Machen Sie den deutschen Fußball kaputt, Ralf Rangnick?

»Ich neige nicht zu Größenwahn«

Das sehen wir anders: Sie reden in 
Leipzig gern von Fairplay und biegen die Regeln so hin, dass der Konzern 
den Verein lenken kann.
Solange ich hier bin, lenkt der Konzern die Vereine weder in Leipzig noch in Salzburg. 
Wir haben sie gelenkt und extrem viel umstrukturiert. Club Building nennt 
man das in England.

Das mag sein, aber durch die Konstruktion verschafft sich RB Leipzig gegenüber den anderen Klubs in Deutschland einen unfairen Wettbewerbsvorteil.
Den Startvorteil hatten wir 2009. 
Den hatte aber auch Hoffenheim oder der VfL Wolfsburg. Ohne VW wären sie ganz sicher nicht in der Champions League, wahrscheinlich noch nicht einmal in der Bundesliga.

Aber der Vorteil besteht doch weiter. Nur zwei Vereine haben in dieser Saison netto mehr Geld für Transfers ausgegeben als RB Leipzig: Der FC Bayern und Borussia Mönchengladbach.
Das stimmt, war aber damals in Hoffenheim nicht anders: Wir haben in der zweiten Liga für Carlos Eduardo, Demba Ba, 
Luiz Gustavo, Vedad Ibisevic und Chinedu Obasi 17 Millionen Euro investiert. 
Sie haben aber nachher über 100 Millionen an Transfererlösen gebracht. Die letzten Spieler, die ich verpflichtet habe, waren Kevin Volland und Firmino. Für den einen haben sie gerade 41 Millionen Euro bekommen, für den anderen gibt 
es wahrscheinlich nächsten Sommer noch mal eine ganze Menge.

Und demnächst holen Sie Mario Götze und Jürgen Klopp als Trainer? Das haben Sie ja schon mal angekündigt.
Nein, das stimmt nicht. Um mal bei Klopp zu bleiben: Ich wurde in einem Interview gefragt: Könnte es sein, dass Jürgen Klopp nächstes Jahr ein Trainerkandidat wäre, falls Leipzig aufsteigt? Da sage ich: Ja, der könnte passen. Die Frage wäre halt gewesen, ob wir in Klopps Karriereplanung passen. Der war bei Borussia Dortmund zwei Mal Deutscher Meister, im Champions-League-Finale und Pokalsieger. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sein nächster Verein RB Leipzig sein wird. Das war meine Antwort.

Generell fällt aber auf, dass Sie ganz gern provozieren.
Ich habe sicher auch mal einen flapsigen Spruch rausgehauen, bei dem ich im Nachhinein gedacht habe, das hätte nicht sein müssen. Aber wer kann das von sich nicht behaupten? Grundsätzlich glaube ich aber nicht, 
dass ich ein Mensch bin, der zu Größenwahn neigt. Da hat mich meine eigene Geschichte vor vier, fünf Jahren durchaus noch einmal geprägt.

Sie gelten als Trainer, der ungerne etwas dem Zufall überlässt – bis zur Auswahl der Köche fürs Nachwuchsleitungszentrum. Aber das ist doch nur möglich, weil Sie in sehr tiefe Schatullen greifen und im Gegensatz zu Konkurrenz auch mal richtig daneben liegen können. Beim Spieler Damari zum Beispiel. Den kennt hier niemand, er kostete fünf Millionen Euro, inzwischen haben Sie ihn nach Salzburg abgeschoben.
Da trifft er wieder.

Ihre Ligakonkurrenten wären froh, überhaupt fünf Millionen Euro investieren zu können.
Ich will schon drauf hinweisen, dass wir in Leipzig nicht so angefangen haben. Ich habe in meiner Funktion als Sportdirektor für beide Klubs Davie Selke und Damari auch erst geholt, als wir mit Leipzig bereits Zweitligist waren und in Salzburg für jeweils über zehn Millionen Euro Mané nach Southampton, Kampl nach Dortmund und Alan nach China verkauft hatten. Transfererlöse, die damals in Österreich undenkbar waren. Selke habe ich nur verpflichtet, weil ich mir sicher bin, dass wir ihn mit Gewinn verkaufen können, wenn er nicht mehr hier spielen möchte.

Noch so ein Spezialvorteil: Sie können Spieler zwischen Leipzig, Salzburg und dem FC Liefering hin und her schieben.
Wir müssen die Spieler letztlich davon überzeugen, dass das für sie der nächste logische Schritt in ihrer Entwicklung ist. Das funktioniert bei uns nicht anders 
als überall sonst auch. Es ist nicht wie in der ehemaligen UdSSR, dass sie zwangsdelegiert werden.

Ein Plädoyer dafür, dass sich auch Schalke, Dortmund und Hamburg Satellitenklubs im Ausland zulegen?
Das muss jeder für sich wissen und entscheiden. In England haben einige Klubs einen Satellitenklub. Und hier in Deutschland gehen ja immer mehr Vereine dazu über, ihre U23-Mannschaften abzumelden. 
Es ist ein Vorteil, wenn man in einem Farmteam nicht nur Spieler, sondern auch Trainer ausbilden kann. Die Spieler beim FC Liefering haben ein Durchschnittsalter von 18,6 Jahren, sie spielen also eigentlich mit einer A-Jugend 
in der zweiten österreichischen Liga.