Marcel Risse über Köln, Leverkusen und Herrn Stöger

»Mein Held war Toni Polster!«

Seit zwei Jahren spielt Marcel Risse bei seinem Herzensverein. Aber wie erging es ihm eigentlich als Köln-Fan im Trikot von Bayer Leverkusen?

imago

Marcel Risse, können Sie momentan überhaupt an Fußball denken?
Nach den Geschehnissen von Paris ist das nicht so einfach. Es ist einfach zu viel passiert.
 
Haben Sie sofort mit Ihren Mitspielern gesprochen?
Wir hatten bis Montag um 15 Uhr frei. Nur Jonas (Hector, d. Red.) hatte ich direkt am Freitag eine SMS geschrieben. Ich wollte natürlich wissen, ob alles in Ordnung ist.
 
Wie gehen Sie als Fußballprofi mit den Geschehnissen um? Haben Sie Angst?
Nein. Das sollte man auch vermeiden, denn es ist sicherlich ein Ziel der Terroristen, so ein Gefühl bei den Menschen auszulösen. Das dürfen wir nicht zulassen.
 
Sprechen wir über Erfreulicheres: die aktuelle Saison. Wie zufrieden sind Sie? 
Es läuft bislang ganz ordentlich. Zuletzt haben wir gegen meinen Ex-Verein Bayer Leverkusen gewonnen, das war sehr wichtig, weil wir die drei Spiele zuvor eine kleine Krise hatten. Oder besser gesagt: eine kleine Punktekrise, da unsere Leistung oft okay war.
 
Am kommenden Wochenende geht es für Sie gegen einen anderen Ex-Verein, den FSV Mainz 05. Sind Partien wie gegen Leverkusen oder Mainz für Sie etwas Besonderes?
Klar freue mich auf solche Spiele noch ein bisschen mehr, weil ich dort Leute kenne. Diese Woche werde ich auch ein paar SMS an meine alten Mainzer Kumpels schicken.
 
Sticheleien?
Sicher. (Lacht.) Der Herr Baumgartlinger kann sich schon mal freuen.
 
Sie sind einer der wenigen Bundesligaprofis, die für den Klub Ihrer Heimatstadt spielen. Waren Sie immer schon FC-Anhänger?
Absolut. Mein Vater, natürlich auch FC-Fan, hat mich schon als Kind zu meinem ersten Fußballspiel ins Müngersdorfer Stadion mitgenommen. Mein Held war damals Toni Polster, der traf ja aus jeder Lage. Von ihm hatte ich auch ein Trikot. Umso schöner ist es natürlich, dass ich jetzt selber für den FC spiele. Es war ein Kindheitstraum.
 
Aber Sie haben Ihre ersten Schritte bei Bayer Leverkusen gemacht. Wie kam’s?
Schuld hat mein Vater. (Lacht.)
 
Er hat Sie zum Rivalen gebracht?
Ich war damals sechs Jahre alt, und kickte in der Jugendmannschaft des TuS Höhenhaus. Eines Tages standen ein paar Scouts an der Seite und wollten mich zu Bayer Leverkusen lotsen. Mein Vater stimmte zu, denn er sah dort die besten Chancen für mich.
 
Was haben Sie denn besonders gut gemacht beim TuS Höhenhaus?
Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung. Ich habe mir sogar mal ein paar Videos aus der Zeit angeschaut, wie man da besonderes Talent entdecken konnte, bleibt mir schleierhaft. (Lacht.)
 
Sie blieben 14 Jahre bei Bayer. Fielen Sie nicht auf als FC-Fan? Sie haben ja sogar eine Tätowierung des Kölner Bezirks Kalk.
Die Mitspieler und Mitarbeiter des Vereins wussten das natürlich. Und klar, ich hatte es nicht immer ganz einfach. Es gab auch mal ein paar blöde Sprüche, aber alles mit einem Augenzwinkern.
 
Seit 2013 spielen Sie beim 1. FC Köln. Uns ist allerdings nicht ganz klar, auf welcher Position. Ihnen?
Auf den Außenpositionen, mal hinten rechts, mal vorne rechts, ich habe auch schon mal vorne links gespielt.
 
Nervt das nicht?
Im Gegenteil. Ich finde es spannend, dass ich immer wieder neue Aufgaben auf verschiedenen Positionen habe. Das Spiel bleibt abwechslungsreich, ich bleibe flexibel.
 
Haben Sie Vorbilder auf der Position?
Früher war David Beckham mein Vorbild. Wie er die Freistöße und Flanken geschossen hat – das fand ich faszinierend. Heute schaue ich mir gerne Spiele anderer Mannschaften an, um mir vielleicht hier und da etwas abzugucken, beispielsweise Spiele von Real Madrid. Cristiano Ronaldo hat einfach eine überragende Schusstechnik, an der man sich viel abgucken kann.
 
Wobei Ronaldos Freistöße nicht sonderlich effektiv sind. In den vergangenen fünf Jahren hat er gefühlt nicht meht als zwei verwandelt.
Dazu kann ich schlecht was sagen, denn ich habe in meiner gesamten Karriere nicht mal zwei Freistoßtore gemacht. (Lacht.)