Möhlmann und Funkel über die Zweite Liga

»Auf St. Pauli war es immer etwas Besonderes«

Ihre Karriere als Coach begann beim Hamburger SV. Empfanden Sie es als Rückschritt, als Sie 1997 bei der Spielvereinigung Greuther Fürth in der Zweiten Liga anheuerten?
Möhlmann: Im Gegenteil. Nachdem ich in Hamburg entlassen worden war, fing ich zehn Tagen später beim Drittligisten Eintracht Braunschweig an. Ich wollte einfach weiterarbeiten. Ein Fehler. Hätte ich etwas gewartet, wäre ich vielleicht wieder in der ersten Liga untergekommen. Als ich nach anderthalb Jahren in Braunschweig meinen Vertrag nicht verlängerte, war ich zunächst ein Vierteljahr arbeitslos. Aus dem Grund empfand ich die Zweite Liga eher als Sprungbrett denn als Rückschritt.

Friedhelm Funkel, Sie kamen im Juni 1991 erstmals in Trainerverantwortung, als Bayer Uerdingen bereits als Absteiger feststand.
Funkel: Auch für mich war die Perspektive Zweite Liga kein Nachteil. Ich hatte die Chance, dort eine neue Mannschaft aufzubauen. Ich kannte das Umfeld, den Präsidenten, die Fans. Obwohl Manager Felix Magath einen anderen Trainer haben wollte, bekam ich den Job. Und wir haben fünf Jahre sehr gut zusammengearbeitet. Wenn ein Trainer durch ein starkes Präsidium gestützt wird, ist es sowieso nie kriegsentscheidend, ob er Erste oder Zweite Liga spielt.

Ihre Sehnsucht nach der Bundesliga hält sich in Grenzen.
Funkel: Warum auch nicht? Inzwischen ist die Zweite Liga im Vergleich zu vielen ausländischen Ligen längst auf Erstliganiveau, was Zuschauerzahlen und Strukturen betrifft.
Möhlmann: Diese Sehnsucht habe ich noch nie empfunden: Wenn Preußen Münster mich 1978 wegen Geldproblemen nicht nach Bremen verkauft hätte, wäre ich nie dahin gegangen. Ich war glücklich in Westfalen, ich habe mir damals sogar ein Haus in Münster gekauft, weil ich überzeugt war, wieder zurückzukommen.

Ist die Arbeit für einen Trainer in der Zweiten Liga entspannter als im Oberhaus?
Möhlmann: Das Medienaufkommen ist bei vielen Zweitligisten deutlich geringer. Ich hatte beim FSV Frankfurt täglich zwei Reporter am Trainingsplatz, das war drüben bei der Eintracht anders.
Funkel: Gerade in den letzten zehn Jahren ist es sehr hektisch in der Bundesliga geworden.

Täuscht es oder haben Sie ein Faible für die Kleinen: Friedhelm Funkel, Sie trainierten Bayer Uerdingen statt Bayer Leverkusen, VfL Bochum anstatt Schalke.
Funkel: Vergessen Sie nicht, dass Uerdingen in den Achtzigern wesentlich erfolgreicher war als Leverkusen.
Möhlmann: Und ich habe den HSV trainiert, nicht St. Pauli. (Beide lachen.)

Aber die Spielvereinigung Greuther Fürth statt des Clubs, den FSV Frankfurt statt der Eintracht. Sind Sie geborene Zweitligatrainer?
Möhlmann: Ich bin zumindest nicht der absolute Machtmensch. Ich brauche nicht ständig das Nonplusultra zum Glück. Mich reizt es, aus einer Situation, die auf den ersten Blick nicht sehr vielversprechend klingt, mehr rauszuholen.
Funkel: Geht mir ähnlich. Bei allen Stationen war ich fast zu hundert Prozent zufrieden. Ich habe mich immer gut mit den handelnden Personen verstanden, selbst wenn der Erfolg nicht da war. Deswegen habe ich mir nie Gedanken gemacht, welchen Topklub ich in Zukunft mal trainieren will.
Möhlmann: Ich war mehrfach Trainer in Fürth und bin heute trotzdem mit dem Präsidenten befreundet, obwohl wir uns drei Mal aus unterschiedlichen Gründen getrennt haben.

Wenngleich Helmut Hack ein Machtmensch ist.
Möhlmann: Er ist charakterlich sicher anders ausgerichtet als ich und auf seine Weise Machtmensch. Aber einer, mit dem man immer umgehen kann.

Fortuna Köln in den Siebzigern und Achtzigern, Greuther Fürth in den vergangenen zwanzig Jahren. Gibt es den typischen Zweitligaklub?
Möhlmann: Nein. Früher hat man gesagt, in der Zweiten Liga wird mehr gekämpft, es gibt weniger Spielkultur und mehr Fehler. All das lässt sich nicht über Fürth sagen. Dort strebt man seit Jahren nach technisch hochklassigem, taktisch klugem Fußball.
Funkel: Wie sollte es auch den typischen Zweitligaklub geben? Ein Verein kann sich doch entwickeln. Beispiel: FSV Mainz 05. Der Klub galt immer als typischer Zweitligaverein, da kamen 3000 Zuschauer an den Bruchweg und es fehlte ein wenig der Glanz. Der Verein ist längst zu einem etablierten Erstligisten gereift.
Möhlmann: Und wenn in Fürth so weitergearbeitet wird, ist so was durchaus auch dort möglich.

Friedhelm Funkel, Benno Möhlmann, was ist Ihre romantischste Erinnerung an das Leben in der Zweiten Liga?
Funkel: Es war immer etwas Besonderes, wenn wir …
Möhlmann: … auf St. Pauli spielten.
Funkel: Woher weißt du das, Benno?
Möhlmann: Musste ich auch dran denken. Wenn wir nach der Ankunft mit den Sporttaschen durch die Kneipe gingen, um in die Kabine zu kommen.
Funkel: Der Rauch stand bis zur Decke, der Schankraum war brechend voll und einige Originale, die da rumsaßen, hatten schon deutlich zu viel getrunken. Das war schön.
Möhlmann: Ja, das war richtig Zweite Liga, aber es war nie feindselig. Die boten uns vorsorglich schon mal Schnaps an. Nach dem Motto: »Trink mal einen, dann biste nachher nicht so traurig, wenn du verloren hast.«