Marco Bode über das Spiel der Könige und Fußball

»Blind spielen ist nicht sonderlich schwierig«

Sie gelten als der bisher fairste Spieler der Bundesligageschichte. Wieso sind Sie immer so ruhig geblieben?
Das ist mein Temperament, das ich schon als Kind hatte: Ich bin nicht hochemotional, sondern eher ein bisschen phlegmatisch und ausgleichend. So habe ich mich auch auf dem Platz verhalten. Es war keine bewusste Strategie. Aber trotzdem hatte ich einen Vorteil: Weil die Schiedsrichter wussten, mit wem sie es zu tun haben, bin ich öfter mal an einer Gelben vorbeigeschrammt, die jemand anders bekommen hätte.

Sie wurden nie vom Platz gestellt und haben in 13 Profijahren nur 15 Gelbe bekommen. Können Sie sich an alle Ihre Karten erinnern?
Nein, überhaupt nicht. Aber mir war schon klar, dass ich niemals wegen Gelber Karten gesperrt werden würde. Und eine Rote Karte hatte ich auch nie. Obwohl, wenn ich genauer nachdenke, erinnere ich mich an eine Zeitstrafe in der A-Jugend beim VfR Osterode.

Nein! Warum?
Da hat mich ein Gegenspieler durch Fouls und Unsportlichkeiten so provoziert, dass ich ihn mit beiden Händen an der Brust weggeschubst habe und vom Platz geflogen bin – für zehn Minuten. Das habe ich noch niemandem erzählt.

Bekannt ist hingegen, dass Sie ein sehr guter Schachspieler sind. Haben Sie auch mal Schach gegen ihre Mitspieler gespielt?
Selten mal. Bei der Nationalmannschaft habe ich gelegentlich mit Jens Lehmann oder Olli Bierhoff eine Partie gespielt. Jörg Butt hat auch mal gespielt. Im Werder-Bus habe ich einmal blind gegen Wynton Rufer und Andi Herzog gespielt – und gewonnen. Sie haben sogar versucht zu schummeln und ich hab es gemerkt. Aber ich will gar nicht so angeben: Blind spielen ist nicht sonderlich schwierig, erfordert nur eine Menge Konzentration. Was mich aber beeindruckt: Wenn Schach-Profis mehrere Partien simultan blind spielen. Wie das gehen soll, ist mir schleierhaft. Ich kann mir so gerade eben ein Brett vorstellen.

Wurden Sie von Kollegen jemals geschlagen?
Im Schach? Wie gesagt, ich möchte hier nicht so angeben (lacht). Wer auch als guter Schachspieler gilt, ist Felix Magath. Ich habe aber leider nie gegen ihn gespielt.

Dabei war er doch mal Ihr Trainer!
Als er hier Trainer war, sind wir nicht dazu gekommen. Da hätte es zu viel geknistert. Vielleicht holen wir das ja nochmal nach.

Vor kurzem sagten Sie mal, dass Sie im Grunde auch einer der ersten E-Gamer waren. Zocken Sie auch noch Videospiele?
Aber nein, E-Gaming war das nicht. Ich habe das nur scherzhaft in einer Talkrunde zu E-Games gesagt, weil ich schon in den Achtzigern am C64 die Wintergames gezockt habe. Ich spiele für mein Leben gern alle Spiele, die es gibt, aber Playstation liegt mir nicht so – da bin ich nicht geschickt genug. Am PC spiele ich nur Online-Schach. Und mit meinen Mitspielern habe ich eher Karten gespielt.

Skat?
Wir haben im Bus auf Auswärtsfahrten immer Ramsch gespielt in einer Werder-Variante, die nur wenige beherrschen. Aber wenn, dann ist es hohe Kunst.

Normales Schieberramsch als Skat-Variante kennt man. Aber die Werder-Sonderregeln müssen Sie jetzt schon erklären.
Naja, man kann mit Contra, Re und Bock die Spiele verdoppeln. Taktisch ist es allerdings so: Wenn die ersten beiden Contra und Re ansagen und der dritte nichts sagt, spielen die ersten beiden gegen den anderen. Das heißt, Contra-, Re- und Bock-Sagen ist ein taktisches Mittel, um einen Partner zu finden. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Gleichzeitig treibt man den Einsatz in die Höhe. Natürlich versucht jeder für sich, trotzdem wenig Stiche – also Miese – zu bekommen. Man muss immer aufpassen, dass man nicht selbst verliert – das geht natürlich vor. Aber wenn man den Partner retten kann, dann tut man es.