Nico Schulz im Interview

»Es kann auch kompliziert werden«

Hat Ihnen diese negative Erfahrung trotzdem in irgendeiner Weise geholfen?
Ja, natürlich, weil ich weiterhin an mich geglaubt habe. Dieses Vertrauen habe ich nicht von anderen bekommen, sondern nur von mir selbst. Solche Erfahrungen geben dir Auftrieb und helfen dir fürs Leben. Im Endeffekt sind genau das die Situationen, aus denen du gestärkt hervorgehst.

Was hat Julian Nagelsmann, der Trainer der TSG Hoffenheim, mit Ihnen gemacht?
Sehr viel, und das nicht nur mit mir. Viel Videoanalyse, viel Taktik. Sein Training ist meist schon auf das Wochenende zugeschnitten, damit jeder weiß, wie und wohin er gehen muss, wann man sich vom Gegner absetzt, wie groß die Abstände sein sollen, welche Räume man zu besetzen hat. Das ist viel zu komplex, um das hier mal eben zu erklären.

Ist es manchmal auch zu kompliziert, um alles zu verstehen?
Es kann auch kompliziert werden, ja. Deswegen haben manche Neuzugänge anfangs Schwierigkeiten bei der TSG, sich ins System reinzufinden, aber das ist nicht schlimm. Ich habe auch meine Zeit gebraucht.

Würden Sie sogar sagen: Ohne Nagelsmann wäre ich jetzt nicht hier bei der Nationalmannschaft?
Das ist schwierig, weil ich nicht weiß, wie ich mich unter einem anderen Trainer in Hoffenheim entwickelt hätte. Aber man liegt mit dieser Aussage vermutlich nicht völlig falsch.

Welche Erwartungen verbinden Sie mit Ihrem Wechsel zu Borussia Dortmund?
Das kann ich nicht beantworten, weil ich noch nicht da bin. Aber der BVB hat einige interessante Neuverpflichtungen getätigt, und wenn jetzt die Leistungsträger bleiben, kann das eine interessante Kombination werden. Ich hoffe jedenfalls, dass wir in den nächsten Jahren nach einem Titel greifen können.

Wer hat die Entscheidung für den BVB getroffen: Ihr Bauch oder Ihr Kopf?
Kopf und Bauch. In Dortmund entwickelt sich was, die Mannschaft spielt richtig guten Fußball und hat bis zum Schluss um die Meisterschaft gekämpft. Wenn du von einem solchen Verein eine Anfrage bekommst und dieser Verein auf deiner Position in der vergangenen Saison ein paar Probleme hatte - dann ist es für mich vom Kopf her der logische Schritt, als deutscher Nationalspieler dorthin zu wechseln, da Fuß zu fassen und möglichst regelmäßig zu spielen.

Welche Rolle hat Ihre Nationalmannschaftskarriere bei der Entscheidung gespielt?
Auch eine große. Die Chance, zur Nationalmannschaft eingeladen zu werden, ist für einen Stammspieler von Borussia Dortmund größer als für einen Stammspieler der TSG Hoffenheim. Ich weiß, wie viel ich der TSG zu verdanken habe, aber Dortmund hat noch mal einen anderen Stellenwert in Fußball-Deutschland und Fußball-Europa.