechten Flügel ein – eigentlich kommen Sie aber aus dem zentralen Mittelfeld. Wo sehen Sie sich am stärksten?
Im Mittelfeldzentrum. Die defensive »Sechs«, das ist meine Position. Wenn Pep Guardiola mich aber rechts außen aufstellt, mache ich auch das. Er ist der Trainer.

Ihre Mutter ist Französin, Sie nennen Zinedine Zidane als fußballerisches Vorbild. Früher sollen Sie reihenweise Bücher über ihn verschlungen haben.
Nein, das ist eine Legende. (lacht) Ich habe mir aber viele Videos von ihm angesehen. Anschließend habe ich tagelang versucht, seine Tricks im Garten oder auf der Straße nachzumachen. Zidane hat mich fasziniert. Wie er den Ball kontrollierte, wie er das Spiel kreierte – das war einfach stark.

Wie haben Sie Zidanes Abtritt von der großen Fußballbühne 2006 erlebt?
Sie meinen sicher seine Rote Karte im WM-Finale. Das war ein trauriger Tag für mich. Wir waren bei der Familie in Frankreich und saßen vor dem Fernseher – ich ganz stolz als kleiner Zehnjähriger in der ersten Reihe mit Zidane-Trikot. Als er vom Platz flog, war ich unheimlich wütend und habe geweint. Nach zwei Tagen war die Sache aber wieder vergessen und ich habe versucht, wie Zidane zu spielen.

Zwei Jahre später hatten Sie beim FC Kopenhagen einen Durchhänger. Sie wollten damals sogar mit dem Fußball aufhören.
Ich war knapp 13, mein Trainer hat mich im Sturm aufgestellt. Damit war ich nicht einverstanden und habe keine Lust mehr auf Fußball gehabt. Ich bin nur noch zum Fußball gegangen, um meine Mannschaftskameraden zu sehen, nicht um zu spielen. Gerade weil in diesem Alter ohnehin die Hormone im Kopf verrücktspielen, war das keine leichte Zeit.

Wie haben Sie den Spaß wiedergefunden?
Ich habe den FC Kopenhagen verlassen. Es gab zwei Optionen: Entweder ich gehe zurück zu meinem Heimatklub, einem Dorf-Verein, oder wechsle zum großen Rivalen Bröndby. Ich hatte oft gegen sie getroffen, der Verein wollte mich gerne haben. Schließlich habe ich das gemacht.

Wie schnell fanden Sie wieder in die Spur?
Zunächst gar nicht. Sie müssen wissen: Der Wechsel von Kopenhagen zu Bröndby ist mit einem Transfer von 1860 zu den Bayern zu vergleichen. Glauben Sie mir, von Freunden und Bekannten konnte ich mir schon ein paar Sprüche anhören. Sportlich lief es aber schnell wieder. Ich habe den Spaß wiedergefunden und richtig gute Spiele gezeigt. Durch meine kurze Sinnkrise bin ich in Bröndby auf jeden Fall schneller gereift.