Mathias Schober Im Interview

»Wir sehen uns als Dienstleister für die Profis«

Was sagen Sie zur Auszeichnung Leroy Sanés zum besten Nachwuchsspieler der Premier League?
Wir bekommen das natürlich mit, und sind auch stolz darauf. Wichtig für uns ist nur, uns nicht darauf auszuruhen. Spieler aus der Knappenschmiede spielen in den wichtigen Ligen Europas,  vier sind sogar Weltmeister geworden. Aber wir müssen immer auf die nächste Generation schauen. Leroy Sané ist ein Ausnahmespieler, der Anspruch ist, Jungs mit solchen Qualitäten immer wieder zu finden. 

Schalke bildet auch viele Spieler aus, die woanders den Sprung in den Profifußball schaffen.
Genau das ist das Ziel der Knappenschmiede. In erster Linie sehen wir uns als Dienstleister für die Profis. Aber natürlich gibt es auch Jungs, die es hier nicht in die erste Mannschaft schaffen. Wenn einem Spieler dann woanders der Sprung in die erste oder zweite Bundesliga gelingt, freut uns das. Dennoch müssen wir auch andere Aspekte in den Fokus rücken. Wir sehen uns dazu verpflichtet, die schulische Ausbildung voranzutreiben und dafür zu sorgen, dass die nicht nur nebenher läuft. Schließlich wird die Mehrheit eines Jahrgangs nicht Fußballprofi.  Dann sollen die Jungs aber so weit sein, dass sie einen guten Abschluss machen können, im Idealfall das Abitur. 

Gibt es denn noch Kontakt zu Ehemaligen?
Auf jeden Fall. Sead Kolasinac und Leroy Sane sind regelmäßig hier und schauen sich Jugendspiele oder –trainingseinheiten an, wenn sie mal wieder in Gelsenkirchen sind. Wenn man über Jahre hier in der Jugend gespielt hat, bleibt man dem Klub immer ein Stück weit verbunden, auch wenn man später woanders spielt. Bei jedem Besuch von Ex-Spielern merken wir; Schalker bleibt man immer. Und da sind wir auch stolz drauf. 

Sind die Spieler heute tatsächlich anders als zu ihrer Zeit?
Es hat sich dahingehen verändert, dass man früher mit 20 zu den Profis kam. Heute kommen die Jungs teilweise schon mit 16,17 in die erste Mannschaft und bekommen sogar Einsätze. Natürlich haben sie die auch verdient. Aber die Mannschaftsstruktur ist heute gänzlich anders als früher. Als wir damals den UEFA-Cup gewannen, war ich mit 22 einer der jüngsten Spieler. Da musste ich Tore tragen und Bälle einsammeln, es gab ältere Spieler die einen mal zurecht gewiesen haben. Heute wird den Jungs viel abgenommen, es gibt Betreuer, die die Bälle einsammeln, damit das Training schneller geht. Das ist professionell, aber dabei geht auch etwas verloren. 

Und außerhalb des Feldes?
Die Digitalisierung hat natürlich einen großen Einfluss. Durch soziale Netzwerke haben die Jungs heute einen ganz anderen Bekanntheitsgrad als früher, denn es gibt heutzutage viele Kanäle, auf denen die Spieler präsent sind. Bei uns waren ein Bild in der Zeitung oder eine Spielübertragung schon fast das Höchste der Gefühle.