Nico Schulz im Interview

»So ist Favre als Typ«

Sie gehen also davon aus, dass Sie auch beim BVB Stammspieler sein werden.
Ich will zumindest in jedem Spiel spielen - das ist mein Anspruch. Ich gehe nicht nach Dortmund, um mich da nur auf die Bank zu setzen.

Wissen Sie eigentlich, wie viele Feldspieler aus dem aktuellen Kader der Nationalmannschaft älter sind als Sie?
So viele sind es, glaube ich, nicht mehr. Sechs? Oder fünf?

Vier.
Echt? Das ist krass.

Älter sind nur Marco Reus, Ilkay Gündogan sowie Jonas Hector und Marcel Halstenberg, mit denen Sie um die Position des Linksverteidigers konkurrieren. Wo sehen Sie sich in diesem Konkurrenzkampf?
Schwer zu sagen. Wenn ich in der Nationalmannschaft gespielt habe, habe ich es ganz gut gemacht, finde ich. Insofern hoffe ich, dass ich auch weiterhin meine Einsätze bekomme. Aber das liegt nicht nur in meiner Macht. Auch Jonas und Marcel sind zwei sehr, sehr gute Spieler für diese Position.

Was erhoffen Sie sich von Ihrem Dortmunder Trainer Lucien Favre?
Ich hoffe auf sein Vertrauen - und dass ich regelmäßig spielen darf. Er trainiert eine Mannschaft mit großer individueller Qualität und Kreativität. Ich bin gespannt, was er uns mit auf den Weg gibt. Aus Gladbacher Zeiten kenne ich ihn bereits.

Sie haben ihn auch schon bei Hertha BSC in Berlin erlebt.
Aber nur am Rande. Ich habe in der B-Jugend gespielt, als ich erfahren habe, dass ich in der Saison darauf Profi werden soll. Zu diesem Zeitpunkt war Lucien Favre noch Trainer, ein paar Wochen später musste er gehen.

Haben Sie ein bisschen das Gefühl, mit Favre noch nicht fertig zu sein?
Inwiefern?

Sie sind 2015 auch seinetwegen zu Borussia Mönchengladbach gewechselt. Dann mussten Sie bis zum fünften Spieltag auf Ihren ersten Einsatz unter ihm warten, sind 20 Minuten vor Schluss eingewechselt worden - und am nächsten Tag hat Favre seinen Rücktritt eingereicht.
Lucien Favre hat lange in Gladbach gearbeitet und dort eine erfolgreiche Zeit geprägt. Natürlich waren wir alle geschockt, als wir von seinem Abschied erfahren haben. Aber wir hatten damals sechs Spiele hintereinander verloren. So ist Fußball. Und so ist Favre als Typ. Er hat gesagt, dass er sich nicht mehr als der richtige Trainer für die Truppe empfunden hatte. Das muss man dann akzeptieren. Aber ich hoffe, dass für mich jetzt noch ein paar Spiele unter ihm dazukommen. Lucien Favre kennt mich, ich kenne ihn. Das kann ganz gut funktionieren.