Möhlmann und Funkel über die Zweite Liga

»Sehnsucht nach der ersten Liga hatte ich noch nie«

Benno Möhlmann ist neuer Trainer von 1860 München. Wir sprachen mit ihm und seinem Kumpel Friedhelm Funkel über die Faszination Zweite Liga.

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4. August 1974. 1. Spieltag der neugegründeten Zweiten Liga Nord. Bayer Uerdingen spielt gegen Preußen Münster. Im Mittelfeld treffen aufeinander: Friedhelm Funkel und Benno Möhlmann.
Friedhelm Funkel: Ach was, das wusste ich nicht.
Benno Möhlmann: Ich auch nicht. Und schauen Sie ihn sich an, rank und schlank wie damals. Was haste drauf: 74 Kilo?
Funkel: Von wegen, die Zeiten sind vorbei. 78 Kilo.

Hier wird aber auf höchstem Niveau geklagt.
Möhlmann: In unserem Alter muss man aufpassen. Aber zurück zum Spiel: Wie ging es aus?

3:1 für Bayer Uerdingen. Das 1:0 erzielte nach 52 Minuten ein gewisser Friedhelm Funkel per Handelfmeter.
Funkel: Da war ich 20. Und die haben mich einen Elfmeter schießen lassen?
Möhlmann: Wir haben damals oft gegeneinander gespielt. Friedhelm war ein Achter, ich eher der Sechser. Da kam es vor, dass wir uns 90 Minuten lang von einer Seite des Platzes zur anderen verfolgten.
Funkel: In der Zweiten Liga ging es knallhart Mann gegen Mann.
Möhlmann: Wenn man nur kurz einen Meter vom Gegner wegstand, brüllte der Trainer schon los.

Waren das faire Duelle zwischen Ihnen beiden?
Funkel: Im großen Ganzen waren wir saubere Spieler. Gerade im Verhältnis zu anderen in der Zweiten Liga. Es war aber wichtig, dass man sich den Gegebenheiten anpasste. Mitunter ging es ziemlich zur Sache, da durfte man nicht zurückstecken.
Möhlmann: Wir kamen gut miteinander aus. Nur leider gelang ihm am Ende meist doch irgendwie ein Tor.
Funkel: Es kam schon vor, dass ich 90 Minuten überhaupt nicht zu sehen war und dann doch noch traf. Manchmal wunderte ich mich selbst darüber.
Möhlmann: Oder du hast dich untergehakt und fielst einfach hin.
Funkel: Zugegeben, den einen oder anderen Frei- oder Strafstoß habe ich für unsere Mannschaft rausgeholt.

Was hat es für Sie bedeutet, in der neuen Zweiten Liga dabei zu sein?
Möhlmann: Es war wichtig, dabei zu sein. Preußen Münster gehörte längst nicht mehr zu den Spitzenmannschaften. Wir mussten in der Regionalliga West Zwölfter oder Dreizehnter werden, um uns für die neue Profiliga zu qualifizieren – und wir mussten trotzdem zittern.
Funkel: Die Qualifikation erfolgte über ein Punktesystem, das auf den Erfolgen der Vergangenheit beruhte. In Uerdingen mussten wir im Gegensatz zu den Münsteranern Sechster in der Regionalliga werden, weil wir noch nicht so lange so weit oben spielten.

Was verdienten Sie mit knapp 20 Jahren in der Zweiten Liga?
Möhlmann: Ich war Jugendnationalspieler, deswegen war die Bezahlung schon ganz gut. In der ersten Zweitligasaison bekam ich 1000 Mark plus 500 Mark Prämie für einen Sieg.
Funkel: Als Fußballer bekam ich 400 Mark brutto, dazu 250 Mark Punktprämie und ein kleines Gehalt für einen Nebenjob im Bayer-Werk.

Wer waren damals die Stars der Zweiten Liga?
Möhlmann: Gab es welche? Kann sein, dass ein paar bekanntere Namen in die Liga kamen, als der BVB abstieg.
Funkel: Die ersten echten Stars waren aus meiner Sicht Horst Hrubesch und Frank Mill bei Rot-Weiss Essen.

Wie genau waren Sie über das Geschehen in der parallel stattfindenden Zweiten Liga Süd informiert?
Möhlmann: Überhaupt nicht. Das war eine ganze andere Welt.
Funkel: Was auch daran lag, dass im Fernsehen fast nichts aus der Zweiten Liga gezeigt wurde.