Michael Schulz-»Dusau« über Fouls und seinen Ruf als Treter

»Wir sind ja quasi Amok gelaufen...«

Uli Borowka. Helmut Rahner. Michael Schulz. Namen, bei denen ehemalige Bundesligastürmer noch heute nervöse Zuckungen bekommen. Im neuen Sonderheft spricht das Trio über Grätschen und Trashtalk. Hier erzählt Michael Schulz, wie er einst zu seinem Spitznamen »Dusau« kam.

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Michael Schulz, nach 133 Spielen für Borussia Dortmund und 59 Partien für Werder Bremen – welches Spiel Ihrer beiden Ex-Vereine ist Ihnen noch am lebhaftesten in Erinnerung?
Der 29. Spieltag in der Saison 1994/95. Wir gewannen mit 3:1. Da ging es ganz ordentlich zur Sache...

Jetzt untertreiben Sie aber. BVB-Trainer Ottmar Hitzfeld japste nach dieser Begegnung den legendären Satz in die Kameras: »Die Bremer sind ja quasi Amok gelaufen!«
Wo Sie es sagen: Ja, das war eine ordentliche Treterei. (überlegt) Stimmt nicht, das war eine richtig üble Treterei. Wir sind wirklich Amok gelaufen. Jetzt fallen mir auch wieder ein paar Szenen ein... Mann, Mann, Mann...

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Sie sind ja ganz gerührt!
Das war ja auch ein ganz besonderes Spiel. Jedenfalls für einen wie mich, der die gepflegte Grätsche von hinten noch im Repertoire hatte beziehunsgweise haben durfte.

Auch Sie gehörten zu den »Amok-Läufern«. Schiedsrichter Markus Merk musste Ihnen nach einem Foul die gelbe Karte zeigen.
Und das war noch sehr sehr großzügig von ihm. Ich erinnere mich an die Grätsche, ein ziemlich böses Tackling. Leider fällt mir der Gegenspieler nicht mehr ein...

Ihr Partner in der Bremer Defensive hieß damals jedenfalls Uli Borowka.
Der ja nun auch kein Kind von Traurigkeit war. Im Ernst: In diesem Spiel wurde 90 Minuten lang auf beiden Seiten furchtbar zugetreten. So eine Partie wäre heute ja gar nicht mehr denkbar. Allein die Szenen, die sich vor den Standardsituationen abspielten: Da wurde getreten und überall hingekniffen. Und ich betone: Wirklich überall hingekniffen!

Wenn Sie und Borowka heute Abend mit auf dem Platz stehen würden, wie lange würde man Sie wohl spielen lassen?
Mit der Spielweise von 1995? Also, wenn wir es in den zweistelligen Minutenbereich schaffen würden, wäre das schon eine Riesenleistung (lacht).

Werder gewann damals zwar mit 3:1, aber am Ende hieß der Deutsche Meister Borussia Dortmund. Wie konnte das denn passieren?
Da fragen Sie mich was, ich weiß es doch auch nicht! Noch vor dem 33. Spieltag waren wir quasi schon Meister, dann verloren wir gegen Schalke und am letzten Spieltag auch noch gegen die Bayern. Was für eine Katastrophe! Und der Schulz hatte schon wieder keinen Titel geholt...

Wie meinen Sie das?
Ich verrate Ihnen mal was: Ich habe zwischen 1987 und 1997 für drei Mannschaften gespielt – den 1. FC Kaiserslautern (1987-89), Borussia Dortmund (1989-94) und Werder Bremen (1994-97). In diesen zehn Jahren sind diese Klubs zusammen viermal Deutscher Meister, fünfmal DFB-Pokalsieger, einmal Europapokal der Pokalsieger, einmal Champions-League-Sieger und einmal Weltpokalsieger geworden. Und nun raten Sie mal, wer diese Titel nie gewonnen hat?

Tatsache! Sie waren ja nie dabei!
Verrückt, oder? Der Schulz hat es wirklich immer geschafft, zum exakt falschen Zeitpunkt den Verein zu wechseln. Wenn man so will, bin ich der Michael Ballack meiner Generation. Zumindest, was die verpassten Titel anbelangt...

Haben Sie Ihre Klubs denn immer freiwillig verlassen?
Nicht ganz. Beim BVB bin ich quasi gegangen worden. Ich wäre gerne dort geblieben und bei den Fans war ich sicher auch nicht der unbeliebteste Spieler. Aber dann begann die Zeit, als der BVB plötzlich sehr viel Geld in die Hände nahm und all die Italien-Legionäre ins Westfalenstadion einkaufte. Da war dann plötzlich kein Platz mehr für mich, mit 32 Jahren war ich den Verantwortlichen wohl auch schon zu alt. Nur gut, dass es damals einen Spitzentrainer in der Bundesliga gab, der ein Herz für alte Männer hatte.

Otto Rehhagel.
Genau! Und in Bremen hatte ich eine überragende Zeit. Sie glauben gar nicht, wie lustig das teilweise beim Training und in der Kabine war. Kein Witz: Bei manchen Mannschaftsbesprechungen bin ich vor Lachen vom Stuhl gefallen! Ganz anders als in Dortmund: Wenn dort der General Ottmar Hitzfeld das Wort ergriff, war es mucksmäuschenstill.

Werder Bremen unter Otto Rehhagel – eine Partytruppe?
Vor und nach dem Spiel: Ja. Aber wenn wir den Rasen betraten, passierte etwas mit uns. Dann war der Spaß vorbei, dann ging es richtig zur Sache. Ich habe niemals eine Mannschaft erlebt, die so heiß war, wenn sie auf dem Platz stand. Und als wir dann auch noch so kurz vor Saisonende die Chance hatten, tatsächlich Deutscher Meister zu werden und wir dann auch noch gegen unseren größten Verfolger, den Verein, der mich nicht mehr haben wollte, antreten mussten – da hatte ich richtig Schaum vor dem Mund!

Herr Schulz, während Sie mir all diese schönen Geschichten erzählen, wäre ich fast auf den Trick meines Kollegen reingefallen. Der hat mir gerade einen Zettel auf den Tisch gelegt. Darauf steht: »Michael Schulz, der einzige Bundesliga-Spieler mit Doppelnamen: Michael Schulz-Dusau.«
(lacht) Ja, damit werde ich sogar heute noch begrüßt!

Wie bitte?
Das begann alles bei einem Spiel gegen den MSV Duisburg. Ich wurde gefoult, lag den Zuschauern wohl etwas zu lange auf dem Rasen und dann schallte es plötzlich durchs gesamte Stadion: »SCHULZ, DU SAU! SCHULZ, DU SAU!« Und damit hatte ich meinen »Spitznamen« weg. Egal, wo ich in den kommenden Jahren auch spielte, die Begrüßung war immer dieselbe. Später, in Bremen, habe ich mir sogar eine kleine rosafarbene Sau auf meine Autogrammkarten drucken lassen. Und wenn mich heute Leute wieder erkennen und rufen: »Ey, Schulz-Dusau«, dann freue ich mich!

Damit haben Sie den Lesern dieses Interviews einen Freifahrtschein verschafft, wenn ihnen danach sein sollte, einen verdienten Bundesliga-Profi mal anständig zu beleidigen.
Kein Problem, dafür stehe ich mit meinem Namen.

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