Pierre Emile Hojbjerg über seine junge Karriere beim FC Bayern

»Zidane hat mich fasziniert«

Pierre Emile Hojbjerg gilt als eines der größten Talente des FC Bayern. Wird er diese Saison durchstarten? Ein Gespräch über Herkunft, Vorbilder und eine Radtour im Hause Tarnat.

imago
Heft: #
154

Pierre-Emile Hojbjerg, Sie sind 18 Jahre alt und haben bereits ihr drittes Sommertrainingslager beim FC Bayern absolviert. Was hat sich in den letzten zwei Jahren verändert?
Es ist schon ein Unterschied, ob man als Jugendspieler mal mit den Profis trainieren darf oder aktiv als Profi dabei ist. Diesen Übergang habe ich im letzten Jahr endlich geschafft, weshalb die letzte Saison auch unglaublich wichtig für mich war.

Was war Ihr persönliches Highlight?
Ganz klar das DFB-Pokalfinale. Ich habe hart dafür trainiert, in so einem wichtigen Spiel auf dem Platz zu stehen. Dass das dann ausgerechnet das letzte Saisonspiel und so ein wichtiges Finale ist, das war mehr als ein Traum.

Wie war das, als 18-Jähriger auf einmal vor über 70.000 Zuschauern im Rampenlicht zu stehen?
Das war super! Endlich durfte ich auf so einer großen Bühne zeigen, was ich drauf habe. Über uns junge Spieler heißt es oft: ›Die sind zwar ganz talentiert, müssen sich aber noch beweisen.‹ Ich wollte zeigen, dass ich mit den Großen mithalten kann. Ich glaube, das ist mir zumindest in diesem Spiel gut gelungen.

Nach dem Spiel standen Sie plötzlich im Live-Interview mit Reinhold Beckmann und Ihrem ehemaligen Reserve-Trainer Mehmet Scholl. Waren Sie aufgeregt?
Ich kannte Mehmet bereits, das hat mir eine gewisse Aufregung genommen. Nach diesem Finale, inklusive Verlängerung, ist noch so viel Adrenalin im Körper, da vergisst man die Millionen TV-Zuschauer ohnehin. Trotzdem war das ein unglaubliches Erlebnis.

Mitspieler wie Arjen Robben oder Bastian Schweinsteiger überschütteten Sie nach dem Spiel mit Lob. Wie stolz macht das einen 18-jährigen Youngster?
Die Aussagen habe ich erst im Nachhinein wahrgenommen. Was soll ich dazu sagen? Das sind große Spieler, die schon eine Menge erlebt haben. Jetzt ist das Pokalfinale aber vorbei und eine neue Saison steht bevor. Daher kann ich mir davon nichts mehr kaufen.

Gibt es Spieler beim FC Bayern, zu denen Sie aufschauen?
Ich arbeite täglich mit den Jungs zusammen, da wäre es nicht gut Idole oder Vorbilder in der eigenen Mannschaft zu suchen. Trotzdem spielen bei uns natürlich einige große Persönlichkeiten, die fast alles erlebt haben. Es wäre ungeschickt  von mir, nicht zu Robben, Lahm oder Schweinsteiger aufzuschauen. Von diesen Spielern will jeder junge Bundesligaprofi lernen.

Als Vorbild nannten Sie immer wieder Ihren Vater. Er verstarb im April. Wie haben Sie diesen Schicksalsschlag verkraftet?
Ich wünsche niemandem, wirklich niemandem, dass er diese Situation erlebt. Du wirst komplett aus deinem Alltag herausgerissen, bist nicht richtig bei der Sache. Trotzdem muss man irgendwie nach vorne schauen. Ich hatte kurz nach dem Tod meines Vaters ein sehr gutes Gespräch mit Karl-Heinz Rummenigge. Er hat mich zur Seite genommen und schöne Worte gefunden.

Was sagte Rummenigge?
Er erklärte mir, dass Krisen zum Leben dazugehören. Es sei ganz menschlich, dass der Tod meines Vaters mich runter ziehen würde. Rummenigge sagte aber, er glaube fest daran, dass ich aus dieser Krise auch stark hervor gehen könnte – wenn der Wille da ist. Daraufhin habe ich versucht, mich wieder zu motivieren und da wieder raus zu beißen. Meine Therapie hieß Fußball. Auf dem Platz war ich frei und konnte allen Ärger vergessen.