Manuel Neuer über sein Vorbild Buffon und das EM-Viertelfinale

»Zur Not schieße ich gegen Italien einen Elfmeter«

Im März schoss die DFB-Elf Italien mit 4:1 aus dem Stadion. Jetzt steht die Squadra Azzurra im EM-Viertelfinale – und ist in bester Form. Wie kann das sein, Manuel Neuer?

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Manuel Neuer, im März hat Italien beim 1:4 gegen Deutschland keine Chance gehabt. Sind Sie überrascht, dass die Italiener jetzt im Viertelfinale stehen?
Nein, Italien zeigt bei Turnieren immer ein anderes Gesicht als in Testspielen oder in der Qualifikation. Wie sie aber jetzt gegen Spanien gespielt haben, das war schon sehr gut. Sie waren bestimmt gut eingestellt auf das Spiel, die taktischen Vorgaben ihres Trainers Conte haben gegriffen. Das hat einige Fußballexperten überrascht.

Ein Grund für das Weiterkommen waren die starken Leistungen von Torhüter Gianluigi Buffon, der schon auf die 40 zugeht. Können Sie sich auch vorstellen, noch in zehn Jahren im Tor zu stehen?
Das ist schwer zu sagen. Man muss auf seinen Körper hören und schauen, ob man dann noch in der Lage ist, der Mannschaft zu helfen. Bei Gigi klappt das perfekt. Er ist fit, man sieht ihm sein Alter nicht an.

Wie gut kennen Sie sich?
Ich habe ja schon einige Mal gegen ihn gespielt, dann haben wir immer miteinander geredet, er war immer sehr freundlich und fair, egal, wie die Spiele ausgingen, auch als er mit Juventus in der Champions League gegen uns Bayern ausgeschieden ist.

Buffon wurde vor Ihnen viermal Welt-Torhüter. Haben Sie sich mal etwas abgeschaut von ihm in jüngeren Jahren?
Gigi liefert seit zwei Jahrzehnten Topleistungen ab. Er gehörte zu meinen Vorbildern. Er strahlt eine unglaubliche Ruhe aus, wenn er auf dem Platz steht. Klar kennt er die Jungs, die vor ihm stehen, sie spielen ja auch gemeinsam bei Juventus. Er hat eine sehr gute Strafraumpräsenz, er redet viel, ist sehr gut auf der Linie.

Sind Sie auch schon mal auf den Querbalken gesprungen wie er zuletzt nach dem Sieg über Spanien?
Das war noch in der Kindheit, in der E-Jugend, bei den kleineren Toren. Da habe ich es mal versucht (lacht).

Aber Sie haben gesehen, wie er zwei Versuche benötigte?
Ja, den ersten Versuch habe ich bis jetzt noch nicht gesehen, aber davon gehört. Jetzt wird es bestimmt zum Klassiker, dass er das nach jedem Sieg so machen muss und die Jungs ihn dann auffangen müssen.

Wie werden Sie sich auf das Spiel gegen Italien vorbereiten, vielleicht auch auf ein Elfmeterschießen?
Ich bereite mich vor wie immer. Ich analysiere die Offensivspieler, die Standardsituationen, dazu gehören ja auch die Elfmeter. Da muss man seine Hausaufgaben schon erledigen. Aber am Ende entscheidet immer der Spieler, wohin er den Ball beim Elfmeter schießt. Und nicht der Torwart.

Sie verlassen sich in Stressmomenten auf Ihre Intuition?
Klar ist es wichtig zu wissen, wie ein Spieler zuletzt geschossen hat. Aber ich habe ja ein paar Elfmeterschießen mitgemacht, da stütze ich mich auf meine Erfahrungen.

Würden Sie einen Elfmeter schießen?
Grundsätzlich würde ich mich erst bereiterklären, wenn die Spieler sich nicht freiwillig melden. Mein Job in einem Elfmeterschießen ist, mich  auf das Wesentliche als Torwart zu konzentrieren. Aber wenn Angst bestehen sollte bei dem einen oder anderen, dann schieße ich.

Sie haben seit fünf Spielen kein Gegentor bekommen. Was macht die deutsche Abwehr so stark?
Wir haben gute Defensivspieler, die wissen, worauf es ankommt. Wir sprechen viel miteinander und versuchen durch viel Ballbesitz den Gegner von unserem Tor wegzuhalten. Ich bin ja einer, der auch ganz gern im Spiel ist, aber wenn alle ihren Job perfekt erfüllen und nicht so viel auf mich zukommt, ist es okay für mich.