Matthias Scherz über die Lage in Köln

»Horn und Hector sind nicht zu halten«

Jonas Hector und Timo Horn sind die sportlichen Gesichter des Vereins. Es wäre ein starkes Zeichen, wenn diese Spieler den Weg in Liga 2 mitgehen würden.
Jonas Hector ist Nationalspieler. In der Nationalmannschaft herrscht das Leistungsprinzip. Entsprechend kann er es sich nicht erlauben, 2. Bundesliga zu spielen, wenn die Konkurrenz Champions League spielt. Ich denke nicht, dass Hector und Horn über den Sommer hinaus zu halten sind. Ich kann die Spieler da auch ein Stück weit verstehen.

Wäre es nicht schön, wenn ein Spieler kurzfristig seine Einzelinteressen für den Verein hintenan stellen würde?
Verschiedene Faktoren spielen da eine Rolle. Wie alt ist der Spieler? Welche Perspektiven bieten sich ihm? Jeder in diesem Sport strebt zwangsläufig nach dem Höchsten. Zumal es für den Spieler selbst nicht immer der leichteste Weg ist, eine neue Herausforderung zu suchen. Die eigene Wohlfühloase zu verlassen, sich dem möglicherweise verschärften Konkurrenzkampf in einer neuen Mannschaft zu stellen, erfordert Mut.

Dennoch ist es so, dass die Spieler immer mehr zu Einzelunternehmern werden. Das zeigt sich auch an der öffentlichen Darstellung, beispielsweise in den sozialen Medien. Wäre Matthias Scherz heute ein Profi, der Twitter, Instagram & Co. bedienen würde?
Da ich nicht mit diesen Begleiterscheinungen groß geworden bin, ist es schwer für mich, das aus heutiger Sicht zu beurteilen. Natürlich nutze auch ich soziale Medien, allerdings im Zweifelsfall eher konservativ. So groß ist mein Mitteilungsbedürfnis nicht. Aber ich sehe auch, dass darin für die Spieler wirtschaftliche Möglichkeiten liegen. Wer in den sozialen Medien erfolgreich ist, macht sich interessant für mögliche Sponsoren.

Profi sind Sie nun schon eine Weile nicht mehr. Spielen Sie trotzdem privat noch Fußball?
Ich spiele für die Traditionsmannschaft des 1. FC Köln sowie für die LOTTO Rheinland-Pfalz Elf.  Aber auch hier in meinem Wohnort spiele ich neuerdings immer montags bei einem Freundschaftskick mit.

Sind Sie immer noch ehrgeizig?
Heute führe ich nicht mehr jeden Defensivzweikampf so wie ich ihn vielleicht früher geführt hätte. Da eskortiere ich die Gegenspieler eher. (Lacht) Offensiv ist das wiederum anders. Wenn ich hier noch mal etwas zeigen kann, bereitet mir das nach wie vor Freude. Aber der letzte Siegeswillen ist mit den Jahren auf der Strecke geblieben. Um Punkte muss ich nicht mehr spielen.