Manuel Baum über Augsburgs Erfolg in der Bundesliga

»Ballbesitz ist nicht out«

Am Dienstag holte der FC Augsburg unter Trainer Manuel Baum einen Punkt in München. Wir sprachen mit ihm über lange Bälle und Beamte, Taktik bei Sky und ganz, ganz viel Gefühl. 

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Manuel Baum, beginnen wir mit der wichtigsten Frage des Sommers. Kam Post vom Kultusministerium?
(Lacht.) Ja, ich habe ein Schreiben bekommen.

Was stand drin?
Man hat mir mitgeteilt, dass ich noch zwei weitere Jahre von meinem Job als Lehrer beurlaubt bin.

Aber da hätte auch was anderes stehen können.
In der Tat. Und dann hätte ich mich entscheiden müssen: Beamter auf Lebenszeit oder Bundesligatrainer.

Und was hätten Sie gewählt?
Ich wäre Bundesligatrainer geblieben, obwohl dieses Geschäft extrem schnelllebig ist. Doch zum Glück musste ich die Wahl nicht treffen.

Wird jetzt in zwei Jahren neu verhandelt oder gibt es eine gesetzliche Obergrenze für Beurlaubung?
Nein, die gibt es nicht, das ist abhängig vom Einzelfall. Ich habe mich 2014 beurlauben lassen, als ich beim FCA Cheftrainer im Nachwuchsleistungszentrum wurde. Nach Ablauf der zwei Jahre werde ich also insgesamt seit sechs Jahren beurlaubt sein, dann muss man weitersehen.

Beamter auf Lebenszeit und gleichzeitig Bundesligatrainer – das ist so, als ob ein Pudelzüchter nebenbei als Löwendompteur im Zirkus arbeitet. Wie passt das zusammen?
Schon nach dem Abitur wusste ich, dass ich in den Trainerbereich gehen wollte. Mir war aber klar, dass es ein riskanter Job ist. Ich brauchte eine berufliche Sicherheit, also habe ich Sportwissenschaften studiert, und zwar auf Diplom und Lehramt gleichzeitig.

War Ihnen da auch schon klar, dass es mit der Torwartkarriere nichts werden würde?
Ich bin im älteren B-Jugend-Jahr zu 1860 München gewechselt und habe da zwei Jahre gespielt. Dann, im älteren A-Jugend-Jahr, sagten sie mir, dass ich 
es nicht schaffen würde, und boten mir an, den Vertrag aufzulösen. Das tat sehr weh. Es war der Moment, als ich realisiert habe, dass es mit der Profilaufbahn nichts wird. Ich bin dann zu Ismaning gewechselt und habe mir durch den Fußball dort das Studium finanziert.

Das war ja auch immerhin vierte Liga.
Selbst das hat mir keiner zugetraut. Mit 1,72 Meter war ich für einen Torwart nicht sehr groß. Diesen Nachteil musste ich durch Spielverständnis kompensieren und war immer so etwas wie der verlängerte Arm des Trainers auf dem Feld.

Stimmt es, dass 1860 Sie geholt hat, weil man hoffte, Sie würden noch wachsen?
Das ist richtig, ja. Für einen B-Jugend-Spieler war ich noch durchschnittlich groß, aber dann bin ich nicht mehr gewachsen. Die meisten, mit denen ich bei 1860 war, sagen, dass ich mich dort wohl durchgesetzt hätte, wenn ich größer gewesen wäre. Ich brachte einige Sachen mit, die damals nicht selbstverständlich waren, so war ich fußballerisch sehr gut.

Nach dem Studium haben Sie nicht nur Sport unterrichtet, sondern auch Rechnungswesen, Wirtschaft und Recht. Sie sind ja der geborene Sportdirektor!
(Lacht.) Nein, nein. Ich kann ein bisschen mit Zahlen umgehen, deswegen habe ich Ökonomie und Management studiert und Buchführung unterrichtet. Ich glaube, es ist nicht schlecht, wenn man sich in dem Bereich ein wenig auskennt. Als ich 
beim FCA Cheftrainer im Nachwuchs war, konnte ich mich mit dem kaufmännischen Leiter inhaltlich gut austauschen.

Die Realschule in Taufkirchen, an der Sie diese Fächer unterrichtet haben, war keine normale Schule.
Es war eine DFB-Eliteschule. In jedem Jahrgang waren vier normale Klassen und eine reine Fußballerklasse. Die Schüler kamen von 1860, den Bayern, Unterhaching und einigen kleineren Vereinen. Bei mir haben sie Sportunterricht bekommen, aber eher theoretischer Natur, also Trainings- und Bewegungslehre, Sportbiologie. In ihren Stundenplan war auch Fußballunterricht integriert, den haben sie aber in ihren Vereinen erhalten.