Möhlmann und Funkel über die Zweite Liga

»Unser Trainer Cenic ging auf die Mitspieler los«

In den ersten Jahren spielte rund ein Dutzend Teams aus Nordrhein-Westfalen in der Zweiten Liga Nord. Wo ging es besonders dörflich zu?
Funkel: Insgesamt war es viel provisorischer. Wenn wir ankamen, mussten wir uns durch die Zuschauer drängeln, um in die Kabinen zu kommen.
Möhlmann: Preußen Münster gehörte schon zu den besseren Adressen. Im Gegensatz dazu waren Erkenschwick oder Gütersloh noch Fußballprovinz.
Funkel: Die Fans kamen mit der Straßenbahn.
Möhlmann: Und wir reisten in Fahrgemeinschaften direkt am Spieltag an und wieder ab.

Auch, wenn es aus Münster zu Wacker 04 Berlin ging?
Möhlmann: Das war das einzige Spiel, zu dem wir am Vortag anreisten. Wir fuhren in Pkws und ich saß im Ford Thunderbird des Trainers Rudi Faßnacht und hatte Todesangst.

Warum?
Möhlmann: Weil Faßnacht stets mit Vollgas nach Berlin bretterte. Stoßstange an Stoßstange mit dem Vordermann.
Funkel: Und da saßen Spieler drin?
Möhlmann: Zwei saßen hinten und ich auf dem Beifahrersitz. Und wenn wir nachts über die freie Autobahn zurückfuhren, kam die Tachonadel nicht mehr über 80 km/h.

War Faßnacht betrunken?
Möhlmann: Nein, ich habe ewig gebraucht, um das zu kapieren: Er war nachtblind. Als junger Spieler wäre ich aber im Leben nicht auf die Idee gekommen, mich über die Fahrkünste des Trainers zu beschweren.

Von Faßnacht kursiert die Geschichte, dass er, wenn er sauer war, den Torwart traktierte, indem er den Ball von der Fünf-Meter-Linie volley aufs Tor ballerte.
Möhlmann: Das hat er nicht nur gemacht, wenn er sauer war. In der Regel machte er Dropkicks vom Elfmeterpunkt und rückte langsam vor. Unseren Keeper Gerd Welz hat das aber dermaßen angestachelt, dass er immer noch eine zweite Rutsche forderte. Ob das sinnvoll war, lassen wir mal dahingestellt.

Mit anderen Worten: Zweitligatrainer hatten damals durchaus fachliche Defizite?
Möhlmann: Manche bestimmt, aber unter Rudi Faßnacht haben wir in der Saison 1975/76 auf Vollprofitum umgestellt, und ich habe bei ihm gelernt, was arbeiten heißt. Doch manchmal schoss er eben übers Ziel hinaus: Einmal hatten wir acht Spiele in Folge gewonnen. Neun Siege wären Rekord gewesen. Die ARD kam also vor dem Match gegen Bayer Leverkusen und filmte uns beim Training. Die wollten einen Beitrag über unser Rekordteam drehen. Was machte Faßnacht? Er ordnete die härteste Einheit der Woche an. Das komplette Programm: Huckepackrennen, Entengang, Liegestütze. Das Resultat: Wir verloren das Heimspiel, verpassten den Rekord und der Bericht ist nie gelaufen.

Ihr extremster Coach?
Möhlmann: Nein, das war der Jugoslawe Slobodan Cendic. Der war so heißblütig, dass er mitunter in der Kabine auf Mitspieler losging.

Friedhelm Funkel, haben Sie auch solche Typen erlebt?
Funkel: Im Gegenteil. Klaus Quinkert, der Trainer mit dem wir im ersten Jahr in die Bundesliga aufstiegen, war Sportlehrer am Gymnasium. Ein ganz feiner Mann. Oder später Horst Buhtz, der brachte es nicht übers Herz, ein böses Wort zu sagen. Der war zu gut für diese Welt.