Maximilian Beister über das Relegations-Chaos und den HSV-Abstieg

»Ich könnte mindestens noch zweite Liga spielen«

Statt Ihre Karriere in Hamburg zu beenden, verlieh Mainz Sie zu 1860 München und dann nach Melbourne.
Das Leben dort war großartig. Ich habe mitten in der Stadt gewohnt, fuhr mit dem Fahrrad zum Training und danach direkt weiter an den Strand. Nur mit den Trainern gab es dummerweise Probleme. Also bin ich zurück nach Deutschland.

Dort fanden Sie ein halbes Jahr keinen neuen Klub. Was haben Sie in dieser Zeit getrieben?
Ich war reisen und groundhoppen. Ich habe mir West Ham gegen Everton angeguckt, ich war auf den Bahamas bei der Beach-Soccer-WM, habe Chicago in der MLS gesehen, war in Amsterdam und bei einem Spiel in Singapur. Außerdem habe ich meinen Abschluss zum Sportmanager gemacht.

Im Winter landeten Sie dann beim KFC Uerdingen. Seitdem haben Sie 12 Tore in 17 Spielen geschossen – und zum vierten Mal erfolgreich an einer Relegation teilgenommen.
Stimmt. Mit Düsseldorf ging es hoch in die erste Liga, mit dem HSV waren es zwei extrem emotionale Überlebenskämpfe. Als Marcelo Diaz sich gegen den KSC den Ball zum Freistoß zurechtlegte, saß ich auf der Bank und wusste: Wenn er den jetzt nicht reinmacht, dann gehörst du zu den ersten, die mit dem HSV abgestiegen sind. So was geht dir an die Nieren.

Mit Uerdingen setzten Sie sich zuletzt in der Relegation zur Dritten Liga gegen Mannheim durch. Danach mussten Sie trotzdem um den Aufstieg zittern, weil es Probleme mit der Lizenz gab. Wie haben Sie die Hängepartie um den Aufstieg erlebt?
Es war eine einzige Achterbahnfahrt. Wir haben die letzten zwölf Spiele gewonnen, sind als Mannschaft immer enger zusammengewachsen, gewannen dann in Mannheim, feierten in Krefeld, flogen für 24 Stunden und ohne Übernachtung nach Mallorca – übrigens mit allen sechs Relegationsteams zusammen – und plötzlich hingen wir total in der Luft. Für manche Jungs ging es auf einmal um die Existenz. Manche Verträge sind nur für die Dritte Liga gültig, die hätten also ihren Job verloren. Und um diese Zeit sind viele Mannschaften in ihrer Kaderplanung schon sehr weit, da werden nicht von heute auf morgen Plätze frei. Es war für die Mannschaft also sehr belastend.

Zumal Uerdingens Investor Michail Ponomalew angekündigt hatte, seine Unterstützung radikal zu kürzen, sollte dem Verein der Aufstieg verwehrt werden.
Aber er hat seine Aussagen ja in einem weiteren Interview gleich relativiert. Wir Spieler wissen außerdem, dass ihm der KFC am Herzen liegt. Er ist bei jedem Spiel, auch auswärts, er fiebert mit, er kennt alle Spieler mit Namen. So ist das nicht mit jedem Investor.

Anfang Juni gab der DFB dann bekannt, dass Krefeld die Lizenz bekommt. Sind Sie jubelnd durchs Wohnzimmer gerannt?
Fast. Ich stand in der Passkontrolle am New Yorker Flughafen und habe versucht, die Becker-Faust ruhig zu halten. Aber der Mannschafts-Chat hat natürlich geglüht. Einer hat den DFB-Stream verfolgt und für uns den Liveticker gemacht, alle anderen waren im Urlaub und hingen überall auf der Welt vor ihren Handys.

Jetzt sind Sie zurück im Profifußball. Ist die Dritte Liga für Sie mittlerweile eine Herausforderung?
Ich bin 27, voll leistungsfähig und der Überzeugung, dass ich mindestens noch zweite Liga spielen könnte. Aber ich bin zufrieden in Uerdingen und fahre jeden Tag gerne zur Arbeit. Der Verein lebt, die Fans in der Grotenburg rasten vor Glück aus, wenn ich treffe. Wenn das die nächsten Jahre so bleibt, bin ich ein glücklicher Mensch. Egal ob in der ersten Liga oder in der dritten.