Nicklas Bendtner über Wolfsburg und sich selbst

»Ich habe andere Kinder gemobbt«

Grethe Birch, die Direktorin Ihrer Kopenhagener Grundschule, sagte einmal über Sie: »Nicolas war nicht bösartig, aber gedankenlos. Er verletzte seine Schüler durch pausenloses Gerede.« Erinnern Sie sich?
Ja.

Bereuen Sie das?
Ja.

Was genau tut Ihnen leid?
So ziemlich alles. Wissen Sie, ich war nicht unbedingt ein netter Junge. Ich habe andere Kinder gemobbt, das muss ich so sagen. Aber ich habe daraus gelernt und mich geändert.

Sie sind 1,95 Meter groß. Gibt Ihnen das Selbstvertrauen?
Natürlich. Wenn du körperlich das Gefühl hast, dass nichts und niemand dich umwerfen kann, dann hast du es auch mental.

Wären Sie derselbe Mann, wenn Sie 1,70 Meter groß wären?
Woher soll ich das wissen? Ich bin nicht 1,70. Ich bin 1,95.

Wären Sie derselbe Mann, wenn Sie nicht so gut Fußball spielen könnten?
Hier gilt das Gleiche: Ich bin kein Gärtner, Zimmermann oder Busfahrer. Ich bin Fußballprofi. Und das wollte ich werden, solange ich denken kann. Ich kann mir keine andere Identität für mich vorstellen als die, in die ich hineingeboren bin.

Fühlen Sie sich privilegiert?
Sehr.

Sie waren neun Jahre alt, als Sie verkündeten, dass Sie Profi werden wollen. Wie haben Ihre Eltern reagiert?
Ich war damals gerade zu B.93 Kopenhagen gewechselt, und dort änderte sich meine Einstellung über Nacht: Aus Spaß wurde Ernst, aus einem Hobby wurde ein Beruf. Es spielte keine Rolle mehr, dass ich noch ein Kind war, ich war bereits ein Profi und wollte einer bleiben. Meine Eltern wussten, dass ich keine Flausen im Kopf hatte, und unterstützten mich. Erst als ich zum FC Arsenal wechselte, sagten sie, das sei ihnen zu früh. Sie hatten wohl Angst, mich zu verlieren. Aber ich musste meinem Traum folgen.

Sie waren 16, als Sie zu Arsenal kamen. Zu dieser Zeit spielten dort auch Thierry Henry und Dennis Bergkamp. Mussten Sie ihre Sporttaschen tragen?
Nein.

Fühlten Sie sich dennoch klein im Angesicht dieser Ikonen des Weltfußballs?
Klein ist das falsche Wort. Ich empfand Demut. Ihr fußballerisches Erbe ist gigantisch. Mit ihnen gespielt und von ihnen gelernt zu haben, ehrt mich bis heute.