Nürnbergs Trainer Michael Köllner im Interview

»Ich versuche, mir treu zu bleiben«

Michael Köllner führte den 1. FC Nürnberg in die erste Liga. Und hat auf Volksfesten gelernt, worauf es ankommt: Gut anschnallen und rein ins Getümmel. Ein Gespräch über das Volksfest Bundesliga.

Norman Konrad

Michael Köllner, sind Sie ein Mann des Volkes?
Es kommt darauf an, wie man das definiert.

Die meisten Club-Fans sind schon mal begeistert davon, dass Sie breitestes Oberpfälzisch sprechen.
Ich versuche, mir treu zu bleiben und mein Leben als Bundesligatrainer genauso zu gestalten, wie ich das vorher schon getan habe. Dazu gehört auch, dass ich immer schon Dialekt gesprochen habe. Zudem empfinde ich Dialekt als etwas sehr Schönes und als ein unverwechselbares Zeichen für Heimat, Kultur und Wurzeln.

Franken halten Oberpfälzer allerdings auch für ziemliche Hinterwäldler. Ist das ungerecht?
Ich kann alle beruhigen: Die Oberpfalz hat nicht nur einen Stromanschluss, es gibt inzwischen sogar Internet. Städter verstehen nicht, dass Dörfer eine beachtliche Autonomie haben. Natürlich gibt es dort weniger Geschäfte, aber wenn etwas kaputt ist, geht man zu dem Nachbarn, der das reparieren kann. Im Dorf kennt jeder jeden, dadurch ergibt sich eine ganz andere Struktur, und die kann durchaus mithalten. 

Waren Sie immer schon von Volksfesten begeistert, wie Sie es heute sind?
Ich gehe nicht jeden Tag auf ein Volksfest, aber ich werbe deshalb gerne dafür, weil ich das Gefühl habe, dass gerade ein bayerisches Kulturgut ausstirbt. Inzwischen hat die Zahl der Volksfeste nämlich deutlich abgenommen, weil der Aufwand zu groß und das Organisatorische zu kompliziert geworden ist. Aber wer wie ich auf dem Dorf aufgewachsen ist, kennt die Bedeutung dieser Feste. Wenn der Schützenverein, der Fußballklub oder die Freiwillige Feuerwehr gefeiert haben, ist der Ort zusammengekommen, und als Kind habe ich das genossen. Ich bin zu einem guten Teil im Gasthaus meiner Tante aufgewachsen, wo vom Tanz mit Kapelle bis zum Aufstellen des Maibaums viel gefeiert wurde. Damals hat es übrigens für die 1500 Einwohner in Fuchsmühl fünf Wirtshäuser gegeben, das ist eigentlich unglaublich.

»Ich stoße nur aus Höflichkeit an. Ich trinke kein Bier.«

Vielleicht wurde einfach zu viel getrunken.
Oder man ist lieber unter die Leute gegangen. Ich glaube, das geht heute verloren, weil jeder sein Leben für sich lebt. Früher gab es mehr Miteinander, größere Rücksichtnahme untereinander, und Konflikte sind offen gelebt und schneller aus der Welt geschafft worden.

Inwiefern können Sie Ihre Begeisterung für Volksvergnügen aller Art weiter pflegen, seit Sie Cheftrainer des 1. FC Nürnberg und damit eine öffentliche Figur sind?
Ich mach’s einfach! Nürnberg hat diesbezüglich eine sehr ausgeprägte Tradition mit einer Frühjahrs- und Herbstkirmes, einem Altstadtfest, dem Christkindlesmarkt und dem »Stadtstrand«, der fast 80 Tage dauert. Inzwischen werde ich bei solchen Gelegenheiten zum Leidwesen meiner Frau zwar von vielen Leuten erkannt, die mit mir über den Club reden wollen oder ein Foto machen möchten, aber so ist es eben. 

Am Abend vor dem ersten Saisonspiel bei Hertha sind Sie zu einem Treffen von Berliner Club-Fans gegangen. Warum haben Sie das gemacht?
Das hat sich ergeben. Einer der Aufsichtsräte hat mir davon erzählt, und dann bin ich spontan mitgefahren. Ich finde ich es überragend, welche Anziehungskraft dieser Verein in allen Teilen Deutschlands hat – auch in Berlin. Also bin ich da mit dem Taxi hin, habe auf ein Bier angestoßen, ein paar Gespräche geführt, Fotos gemacht und konnte unseren Fans mit wenig Aufwand eine große Freude bereiten.

Stimmt: Die Flasche, aus der Sie getrunken haben, wird seither als Reliquie ausgestellt.
Dann kann ich die zweite Hälfte des Bieres trinken, wenn ich das nächste Mal da bin. 

Haben Sie nicht ausgetrunken?
Nein, ich bin kein Biertrinker. Ich stoße bei solchen Gelegenheiten nur aus Höflichkeit an. Bei uns zu Hause gibt es überhaupt keinen Alkohol – auch nicht für meine Frau.