Peter Schmeichel über Dänemarks EM-Triumph, Burger und Manuel Neuer

»Die alte Geschichte vom Big-Mac-Team«

Im dritten Gruppenspiel traf Dänemark auf den Turniermitfavoriten Frankreich, siegte sensationell und stand plötzlich im Halbfinale. Gerade nach diesem Spiel hat der Big Mac doch sicher besonders gut geschmeckt. 
Da ist sie wieder, die alte Geschichte vom Big-Mac-Team. Soll ich Ihnen was erzählen: Wir waren genau einmal Fast Food essen. 

Sie haben gerade einen Mythos zerstört.
Vor dem Abschlusstraining für das Halbfinale gegen Holland fuhren wir in Göteborg mit dem Bus an einer McDonald’s-Filiale vorbei. Da haben wir ein bisschen gewitzelt: »Trainer, wir würden so gern ein paar Burger essen.« Der Coach hat nichts gesagt, aber nach dem Training hielt der Bus tatsächlich vor der Filiale. Alles war extra für uns abgesperrt. Es war eine Überraschung des Trainers für die Mannschaft, mit der niemand gerechnet hatte

Aus ernährungsphysiologischer Sicht allerdings ein Super-GAU, einen Tag vor dem Halbfinale. 
Spontan etwas außerhalb der Norm zu tun ist sehr wichtig in diesen Phasen. So bewahrt man eine gewisse Lockerheit in der Mannschaft. Bei einem Turnier ist fast alles geregelt, überall sind feste Abläufe. Da kann solch eine Aktion die Mannschaft richtig entspannen. Außerdem hat der Trainer uns dadurch eine Facette von sich gezeigt, die wir noch nicht kannten. Er war durchaus verbissen und nicht frei von Kritik. Doch nach diesem Essen wollte jeder noch mehr für ihn tun. Genau deswegen sind solche Aktionen vor entscheidenden Spielen extrem wichtig. Sie können das eine Prozent freisetzen, das den Unterschied ausmacht.

Heute ist es unvorstellbar, dass eine Nationalmannschaft vor einem EM-Halbfinale Fast Food isst. 
Es müssen ja keine Burger sein, aber wenn man an diesem Punkt im Turnier angekommen ist, muss der Fokus auch mal etwas geweitet werden. Sonst verkrampft man. 

Es hat gewirkt. Im Halbfinale besiegten Sie mit Holland einen weiteren Favoriten. Plötzlich stand der Underdog Dänemark im EM-Finale. 
Und wieder hat uns Richard Møller Nielsen überrascht: Im Hotel durften wir ein paar Drinks an der Bar nehmen.

Also war »Danish Dynamite« doch eine Partytruppe? 
Wir hatten gerade Holland im Elfmeterschießen geschlagen, alle waren voller Adrenalin. Da mussten die Freude und der Druck einfach mal raus. Du kannst dich nicht in Ruhe auf ein Finale vorbereiten, wenn alle noch den sensationellen Halbfinalsieg verarbeiten müssen. Deswegen war die Party genau richtig, um einen Strich unter die Geschehnisse zu ziehen. Sie war nicht exzessiv, dazu waren wir alle viel zu fertig. 
Und am nächsten Tag ging die Vorbereitung auf das Finale los.

In dem Dänemark mit dem letzten Aufgebot antreten musste. 
Ich war im Grunde der letzte Verteidiger, den die Mannschaft noch hatte. John Sivebæk hatte eine angerissene Achillessehne, eine Verletzung, mit der man normalerweise Monate pausieren muss. Henrik Andersen hatte sich gegen Holland die Kniescheibe gebrochen. Kent Nielsen fehlte schon verletzt im Halbfinale, und unser Kapitän Lars Olsen hatte eine geprellte Hüfte. Er konnte sich nicht einmal mehr richtig drehen. Nach dem Abschlusstraining musste ich ihn im Hotel sogar die Eingangstreppe hochtragen. Unsere Defensive war also nicht mehr existent.