Möhlmann und Funkel über die Zweite Liga

»Vor jedem Match: Rumpsteak mit Nudeln.«

Sie hatten in Uerdingen keine Schleifer?
Funkel: Siegfried Melzig. Ein grandioser Trainer, der sich einfach nicht in den Griff bekam. Er schrie alles zusammen, was ihm in die Quere kam, wenn er in Rage war. Mit ihm fuhren wir als Tabellenzweiter zum Spiel bei Tennis Borussia. Vor dem Match schmiss er zwei Leistungsträger aus der Mannschaft, die sich mit ihm angelegt hatten. Der Präsident kam in die Kabine und verlangte eine Erklärung. Aber Melzig brüllte ihn auf eine derart unflätige Weise an, dass er nach dem Spiel beurlaubt wurde – obwohl wir 4:1 gewonnen hatten und auf Aufstiegskurs waren.

Wie nahmen die Medien solche Ereignisse wahr?
Funkel: Eher beiläufig. Die Reporter kannten wir alle persönlich, ab und an tranken wir ein Bier zusammen. Die meisten waren froh, wenn sie positiv schreiben konnten.
Möhlmann: In Münster war es eher ruhig. Die »Bild«-Reporter ließen sich Ergebnisse per Telefon durchgeben, weil sie aus Kettwig nicht extra anreisen wollten.

Ihr Ernährungsprogramm als Zweitligaspieler?
Funkel: Vor jedem Match: Rumpsteak mit Nudeln.
Möhlmann: Mit Sauce béarnaise, die durfte nicht fehlen.
Funkel: Wir hatten einige Spieler, die unmittelbar vor Anpfiff auf die Toilette verschwanden, um dort noch eine Zigarette zu rauchen. Und unser Keeper Manni Kroke trank in der Halbzeit gern einen Underberg, um runterzukommen.

Benno Möhlmann, Sie hatten in Münster den kürzlich verstorbenen Werner Biskup als Trainer. Er ist zeitlebens sehr offen mit seiner Alkoholsucht umgegangen. Haben Sie unter ihm mehr getrunken?
Möhlmann: Nein. Ab 1976 fuhren wir nicht mehr im Pkw, sondern im Bus zu den Auswärtsspielen. Auf der Rückfahrt war es üblich, dass auch zwei Kisten Bier mit an Bord waren. Nicht nur unter Werner Biskup.

Wenn heute ein Klub in die Zweite Liga absteigt, diskutieren Medien, ob nun der Verein oder gleich die ganze Region stirbt. Gab es diese Ängste auch zu Ihrer aktiven Zeit?
Funkel: In Uerdingen fürchteten wir gar nichts. Wenn es sportlich nicht gereicht hatte, spielten wir eben Zweite Liga und der Wiederaufstieg war das neue Ziel. Wir spielten im Unterhaus vor weniger Zuschauern, aber vom Arbeitsaufwand her änderte sich nichts.
Möhlmann: Als wir 1979 mit Werder Bremen abstiegen, war es gut für den Klub. Werder war jahrelang unten rumgekrebst, in der Zweiten Liga konnte sich der Verein erholen. Und: Die Mannschaft gewann endlich wieder Spiele, es kamen mehr Zuschauer. Am Ende stiegen wir direkt wieder auf. Aber mein Gehalt wurde nicht erhöht, weil unser Manager Rudi Assauer argumentierte: »Benno, wir werden jetzt wieder seltener gewinnen, die Zuschauer bleiben weg.«

Und das haben Sie klaglos akzeptiert?
Möhlmann: Naja, Assauer hat bei den Prämien nachgebessert.

Sie sind jeweils auch als Trainer in die Zweite Liga abgestiegen. Empfindet man diese Situation als Coach anders?
Möhlmann: Mein Abstieg mit Arminia Bielefeld ereignete sich erst am letzten Spieltag. Ich hatte gar nicht die Möglichkeit, mich groß vorzubereiten. Und Arminia pendelt immer zwischen den Ligen, weshalb ein Abstieg dort weniger als Katastrophe empfunden wird als, sagen wir, beim HSV.
Funkel: Es hängt stark davon ab, wie vertraut ein Klub mit Abstiegen ist. Bei Klubs wie dem VfL Bochum oder dem SC Freiburg wissen die Verantwortlichen, dass ein Abstieg immer im Bereich des Möglichen ist. Die sind clever genug, langfristig mit dieser Situation zu planen.

Benno Möhlmann, Sie sind der Trainer mit den meisten Zweitligaspielen. Was bedeutet Ihnen dieser Rekord?
Möhlmann: Es macht mich stolz, seit vierzig Jahren fast ohne Unterbrechung im Profifußball zu arbeiten. Es gibt nur 36 Trainerjobs in der Ersten und Zweiten Liga, da freut es mich, nach wie vor zu diesem erlauchten Kreis zu gehören.

Es spielt keine Rolle, dass es nach dem HSV und Arminia Bielefeld keinen Job mehr für Sie in der Ersten Liga gab?
Möhlmann: Ich sehe keine großen Unterschiede, was die Arbeit bei einem Großteil der Erstligisten, den Vereinen der Zweiten Liga und einigen ausgewählten Klubs der dritten Liga betrifft. Ich muss aber auch realistisch sein: Bei einem Bundesligisten, der einen neuen Trainer sucht, bin ich sicher nicht erste Wahl. Um noch mal Erste Liga zu trainieren, müsste ich mit einem Klub aufsteigen.