Olli Dittrich über seine Liebe zum HSV

»Eine solide Ehe«

Olli Dittrich ist regelmäßiger Gast im Hamburger Volksparkstadion. Doch über seinen Verein mag der Comedian keine Gags mehr machen. Stattdessen spricht er über sonderbare Begegnungen mit Uwe Seeler und seine bevorstehende »Dittsche«-Tournee.

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Herr Dittrich, erinnern Sie sich noch an den 21.5.2017?

Hört sich an nach... Jetzt muss ich rechnen... Das Relegationsspiel, bei dem alle durchgedreht sind – das war ein Jahr vorher. Der letzte Spieltag, als der Abstieg besiegelt war – das war 2018. Klar: im Mai 2017 haben wir kurz vor Ultimo die Klasse gesichert. Ein heißer Tanz.

Damals entstand ein emotionales Foto von Ihnen: Luca Waldschmidt hatte mit seinem Tor zum 2:1 gegen den VfL Wolfsburg gerade den HSV gerettet und Sie jubelten auf der Haupttribüne enthemmt wie ein kleiner Junge im BP-Retrotrikot.

Ich weiß, da gab es kein Halten mehr. Ich hatte extra das Meister-Trikot der Saison 1981/82 an und war mit meinem Freund Bjarne Mädel im Stadion. Wir haben alles gegeben. Bjarne hat sich für das Foto allerdings geschickt weggeduckt, er trug natürlich auch ein HSV-Trikot, in dunkelblau. 

Was sind Ihre Erinnerungen an den Nachmittag?

Wir HSV-Fans sind leidgeprüft, es war ja keineswegs die erste Saison, in der es wieder mal knapp wurde. Das Spiel war wirklich sehr, sehr spannend. Kein Dramaturg hätte sich das besser ausdenken können. Am Ende war es eine große Befreiung. 

Haben Sie im Anschluss mit Bjarne Mädel einen drauf gemacht?

Angestoßen haben wir anschließend beim Italiener schon. Wenn ich ins Stadion gehe, dann allerdings nicht, um drei Mal pro Halbzeit Bier holen zu gehen. Da verpasse ich ja die Hälfte. Essen und Trinken kann ich zu Hause. Ich mache auch kein großes Remmidemmi und brülle nicht groß rum im Stadion. Ich will da sitzen und erstmal in Ruhe das Spiel verfolgen. Wenn’s spannend wird, fiebere ich schon mit, aber kontrolliert hanseatisch. Die Freude nach einem Sieg hält nach dem Abpfiff natürlich auch noch ein Weilchen an, aber die Geknicktheit nach einer Niederlage ist meist nur relativ kurz. Abhaken, weiter geht’s. Ich trage die Raute wirklich seit meiner frühesten Kindheit im Herzen und bin meinem HSV absolut treu, aber nach einer Niederlage herumjammern und mich eine Woche lang krankschreiben lassen – soweit geht die Liebe dann auch nicht.

Das klingt jetzt sehr nüchtern. Auf dem erwähnten Foto sehen Sie aus, wie vierjähriger Junge, der an Weihnachten ein Playmobil-Piratenschiff geschenkt bekommt.

Das war auch so. Das entscheidende Tor, so kurz vor Schluss – spannender hätte das Spiel nicht verlaufen können. Das Tor war eine Erlösung, fast so dramatisch wie 1970 Schnellingers 1:1 in der 91.Minute im Jahrhundertspiel gegen Italien bei der WM in Mexiko. Es war eine Momentaufnahme, ich habe in der Euphorie gar nicht mitbekommen, dass ich fotografiert wurde. Aber ganz ehrlich: Alle sind in dieser Situation komplett ausgerastet, auch die stillsten Vertreter. Das habe ich so im Volksparkstadion auch nicht oft erlebt.