Nicklas Bendtner über Wolfsburg und sich selbst

»Ich könnte manchmal Wände einreißen«

Haben Sie auch den Eindruck, dass es immer mehr Interviews gibt, in denen aber immer weniger gesagt wird?
Das ist so. Weil es einfacher ist, genau das zu sagen, was von einem erwartet wird – was im Endeffekt bedeutet, dass man nichts sagt, was von Bedeutung ist. Wenn man eine Meinung hat, behält man sie lieber für sich, um sich Ärger zu ersparen.

Sie haben offenbar Meinungen. Wie oft behalten Sie sie für sich?
Gar nicht mal so selten. Ich rede hier mit Ihnen offen und ehrlich, weil ich Ihrem Magazin vertraue. Aber selbst jetzt habe ich noch Zweifel: Was ist, wenn ein anderes Medium meine Aussagen aus dem Zusammenhang reißt und verzerrt? Ich weiß, wovon ich rede: Mein Image ist ein Konstrukt der Journalisten.

Es kursiert folgende Geschichte über Sie: Bei Arsenal habe ein Sportpsychologe mit Hilfe eines Fragebogens das Selbstvertrauen der Spieler gemessen. Der vorgesehene Höchstwert, so heißt es, sei eine 10 gewesen. Sie aber hätten eine 11 erreicht.
Das ist so eine typische Bullshit-Geschichte über mich. Ich kenne keinen Profifußballer, der auch nur in die Nähe einer 10 kommen würde. Außer Cristiano Ronaldo vielleicht.

Sie sprachen vorhin an, dass Sie beim VfL Wolfsburg nicht zum Zuge kommen. Welchen Wert würden Sie beim Selbstvertrauenstest derzeit erreichen?
Es wäre keine 11, auch keine 10, aber der Wert wäre immer noch ziemlich hoch.

Aber ein Stürmer braucht doch Tore, um sein Selbstvertrauen hochzuhalten.
Die Tatsache, dass ich derzeit wenig Gelegenheit habe, Tore zu schießen, ändert ja nichts daran, dass ich es kann. Aber es frustriert mich natürlich. Ich könnte manchmal Wände einreißen.

Kennen Sie Selbstzweifel?
Ich habe nur einen Zweifel – ob ich zeigen kann, dass ich ein Topstürmer bin, wenn ich nicht so oft spiele.

Als Sie 2014 nach Wolfsburg kamen, sagten Sie: »Meine beste Zeit beginnt jetzt.«
Sie hat noch nicht begonnen.

Haben Sie Fehler gemacht, die dazu beigetragen haben?
Ich war zwei Mal zu spät beim Training.

Das kann ja nicht alles gewesen sein. Wo liegen die wahren Gründe?
Diese Frage müssen Sie dem Trainer stellen.

Der ist aber nicht hier.
Ich kann nur sagen: Ich will spielen. Wenn ich kontinuierlich zum Einsatz komme, dann werde ich aufblühen. In den 15 Monaten, die ich hier bin, war das leider nicht der Fall.

VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs sagt, er habe nicht vor, Sie zu verkaufen. Wie sehen Ihre Pläne aus?
Ich habe im Supercup gegen den FC Bayern zwei Tore geschossen. Nach einem Jahr des Ankommens dachte ich also: Das wird meine Saison! Doch plötzlich saß ich wieder auf der Bank, und dann war ich nicht mal mehr im Kader. Ich bin, wie Sie sich vorstellen können, schon frustriert.

Allofs sagt auch, Sie hätten in diesen 15 Monaten viel gelernt. Was denn?
Als Mensch habe ich zwei Dinge gelernt. Erstens, nicht immer alles zu hinterfragen. Manchmal muss man auch Dinge tun, die man nicht versteht. Und zweitens, geduldig zu sein. Ich werde immer besser darin.

Das müssen Sie wohl.
Unendlich wird meine Geduld trotzdem nie werden.

Sind Sie unglücklich, wenn Bast Dost trifft?
Nein, es ist ja nicht seine Entscheidung, dass er einen Stammplatz hat. Und es ist in unser aller Interesse, dass wir Tore schießen und gewinnen.

Was können Sie denn tun, um in die Startelf zu kommen?
Hart arbeiten und geduldig sein.

Als Kind wollten Sie unbedingt Rollschuhfahren lernen.
Ich war eigentlich zu groß dafür, ich konnte mein Gleichgewicht nicht halten. Ich fiel immer wieder hin, wochenlang. Doch irgendwann hatte ich es drauf. Das hat mich sehr stolz gemacht. Ich fahre immer noch gern Rollschuh mit meinen Freunden.

Jahre später, schon in London, waren Sie in einen Autounfall verwickelt und verletzten sich. Sie verschwiegen das aber, um nicht aus dem Team zu fliegen.
Ich konnte eigentlich kaum laufen, aber ich rannte über den Platz. Die Verletzung wurde natürlich schlimmer und kostete mich am Ende acht Monate meiner Karriere.