Peter Neururer über seine Rücktrittsdrohung

»Dann bin ich weg«

Die 0:1-Niederlage seiner Mannschaft gegen Rot-Weiß Oberhausen hat Peter Neururer ziemlich wütend gemacht. Im Gespräch mit 11FREUNDE spricht der Duisburg-Trainer über die richtige Einstellung und Rücktritts-Gerüchte. Peter Neururer über seine Rücktrittsdrohung

Wieder beruhigt, Peter Neururer? Nach dem Spiel gegen Oberhausen am Freitagabend haben Sie öffentlich mit Rücktritt gedroht.

Was heißt mit Rücktritt gedroht? Dumme Geschichten sind das. Ich habe klipp und klar gesagt: so eine Mannschaftsleistung, wie die gegen Oberhausen, lasse ich mir nicht zweimal bieten! Das ist eine Sauerei dem Verein gegenüber und allen Leuten, die beim MSV arbeiten. Und auch dem Trainer gegenüber. Natürlich stehe ich in der Verantwortung, keine Frage, aber das mache ich nicht weiter mit. Und wenn das noch mal vorkommen sollte, werde ich um Versetzung bitten.

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Haben Sie denn gleich am Montag mit der Mannschaft trainiert?

Ja, na klar.

Und, hat die Mannschaft Ihren Zorn auf der Laufbahn zu spüren bekommen?

Nein. Am Montag ist bei uns kein Lauftraining.

Was haben Sie stattdessen gemacht?

Ganz normal trainiert. Wie es sich gehört.

Hat die Mannschaft Reaktionen auf Ihre Kritik gezeigt?

Das warten wir mal ab, das warten wir mal ab. Am Freitagabend geht es gegen Union Berlin, dann werden wir sehen, wie die Mannschaft reagiert. Was die Trainingsarbeit angibt, habe ich überhaupt nichts zu bemängeln. Aber: das steht in keiner Relation zur Spielleistung. Wenn die drei, vier Spieler, um die es ja geht, meinen, dass sie mit dem Überziehen der Leibchen beim Abschlusstraining bereits ihre Arbeit getan hätten und die 90 Minuten am Spieltag nur zur Selbstdarstellung nutzen, dann bin ich nicht mehr der richtige Trainer in Duisburg.

Was bemängeln Sie denn ganz konkret an Ihren Spielern?

Nähere Angaben zu den Personen werde ich nicht machen, noch halte ich meine Hand über die Mannschaft. Jeder, der das Spiel gegen Oberhausen gesehen hat, weiß, wen ich meine. Das war so offenkundig. Ich richte meine Kritik ja auch ganz bewusst nicht an die gesamte Mannschaft, denn auch in diesem schlechten Spiel gegen RWO gab es den ein oder anderen, der die richtige Einstellung gezeigt hat.

Bereits vor einigen Wochen haben Sie mit Rücktritt gedroht, als Dorge Kouemaha verkauft worden war. Und jetzt schon wieder?

Grundsätzlich stehe ich dazu, was ich gesagt habe und ziehe es dann auch voll durch. Allerdings habe ich dem Kouemaha-Transfer nur unter bestimmten Bedingungen zugestimmt und meinen Rücktritt angekündigt, wenn diese nicht erfüllt werden. Da diese aber von der Vereinsführung erfüllt wurden, war dies kein Thema mehr.

Das heißt, der MSV Duisburg muss sich jetzt Sorgen machen?

Nein, Sorgen machen muss sich der Verein nicht. Der Verein ist finanziell und strukturell gut aufgestellt und hat eine gute Mannschaft zusammen gestellt.

Können sich jetzt die Reservespieler Hoffnungen auf einen Einsatz gegen Union machen?

Jeder einzelne, der bei uns im Profikader ist, kann sich berechtigte Hoffnungen machen.

Haben Sie eigentlich der Mannschaft diese Kritik in aller Deutlichkeit geäußert?

Na sicher! Gleich am Freitagabend nach dem Spiel.

Und da haben Sie Ihren Spielern die Dinge um die Ohren gehauen...

(unterbricht) Was heißt, ´um die Ohren gehauen?´ Ich habe es angesprochen, wie es ist. Da muss man nichts um die Ohren hauen, das ist eine ganz normale Angelegenheit.

Was Sie gerade in Duisburg erleben, ist das auch für Sie eine neue Erfahrung?

In so einer Form, habe ich das noch nicht erlebt. Da ist eine Diskrepanz zwischen den Spielen... Erst der Erfolg am Dienstagabend im Pokal gegen Borussia Mönchengladbach, einen Erstligisten! Und dann drei Tage später eine Niederlage gegen einen Gegner, wie Rot-Weiß Oberhausen. Wobei ich nicht despektierlich gegenüber Oberhausen erscheinen will. Aber dieses Leistungsgefälle, das will und kann ich nicht verstehen.

Weil Sie von Ihren Spielern verlangen...

...dass jeder in jedem Spiel 100 Prozent Einsatz zeigt. Fehler können mal passieren, dazu stehe ich auch. Aber wenn die Einstellung nicht stimmt, dann stehe ich nicht mehr dazu!

Welche Reaktion erwarten Sie jetzt gegen Union?

Das werden wir sehen! Die Antwort gibt die Mannschaft auf dem Platz. Sicher ist, dass die Mannschaft auf einigen Positionen verändert wird.

Was passiert denn, wenn der MSV gegen Union die gleiche Leistung abliefert, wie gegen Oberhausen?

Dann bin ich weg.

Dann schmeißen Sie in Duisburg hin?

Ja, natürlich. Dafür werde ich nicht mehr gerade stehen.

Wäre es nicht komfortabler für Sie, einfach die entsprechenden Spieler aus dem Kader zu streichen?

Nein. Schon alleine aus dem Grund nicht, weil der Kader dann viel zu dünn besetzt wäre. Das steht mir nicht zu, dem Verein in dieser Form zu schaden.

Heute ist Dienstag, das Spiel war am Freitag, aber Sie wirken immer noch so wütend, als wäre unser Gespräch während der Halbzeitpause...

Weil ich eine andere Einstellung in meinem Beruf habe! Wenn ich etwas mache, dann zu 100 Prozent, oder ich lass es sein.

Sie wollen, dass sich auch Ihre Spieler, ganz lapidar gesagt, den Arsch aufreißen?

Richtig. Mehr verlange ich ja gar nicht.