Nils Petersen über Heimat und Abstiegskampf

»Sport im Osten gucke ich regelmäßig«

Spielt der Osten denn noch eine Rolle für Sie? Schließlich sind Sie gerade mal ein Jahr vor der Wende geboren worden.
Ich bin in Wernigerode aufgewachsen und habe die DDR nicht mehr bewusst erlebt. Aber ich war an dem Thema immer sehr interessiert. Wenn ich jetzt sehe, wo ich als Fußballer überall schon war – Asien, Amerika und so weiter – und welche Freiheiten ich habe, dann ist doch unvorstellbar, wie eingeschränkt das Leben in der DDR war. Da weiß man sein eigenes Leben gleich viel mehr zu schätzen. Obwohl viele Menschen trotz aller Einschränkungen auch glücklich waren.
 
War die DDR oft Thema zuhause?
Mein Vater hat mir viel über die DDR erzählt. Er war selber Fußballer und war zwischenzeitlich mal ein Jahr lang gesperrt, weil er von Dynamo Dresden zu Chemie Halle gegangen ist. Als Sportler war man damals sehr eingeschränkt, weil man nicht einfach so zwischen den Betriebsmannschaften wechseln durfte. Er ging später auch nach Aue. Da fuhr ihm sein Bruder hinterher und hat jedes Klingelschild abgeklappert, weil er nicht wusste, wo mein Vater wohnt. Es gab ja kaum Telefone. Wissen Sie, was mein Vater direkt nach der Wende gemacht hat?
 
Was?
Er ist nach Düsseldorf gefahren und hat sich ein Bundesligaspiel angesehen. Ostdeutsche hatten bei dem Spiel zur Feier der Wiedervereinigung freien Eintritt und haben eine Bratwurst geschenkt bekommen.
 
Verfolgen Sie den ostdeutschen Fußball?
Na klar, »Sport im Osten« gucke ich regelmäßig. Aus meiner Zeit in Cottbus kenne ich viele Jungs, die mittlerweile in Aue, Magdeburg, Zwickau oder Dresden spielen. Das verfolge ich schon, schließlich sind das große, geschichtsträchtige Vereine. Auch wenn es den Klubs aktuell nicht so gut geht.
 
Schmerzt Sie der Zustand des Ostfußballs?
Klar, da ist nach der Wende einiges schief gelaufen. Viele Ost-Traditionsvereine haben immer noch zu kämpfen, weil nach 1990 in den Klubs schlecht gewirtschaftet wurde. Aber ich bin optimistisch, dass der ein oder andere Verein den Weg in die obersten Ligen zurückfindet. Bei Dresden sieht es ja ganz gut aus. Und es wird ja viel darüber gemeckert, was Red Bull in Leipzig macht. Aber ich würde mich auch freuen, wenn es im Osten wieder Bundesligafußball gäbe.
 
Gerade war 25-jähriger Jahrestag der Deutschen Einheit. Wie haben Sie den verbracht? Haben Sie sich einen Rotkäppchen-Sekt aufgemacht?
Nein, wir hatten ein Spiel in Karlsruhe. Aber in der Kabine kamen ein paar der Jungs an, haben mir scherzhaft gratuliert und gesagt: »Glückwunsch, Nils. Schön, dass du da bist.« (Lacht.)