Oliver Bierhoff über das Team hinter der Nationalelf

»Hier kommt ein neues Abenteuer«

Scouts, Physios, Ärzte: Oliver Bierhoff spricht im Interview über das Team hinter dem Team und warum es sich neu erfinden muss, um in Frankreich den Titel zu holen.

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Oliver Bierhoff, haben Sie eigentlich selber den Begriff vom »Team hinter dem Team geprägt«?

Nein, damit möchte ich mich nicht schmücken. Ich kann mich aber nicht mehr daran erinnern, von wem das kam. 

Vielleicht von Jürgen Klinsmann, der den Begriff bereits 2004 in einem Interview benutzt hat?

Das kann sein. Letztlich ging es uns von Beginn an darum, dass für die Leistung der Mannschaft die Leute dahinter sehr wichtig sind. Wir wollten es nicht als selbstverständlich nehmen, dass sie da sind. 

Zu welcher Arbeitsweise führt das bei der Nationalmannschaft?

Ich betrachte uns als Familie, und dieses Gefühl will ich auch vermitteln. Mich ärgert allerdings schon ein wenig, wenn uns unterstellt wird, wir würden eine Wohlfühloase schaffen. In Wirklichkeit geht es nämlich um respektvollen Umgang miteinander, bei gegenseitiger Wertschätzung und hoher Professionalität. Außerdem gibt es bei uns flache Hierarchien und klare Verantwortlichkeiten. Man darf schließlich nicht vergessen, dass einige Mitglieder des Teams hinterm Team Kapazitäten mit teils weltweiter Reputation in ihren Bereichen sind, ob Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Tim Meyer als Ärzte, oder Klaus Eder als Physiotherapeut und etliche mehr. 

Wie gehen Sie mit denen um?

Ich lasse sie machen, verlange aber auch von ihnen, dass sie machen. Ich versuche den Leuten zu helfen, ohne ihnen im Weg zu stehen. 

Und wann hat es das letzte Mal richtig gerappelt?

2010 und 2012 schon, aber bei der WM 2014 kann ich mich an nichts erinnern. Natürlich knistert es bei einem Turnier immer mal. Es kann mal inhaltliche Unterschiede geben, wenn die medizinische Abteilung etwa anderer Ansicht ist als die Fitnessabteilung, oder es gibt atmosphärische Störungen oder zwischenmenschliche. Meine Hauptaufgabe bei Turnieren sehe ich darin, Verstimmungen frühzeitig mitzubekommen und auszuräumen. Deshalb mache ich jeden Morgen eine kleine Sitzung mit meinem Team und schaue ansonsten, ob irgendwelche Probleme da sind. 2006 etwa hat es zwischen zwei Betreuern gekracht, denen habe ich gesagt: »Jetzt haben wir geschafft, dass es bei den Spielern keine Probleme gibt, wie mal bei Uli Stein und Toni Schumacher. Bei den Frauen und Familien stimmt es auch. Da kann es doch nicht sein, dass es Krisenfelder gerade bei den Betreuern gibt.« Danach ging es dann wieder.