Max Eberl über Gladbachs verrückte Hinrunde

»Ich habe nie geeiert«

Gladbachs Manager Max Eberl spricht über Lucien Favres Rücktritt und die Ernennung von André Schubert. Und wie er dazwischen einmal die Fassung verlor.

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In unserer neuen Ausgabe 11FREUNDE #170 erzählen wir in einer langen Reportage das irre Ab und Auf der Borussia in dieser Saison. Das Heft ist ab sofort erhältlich: am Kiosk eures Vertrauens, im App-Store und natürlich auch im 11FREUNDE-Shop.

Herr Eberl, im Sommer trafen wir Lucien Favre für ein Interview. Er wirkte sehr entspannt, wollte der Mannschaft sogar aus dem Buch »Darm mit Charme« vorlesen. Wie war Ihr Eindruck von ihm?
Wir haben Lucien Favre über vier Jahre lang intensiv kennen lernen dürfen. Es war immer so, dass er die Zeit im Sommer zur Entspannung nutzen musste, weil er ein unglaublich arbeitsintensiver Trainer ist. Deswegen sind diese Wochen für ihn eine unfassbar wichtige Zeit. Danach kam er immer mit neuem Elan zurück.

Wie passt es zusammen, dass er gerade in dieser Zeit angeblich zurücktreten wollte?
Es ist Ihr gutes Recht, dass sie alles erfragen wollen. Ich habe bestätigt, dass es Phasen gab, in denen er diese Gedanken hatte. Aber wie und wann, das werde ich nicht erzählen.

Die Vorbereitung lief sehr gut für die Borussia, auch im Pokalspiel auf St. Pauli gewann die Mannschaft mit 4:1. Wie kam dann diese Klatsche beim ersten Spiel in Dortmund zustande?
Ich gebe Ihnen Recht, die Vorbereitung lief sehr gut. Die eine oder andere Entwicklung der Jungen war gut, auch die Neuzugänge Drmic und Stindl führten sich gut ein. Auf St. Pauli gewannen wir hochverdient. Es war bemerkenswert, dass wir nach dem Erreichen der Champions League und den Abgängen im Sommer zunächst so gut den Übergang schafften. Aber das hat auch dem einen oder anderen die Klarheit genommen.

Also verlief die Vorbereitung fast zu gut?

Es gibt nicht zu gut oder zu schlecht. Doch wir befanden uns in einer Situation, in der man vielleicht gesagt hat: Es läuft alles. Und das kann in der Bundesliga gefährlich sein. Nach dem 0:4 in Dortmund haben es sehr viele Kritiker auf unsere junge Innenverteidigung abgesehen, doch auch unsere gestandenen Spieler waren da nicht bei 100 Prozent. Hinzu kam, dass mit Kruse und Kramer zwei A-Nationalspieler weg gegangen waren und mit Stranzl und Dominguez zwei Arrivierte verletzt fehlten.

Es folgten durchaus vermeidbare Niederlagen gegen Mainz und in Bremen.
Das war ein Aufprall, keine Frage. Wir lieferten identische Spiele gegen die Mannschaften wie in der vergangenen Rückrunde, nur mit dem komplett gegenteiligen Ergebnis. In Bremen waren wir sogar noch dominanter als einige Monate zuvor – und verloren trotzdem. Da weißt du bis heute nicht, warum du diese Spiele verloren hast.

Wie erklären Sie sich, dass die Mannschaft schon nach drei Spielen das komplette Selbstvertrauen eingebüßt hatte?
Wir haben eine charakterlich super Truppe, die sich auch mit der Situation auseinandersetzt. Die Spieler begannen zum ersten Mal zu überlegen und zu zweifeln. Da war der Gedanke: Hoffentlich machen wir keine Fehler. Doch genau dann passiert es.

An welchem Punkt haben Sie gemerkt, dass die Mannschaft abrutscht?
Nach dem 0:3 gegen Hamburg war mir klar: Es wird eine schwere Zeit. Wir werden oft als starke Realisten eingeschätzt, als Leute mit Understatement. Doch die letzten Jahre haben uns Demut gelehrt. Uns war immer klar, dass Platz drei etwas Außergewöhnliches darstellt. Wir sind nur unter den Top Fünf, wenn wir über uns hinauswachsen, alles für uns läuft und gleichzeitig andere Mannschaften schwächeln.

Haben Sie nach dem Spiel gegen Hamburg mit dem Trainer gesprochen, wie sie die Blockaden der Spieler lösen können?
Das geht nur mit Arbeit auf dem Platz, indem sich die Spieler die Automatismen zurückholen. Doch gerade in dieser Phase mussten wir verletzungsbedingt viel wechseln. In so einer Phase brauchst du ein starkes Gerüst. Wir haben uns gesagt, dass wir wieder gut verteidigen, gut stehen müssen. Zurück zu den Basics also, die uns in der Vergangenheit auch immer stark gemacht haben.

Sie haben nach dem sechsten verlorenen Pflichtspiel in Köln mit Favre zusammen gesessen. Worüber haben sie gesprochen?
Wir saßen in der Kabine und haben das Spiel analysiert. Zum einen hatten wir wenig Torchancen gegen Köln, zum anderen standen wir hinten aber seit langem wieder ordentlich. Der Tenor war: Jetzt kommt ein Pflänzlein Hoffnung, die Verletzten kehren zurück: Herrmann, Johnson, Dominguez. Dazu fanden sich die Jungen wie Christensen immer besser zurecht.

Dennoch rief Sie Favres Berater um 7.20 Uhr am nächsten Tag an und sprach von den Rücktrittsplänen des Trainers. Warum nicht Favre selbst?
Lucien wollte im Stadion mit mir sprechen, der Berater sollte mich nur vorwarnen.