Marco Bode über das Spiel der Könige und Fußball

»Nicht abzusteigen, sehe ich trotzdem als Erfolg«

Klingt fies. Hat sich das auf langen Auswärtsfahrten von allein entwickelt?
Ich habe das auch nicht erfunden, sondern von der älteren Generation gelernt. Klaus-Dieter Fischer und Manni Müller etwa. Wir Spieler hatten immer eine harte Runde mit Frank Rost, unserem Masseur Holger Berger – auch ein sehr guter Spieler – und Kalli Kamp, dem früheren Co- und Amateur-Trainer. Werder-Ramsch haben wir dann auch bei der Nationalmannschaft eingeführt. Da konnte ich gegen Bierhoff und Lehmann immer ein bisschen was dazu verdienen. Wolfgang Niersbach konnte übrigens auch gut ramschen.

Haben Sie schon mal gegen Florian Kohfeldt gespielt?
Nein.

Spielt er denn Schach?
Er spielt sehr gut Tennis, aber Schach weiß ich nicht genau. Ich glaube, der Job frisst ohnehin zu viel Zeit. Die Anforderungen an die Trainer – was Analyse und Vorbereitung angeht – ist im Vergleich zu früher komplexer geworden. Mittlerweile muss man auf alle Details achten und ein ganzes Team von spezialisierten Mitarbeitern führen. Da ist Florian sehr fokussiert. Bestimmt wäre er ein guter Schachspieler. Ich muss ihn mal fragen.

Kohfeldt ist ein sehr kommunikativer Trainer. Nach den Heimspiel-PKs nimmt er sich noch in ruhiger Runde mit Journalisten 20 bis 30 Minuten, um über das Spiel zu diskutieren. Er erklärt seine Entscheidungen taktisch und diskutiert mit Ihnen ehrlich über den Spielverlauf. Hat Werders Trainer-Legende Otto Rehhagel so etwas auch gemacht?
Möglicherweise gibt es bei Kohfeldt schon ein paar Parallelen zu Otto – aber bestimmt nicht im Umgang mit den Medien. Da war Otto anders.

Inwiefern?
Für Otto war es extrem wichtig, dass engste Team aus Mannschaft und Trainer abzuschotten. In diesem Kreis wurde alles besprochen und diskutiert – und auch mal gestritten. Klar: Am Ende hat Otto bestimmt, aber der Umgang war sehr respektvoll. Journalisten waren für ihn hingegen eher eine latente Bedrohung, das zu stören. Natürlich konnte auch Otto nach außen großartig kommunizieren. Aber Florian ist schon ein bisschen anders: Er kann Menschen den Fußball gut erklären – ohne in Phrasen abzudriften.

Sie kamen 2012 in den Aufsichtsrat, sind seit 2014 sogar der Vorsitzende. Diese Saison war die erste seit langem ohne Abstiegsgefahr. Sonst war in Ihrer Zeit als Aufsichtsrats vor allem viel Berg- und Talfahrt. Mehrere Jahre ging es immer gegen den Abstieg und Bremen hatte, ganz unwerderig, mit Dutt, Skripnik, Nouri und Eichin einen relativ hohen Personal-Verschleiß. Ging das leicht von der Hand?
Lange Zeit war es keine stetige positive Entwicklung. In meiner Wahrnehmung aber vielleicht doch, weil es immer große Schwankungen gab. Mit Viktor hatten wir sehr gute Phasen. Bei Alex Nouri genau so. Aber unter diesen schwierigen Bedingungen – auch wirtschaftlicher Natur – es geschafft zu haben, nicht abzusteigen, sehe ich trotzdem als Erfolg.

Viele Medien waren da ungnädiger.
Wenn eine Zeitung jetzt schreibt »angekommen im Mittelmaß«, klingt das zwar negativ, aber erst mal haben wir eine sehr stabile Saison gespielt, in der wir sehr guten Fußball gezeigt haben. Und wirtschaftlich haben wir uns auch sehr stabilisiert.