Marco Bode über das Spiel der Könige und Fußball

»Ein Verein, der sich politisch positioniert«

Würden Sie als Ex-Profi sagen, ihr langjähriger Trainer Otto Rehhagel hatte recht, als er sagte: »Spielen Sie möglichst lange, danach wird es schwerer ...«
»… den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen!« Ja, wie immer: Otto hat schon recht. Aber trotzdem war es keine falsche Entscheidung für mich, schon mit knapp 33 aufzuhören. Aber das mit dem Geld stimmt auf jeden Fall: Nirgendwo lässt sich schöner und einfacher Geld verdienen als im Profifußball. Es wäre geheuchelt, wenn man was anderes behauptet.

Warum hörten Sie so früh auf?
Für mich war es der richtige Zeitpunkt. Ich fand es schöner, dass die Leute zu dem Zeitpunkt noch gesagt haben: »Schade, dass du aufhörst« als irgendwann später »Mensch, jetzt wird es aber Zeit, dass du mal Schluss machst«.

War das Aufhören schwer?
Aufhören ist für jeden Profisportler eine Herausforderung. Das zu gestalten und irgendwie damit klar zu kommen, ist nicht einfach, weil sich das Leben schon dramatisch verändert.

Sie waren selbst nie in einem Fußballinternat, sondern sind als A-Jugendlicher bei Ihrem Heimatverein VfR Osterode im niedersächsischen Harz entdeckt worden. Würden Sie sagen, ein Bruch wie das Karriereende ist für heutige Fußballer, die im derzeitigen Leistungsumfeld sozialisiert werden, noch schwieriger?
Für mich war es jedenfalls wichtig, eine normale Kindheit und Jugend zu haben. Ich habe in Osterode die Schule beendet, bin nach dem Abi zu den Amateuren nach Bremen gegangen und habe dort noch 20 Monate Zivildienst gemacht – also noch ein normales Leben nebenbei gehabt. Selbst als Profi war das damals noch halbwegs möglich. Ich habe in einem meiner ersten TV-Interviews gesagt: »'Ich probiere Profifußball jetzt zwei Jahre und wenn das nicht klappt, geh ich halt studieren.«

Inwiefern war der Fußball denn nicht im selben Maße professionalisiert? Gingen die Spieler wirklich nach dem Spiel noch trinken, wie man in manchen Kneipen im Bremer Viertel heute noch hört?
Das kam vor. Obwohl ich, ehrlich gesagt, auch zu der Generation gehörte, wo das immer weniger wurde. Otto Rehhagel hat schon darauf geachtet, dass diszipliniert gearbeitet wurde. Trotzdem gab es den ein- oder anderen, der mal eine geraucht hat oder Mannschaftsabende, wo relativ heftig getrunken wurde.

Aber Sie waren da nicht dabei?
Doch, na klar. Aber ich habe es nie übertrieben! Heute ist die Kontrolle durch Medien viel enger geworden, ebenso ist die Einstellung von Spielern noch professioneller als damals. Trotzdem, auch in meiner Zeit waren die ganz wilden Zeiten eher vorbei!

Inwiefern unterscheidet sich das heutige Leben von Fußballern?
Ich denke schon, dass es für Profis heute schwieriger ist, ein normales Leben zu führen. Und auch die Internate spielen da bestimmt eine Rolle. Wenn Jugendspieler mit 15 Jahren da rein kommen, ist das schon ein prägendes Alter. Bei denen geht es fast ausschließlich um Fußball – das war bei mir nicht so.

Sie sagten auch kürzlich, Profis seien heute zu sehr mit Nebensächlichkeiten – Stichwort Instagram – beschäftigt und sollten sich ruhig auch mal öffentlich positionieren.
In bestimmten Fragen ist es wichtig, eine Haltung zu haben und die auch zu verdeutlichen. Das gilt für Werder Bremen als Klub und das dürfen gerne auch unsere Spieler tun. Wir sind ein Verein, der sich sozial engagiert und auch politisch positioniert. Unser Präsident Hubertus Hess-Grunewald hat das in Richtung AfD toll auf den Punkt gebracht, als er gesagt hat: »Die Werder-Werte gut zu finden und AfD wählen, dass passt nicht zusammen.« Deswegen verbieten wir niemandem ins Stadion zu kommen, aber dass wir uns gegen Rassismus und für eine offene Gesellschaft einsetzen, ist uns wichtig.