Martin Dahlin über starke Mütter und Mönchengladbach

»ich hätte niemals zum HSV gehen sollen«

Hat dieses Scheitern an Ihrem Selbstvertrauen genagt?
Scheitern würde ich das nicht bezeichnen. Aber in der Tat ist der geplatzte Wechsel zu Juventus Turin die vielleicht größte Enttäuschung meiner Karriere. Ich schoss zwar zehn Tore in der Rückrunde für Gladbach und wechselte schließlich zum amtierenden englischen Meister Blackburn Rovers – aber ich frage mich heute noch, was wohl aus mir geworden wäre, wenn der Transfer mit Juventus damals geklappt hätte.

Sind Sie immer noch enttäuscht?
Damals war ich das, heute nicht mehr. Ich habe dem deutschen Meister abgesagt, der italienische wollte mich haben und zum englischen bin ich schließlich gewechselt. Mir ist schon bewusst, dass ich in meiner Karriere viel Glück hatte. Es gibt genügend Fußballer, die vielleicht sogar talentierter waren als ich, die nicht so eine Laufbahn vorweisen können.

Zumindest den Wechsel zum Hamburger SV 1998 hätten Sie sich doch sparen können, oder? Ihre Bilanz dort: Eine Saison, acht Spiele, kein Tor, ein verprügelter Zeugwart.
(lacht) Moment, verprügelt habe ich den Mann nicht. Der war damals schon sehr alt, ein richtig unangenehmer Typ, den die halbe Mannschaft nervig fand. Wenn ich ihm eine verpasst hätte, wäre er wohl drauf gegangen. Es war wohl eher ein harmloser Rempler nach einem kleinen Streit.

Abgesehen davon: War es ein Fehler, damals zum HSV zu gehen?
Ja. Es war ein Fehler, dass ich den Grad meiner Verletzung nicht richtig einschätzen konnte, und dachte, ein paar Jahre Bundesliga wären wohl noch drin. Nachdem ich mich bei den Rovers erneut am Rücken verletzt hatte, hätte ich meine Karriere beenden sollen.

Einige Jahre zuvor gehörten Sie noch zu den meist gefürchteten Angreifern der Bundesliga. In einem älteren Interview sagen Sie: »Die Abwehrspieler halten mich für einen der unfairsten Spieler der Liga.« Waren Sie so hart?
Ich war nicht unfair, aber ich war sehr schwer zu stoppen. Ich habe Kopf und Kragen riskiert, um Tore zu schießen, habe mich in jeden Zweikampf geschmissen. Und wenn mich einer trat, dann trat ich eben zurück.

Uli Borowka erzählt gerne die Anekdote, wie er mal kurz nach dem Anpfiff einen Tritt von Ulf Kirsten verpasst bekam und ihn daraufhin fragte, was das denn solle. Kirsten: »Das war noch fürs letzte Mal!«
(lacht lange) Ja, das beschreibt in etwa ganz gut, wie es damals auf dem Platz zuging. Da wurden viele Aktionen nicht geahndet, für die man heute sofort vom Platz geschmissen worden wäre.

Wer war Ihr härtester Gegenspieler?
Jürgen Kohler. Der war ein kompletter Manndecker: Zweikampfstark, hart, schnell – er konnte sogar ein wenig Fußball spielen.

Herr Dahlin: Ihre Mutter, die Psychologin, soll Sie einst davon überzeugt haben, vor den Spielen ein Buch zu lesen, um sich anschließend voll und ganz auf das Spiel zu konzentrieren. Welche Bücher empfiehlt der ehemalige Bücherwurm und heutige Berater seinen Spielern?
(lacht) Ich gebe mir ja Mühe, aber die Jungs entscheiden sich dann doch meistens für die Playstation. Und so lange sich das nicht negativ auf die Konzentration auswirkt, will ich mich auch gar nicht deswegen beschweren.

Martin Dahlin (verheiratet, zwei Kinder) leitet die Spieleragentur MD Management und betreut u.a. Wanderson (FK Krasnodar), Behrang Safari (FC Basel), Markus Rosenberg (Malmö FF) und Denn Avdic (Heracles Almelo). Wer mehr über Mode made by Martin Dahlin erfahren möchte: Hier geht es zur Homepage.

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